. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 

Ratgeber Versicherung

Ran an die Arbeit, Herr Rösler!

Spätestens seit Montag ist klar, dass Millionen Versicherte bald einen Zusatzbeitrag an ihre Krankenkasse zahlen müssen. Und Gesundheitsminister Philipp Rösler? Der macht einfach - nichts. Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

Krankenkassen, gesetzliche Krankenkassen, Beiträge, Zusatzbeiträge, Versicherte, Gesundheit, Gesundheitspolitik, Rösler, FDP, DAK

Gesundheitsminister Philipp Rösler hat vor Amtsantritt viel versprochen - bislang aber wenig bis nichts eingelöst© Thomas Peter/Reuters

Was macht eigentlich der Gesundheitsminister? Gibt es Philipp Rösler noch? Und falls ja, warum? Warum unternimmt er so wenig? Seine Arbeit wird dringend benötigt. Seit diesem Montag ist offiziell, was seit Monaten erwartet wird. Die ersten großen Krankenkassen fordern einen Zusatzbeitrag ein, zunächst sollen die Bürger acht Euro im Monat zahlen. Aber das wird nicht lange reichen, weil die Kosten bei Arzneien, Ärzten und Kliniken kräftig steigen. Ohnehin werden Patienten kräftig abkassiert. Zusatzbeitrag, Praxisgebühr, Arzneimittelzuzahlung und dann den Krankenkassenbeitrag von 14,9 Prozent des Bruttolohns. Die Kosten im Gesundheitswesen kennen nur einen Weg. Nach oben.

Sicher, Rösler trägt an der jetzigen Entwicklung wenig Schuld. Die Idee des Zusatzbeitrags und des Gesundheitsfonds haben Union und SPD ausgeheckt. Das war der einzige Weg, mit dem sie ihre gegensätzlichen Ideen, Bürgerversicherung und Kopfpauschale, vereinen konnten. Damit der mühsam ausgetüftelte Kompromiss zustande kam, verteilte die Große Koalition freizügig Geld. Ein paar Milliarden für die niedergelassenen Ärzte, ein paar Milliarden für die Kliniken, die Kassen bekamen ein neues Finanzsystem und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück musste die Kasse weit öffnen, damit die Operation Gesundheitsreform nicht zu negativ auffiel. Als Folge wuchsen die Ausgaben der Kassen von 144 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 167,3 Milliarden Euro im Jahr 2009. Über 23 Milliarden Euro mehr. Es regnete Geld über Deutschland.

Rösler verweigert sich dem Kampf

Ein richtiger Gesundheitsminister müsste diesen Trend brechen. Er müsste mit den Lobbyisten ringen, den Funktionären von Kassen, Kliniken, Ärzten, Pharmaherstellern und Apothekern Zugeständnisse abpressen, damit die Versorgung bezahlbar bleibt. Kurz: Er müsste für die Patienten streiten. Aber Phillip Rösler weigert sich. Er gibt den Lieblingsschwiegersohn, redet vom Systemwechsel, von Reformkommissionen und Zeit, die nötig sei. Währenddessen zahlt der Bürger. Zahlt und zahlt.

Damit schadet Rösler der Koalition. Auch im schwarz-gelben Bündnis versucht sich Angela Merkel als Kanzlerin aller Deutschen zu geben, als Hüterin der soziale Balance. Tatsächlich aber lässt sie zu, dass Klientelen bedient werden, wie zu Zeiten von Helmut Kohl in den 80er und 90er Jahren. Den reichen Erben und Hotelbesitzern schmeißt man die Milliarden hinterher und sammelt sie nun bei den Kassenpatienten wieder ein. Was daran gerecht sein soll, weiß kein Mensch. Und wie es das Wachstum stärken soll, weiß auch keiner. Nur zu Erinnerung. Deutschland leidet an den Folgen der Finanzkrise, in diesem Jahr werden viele Menschen ihren Job verlieren. Da brauchen Familien jeden Euro, und nicht steigende Kassenbeiträge, die ihnen das Portemonnaie leeren.

Lobbyist rein, Pharmakritiker raus

Philipp Rösler sollte seine Worte der Vergangenheit einlösen. Da hatte er gefordert, dass die FDP mehr sein müsse als eine Truppe kaltherziger Neoliberaler, die den Staat schleifen wollen. Die Partei solle sich auch um soziale Gerechtigkeit bemühen. Bislang hat er von diesen Worten nichts eingelöst. In sein Ressort holte er einen langjährigen Lobbyisten der privaten Krankenversicherung, der die Konkurrenz, die gesetzlichen Kassen, reformieren soll. Einen bejubelten Pharmakritiker ließ er wegen ein paar umstrittener Spendenquittungen austauschen. Ansonsten spricht er viel, handelt aber nicht.

Also, Philipp Rösler. Aufwachen! An die Arbeit! Die Kassenpatienten warten auf ihre Taten. Worte haben sie genug gehört.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann
 
 
 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (9/2012)
Joachim Gauck: Einer für uns
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Vorstoß der DAK Erste große Kasse verlangt Zusatzbeitrag

Der Damm ist gebrochen: Mit der DAK fordert erstmals eine der großen Krankenkassen Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung hält dies nur für den Anfang einer Erhöhungswelle. mehr...

Milliardenloch der Krankenkassen Warum die Beiträge steigen

Die gesetzlichen Kassen sind klamm, deshalb können sie einen Zusatzbeitrag erheben. Die DAK ist die erste große Kasse, die dies tut. Sie verlangt von ihren Mitgliedern acht Euro mehr im Monat. Was auf die Versicherten noch zukommt. mehr...

Gesundheitsreform Der Arzt, dem die Ärzte vertrauen

Philipp Rösler bleibt gern im Ungefähren. Doch inzwischen steht der Reformplan des neuen Gesundheitsministers. Der Druck wächst, dass er seine Projekte erklärt. Der 36-Jährige hat sich einiges vorgenommen. mehr...

 
 
 
 
 
Krankenkassen-Vergleich Die beste Kasse finden

Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie!
Zum Krankenkassen-Vergleich

 
 
 
stern-Ratgeber Richtig versichern

Welche Versicherung Sie jetzt brauchen und welche Sie sich sparen können

Linde Verlag
144 Seiten
ISBN: 9783709301753
9,90 €
Hier bestellen

 
 
 
Haben Sie Anregungen zum Thema? Hier können Sie sich an unsere Redaktion wenden.