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Ran an die Arbeit, Herr Rösler!

Spätestens seit Montag ist klar, dass Millionen Versicherte bald einen Zusatzbeitrag an ihre Krankenkasse zahlen müssen. Und Gesundheitsminister Philipp Rösler? Der macht einfach - nichts. Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

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Gesundheitsminister Philipp Rösler hat vor Amtsantritt viel versprochen - bislang aber wenig bis nichts eingelöst© Thomas Peter/Reuters

Was macht eigentlich der Gesundheitsminister? Gibt es Philipp Rösler noch? Und falls ja, warum? Warum unternimmt er so wenig? Seine Arbeit wird dringend benötigt. Seit diesem Montag ist offiziell, was seit Monaten erwartet wird. Die ersten großen Krankenkassen fordern einen Zusatzbeitrag ein, zunächst sollen die Bürger acht Euro im Monat zahlen. Aber das wird nicht lange reichen, weil die Kosten bei Arzneien, Ärzten und Kliniken kräftig steigen. Ohnehin werden Patienten kräftig abkassiert. Zusatzbeitrag, Praxisgebühr, Arzneimittelzuzahlung und dann den Krankenkassenbeitrag von 14,9 Prozent des Bruttolohns. Die Kosten im Gesundheitswesen kennen nur einen Weg. Nach oben.

Sicher, Rösler trägt an der jetzigen Entwicklung wenig Schuld. Die Idee des Zusatzbeitrags und des Gesundheitsfonds haben Union und SPD ausgeheckt. Das war der einzige Weg, mit dem sie ihre gegensätzlichen Ideen, Bürgerversicherung und Kopfpauschale, vereinen konnten. Damit der mühsam ausgetüftelte Kompromiss zustande kam, verteilte die Große Koalition freizügig Geld. Ein paar Milliarden für die niedergelassenen Ärzte, ein paar Milliarden für die Kliniken, die Kassen bekamen ein neues Finanzsystem und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück musste die Kasse weit öffnen, damit die Operation Gesundheitsreform nicht zu negativ auffiel. Als Folge wuchsen die Ausgaben der Kassen von 144 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 167,3 Milliarden Euro im Jahr 2009. Über 23 Milliarden Euro mehr. Es regnete Geld über Deutschland.

Rösler verweigert sich dem Kampf

Ein richtiger Gesundheitsminister müsste diesen Trend brechen. Er müsste mit den Lobbyisten ringen, den Funktionären von Kassen, Kliniken, Ärzten, Pharmaherstellern und Apothekern Zugeständnisse abpressen, damit die Versorgung bezahlbar bleibt. Kurz: Er müsste für die Patienten streiten. Aber Phillip Rösler weigert sich. Er gibt den Lieblingsschwiegersohn, redet vom Systemwechsel, von Reformkommissionen und Zeit, die nötig sei. Währenddessen zahlt der Bürger. Zahlt und zahlt.

Damit schadet Rösler der Koalition. Auch im schwarz-gelben Bündnis versucht sich Angela Merkel als Kanzlerin aller Deutschen zu geben, als Hüterin der soziale Balance. Tatsächlich aber lässt sie zu, dass Klientelen bedient werden, wie zu Zeiten von Helmut Kohl in den 80er und 90er Jahren. Den reichen Erben und Hotelbesitzern schmeißt man die Milliarden hinterher und sammelt sie nun bei den Kassenpatienten wieder ein. Was daran gerecht sein soll, weiß kein Mensch. Und wie es das Wachstum stärken soll, weiß auch keiner. Nur zu Erinnerung. Deutschland leidet an den Folgen der Finanzkrise, in diesem Jahr werden viele Menschen ihren Job verlieren. Da brauchen Familien jeden Euro, und nicht steigende Kassenbeiträge, die ihnen das Portemonnaie leeren.

Lobbyist rein, Pharmakritiker raus

Philipp Rösler sollte seine Worte der Vergangenheit einlösen. Da hatte er gefordert, dass die FDP mehr sein müsse als eine Truppe kaltherziger Neoliberaler, die den Staat schleifen wollen. Die Partei solle sich auch um soziale Gerechtigkeit bemühen. Bislang hat er von diesen Worten nichts eingelöst. In sein Ressort holte er einen langjährigen Lobbyisten der privaten Krankenversicherung, der die Konkurrenz, die gesetzlichen Kassen, reformieren soll. Einen bejubelten Pharmakritiker ließ er wegen ein paar umstrittener Spendenquittungen austauschen. Ansonsten spricht er viel, handelt aber nicht.

Also, Philipp Rösler. Aufwachen! An die Arbeit! Die Kassenpatienten warten auf ihre Taten. Worte haben sie genug gehört.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann
 
 
KOMMENTARE (10 von 110)
 
bR4iNST0RM (28.01.2010, 15:11 Uhr)
Gerade die FDP...
... soll etwas FÜR das Volk machen?! Selten so gelacht. Immer in die eigene Tasche, lautet die Divise. Für FDP-Mitglieder sind Krankenkassenprobleme nicht relevant, da sie ihre Schäfchen schon im Trockenen haben und nur noch minimal in eine Krankenkasse einzahlen können, um das Maximale rauszuholen.
Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte. Der Großteil "unsere" Politiker sind das Letzte! Der Rösler ist auch nur eine kleine Labertasche und ein großer Umfaller.
-Dagegen- (27.01.2010, 20:22 Uhr)
Herr Rösler...
scheint im Tiefschlaf zu liegen, oder bereitet bereits den nächsten Coup seiner Klientelpartei vor.
Die Lobbyisten werden ihm schon flüstern, was zu tun ist, damit die Kassen klingeln... Wird sicher nicht zum Schaden der Mövenpick-Partei sein.
Sozimod (27.01.2010, 15:23 Uhr)
Wer bekommt denn von der GKV
ein Designerbett?
Wie wollen sie Sto´ffwechelerkrankte heilen?
Indem man diese Patienten eine Diät verschreibt?
Dieses scheint mir ein bischen wirklichkeitsfremd zu sein.
Die meisten Patienten müssen auf Rezepte zuzahlen. Sei es Physiotherapie, Psychosomatische Therapie.
Viele dieser Patienten haben real dieses Einkommen nicht mehr.

Da die Sozialversicherungsträger ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, werden die aktuellen Kosten auf die Argen geschoben. Gehen wir mal 100000 Fällen aus.
Jeder Patient erhält 1000 Euro( mit Miete ect.pp). So entstehen der Arge Kosten von 100000000Euro unnötige Kosten.

Die Kranken können sich die Medikamente und notwendige Therapie nicht mehr Leisten.

Familien sind sehr stark von diesem unsolidarischen, unsozialen System benachteiligt.

Das Motto müsste heissen:
Gesundheit geht vor!
In jungen Jahren den Menschen für dieses Thema sensibilisieren.
Die Arbeitgeber verpflichten ihre Arbeitsplätze unter Ergonomischen Kriterien zu gestalten.
Dies geschieht real nicht.
Betonböden, Stehtresen, zu langes arbeiten ect.pp.

Ach es gibt soviel zutun.

Sozimod (27.01.2010, 13:57 Uhr)
Erstmal muss das Geld her........
Durch tarifliche Entlohnung der Mitarbeiter.
Gute arbeit, gutes Geld. Dann eine Bürgerversicherung, in die jeder einzahlen muss (Solidarität). Damit würden eine menge Probleme entfallen. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden.
Nicht einzelne Blüten.......

Achso Vorstände ehrenhalber entlohnen.

Das System darf nicht an Selbstbediener
scheitern.
Sozimod (27.01.2010, 13:50 Uhr)
Gibt es mehrfach
Lieber Jomino27:
Kein Alkoohol. Lt. einem Sachbearbeiter der BG:
Da der Unfallbericht erst Wochen später bei uns eingegangen ist. Der Arbeitgeber, sprich der Filialleiter hatte den unterschrieben. Musste der Vorstand übernehmen. In der Filiale lag kein Formular vor. Dies sollte aber keine wirliche Erklärung für diese Missstände sein. Wie ich schrieb gab es in den Jahren 2007-2009 über 680000 ähnliche Vorfälle. Wenn sie Ärzten, Patienten diskutieren, werden sie geschockt sein. Die Auswirkungen dieser verfehlten Wirtschafts und Sozialpoitik sind haarsträubend. Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich mich nicht wehren. Ich war auf Hilge angewiesen. Der Sozialverband Hemmoor, sowie 2 Rechtsanwälte musste ich wegen Untätigkeit und Unfähigkeit das Mandat entziehen. Nur durch das Eiingreifen meines Hausarztes wurde mein Suizid verhindert 2008. Wie gesagt Suchmaschinen nutzen sich informieren über die realen negativen Auswirkungen dieser Politik. Egal welcher Partei. Sie waren alle daran beteiligt. Außer DIE LINKE!

Darum versuche ich der Öffentlichkeit durch meine Kommentare wachzurütteln.

Viele die durch einen erfolgreichen Suizid dies nicht mehr können und den Hinterbliebenen, möchte ich gehör verschaffen. Es geht nicht linkes oder rechtes Lager. Ein Stück Realität.

Der Mensch in Deutschland wird wegverwaltet. Die sog. Pragmatiker oder Realisten zerstören ein bewährtes Sozialsystem. Sprechen Sie mit Patienten.

Hier in den Kommentaren sind sich nahezu 80 Prozent einig dass das Gesundheitssystem reformiert werden muss. Eine neue Idee muss her.

Ich mitlerweile 3 große Aktenordner.

Wäre ich in Frankreich, Schweiz, Östereich oder Großbritanien geboren, wäre ich jetzt gesund. Könnte meinen Beitrag für die Gemeinschaft leisten wie 28 Jahre vorher.
dentix07 (27.01.2010, 13:06 Uhr)
Unsinn
@acenes (26.01.2010, 13:49 Uhr)
"Bei meinem Hausarzt könnte man anfangen zu sparen
Mein Hausarzt schreibt nämlich immer ein paar Rezepze mehr aus. Läßt diese von Hilfskräften in den Apotheken einlösen und wirft die teuren Medikamente dann im Keller in große Sammelkisten. ..."
Äh, und was hätte er davon?
Er bekäme nämlich höchstens die Gebühr für das Ausstellen des Rezeptes, und eine Häufung von Rezepten würde sofort (!) auffallen, er hat nämlich nur ein bestimmtes Kontingent das er verschreiben darf. Überschreitet er das, kriegt er nicht nur sein Honorar nicht, sondern bezahlt auch noch das Medikament aus seiner Tasche.
Ergo: Quatsch mit Soße!
Er wäre schön blöd wenn er es so machen würde wie du schilderst!
Ich kenne allerdings einige Ärzte bei denen sich auch Medikamentenpackungen häufen, zurückgegebene nicht verbrauchte (passiert bei mir auch andauernd, darf sie aber nicht weitergeben!), Pharmaproben, nicht mehr verwendbare, weil MHD abgelaufen usw.
DAS erscheint mir wahrscheinlicher! Und daß er vielleicht nur nicht auf-/ausgeräumt hat!
knilch_59 (27.01.2010, 13:06 Uhr)
@VolkerRockel
Sie setzen voraus, dass die Kostensteigerungen in der Intensiv- und Maximalmedizin angefallen sein sollen. Das würde sich aber damit beißen, dass die von Ihnen angeführten Verschreibungen bei den niedergelassenen Ärzten erfolgt sein sollen. Wäre das nicht eher in den Krankenhäusern angefallen - jedenfalls zum Großteil?
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Oder liegt es auch daran, dass eingeführte Medikamente teurer geworden sind? Oder dass mehr verordnet/konsumiert wurden?
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Kostensteigerungen in diesem Ausmaß erklären sich nicht aus den vergleichsweise wenigen, wenn auch teuren, Spezialbehandlungen. Die werden immer nur vorgeschoben.
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Wenn man davon ausgeht, dass die Kostensteigerung aus einer Vielzahl von Standard-Behandlungen rührt, könnte mehr Markt helfen: Kunden-Lieferantenbeziehung; wer bestellt bezahlt! Den Krankenkassen muss Gelegenheit gegeben werden ihr Case-Management zu verbessern. Man muss in die Therapie eingreifen können und Wege finden können, die Kosten zu senken. Zur Not, indem das Medikament eben aus dem Ausland bezogen wird, indem die Lieferkette durchbrochen wird. Aber auch indem mit dem Versicherten eine Therapievereinbarung abgeschlossen wird, wenn man durch eine Verhaltensänderung Kosten senken könnte. Warum 30-jährigen Übergewichtigen für die nächsten 50 Jahre die Cholesterinsenker, Beta-Blocker und Gichttabletten bezahlen, ohne ausprobiert zu haben, ob sich bei Normalgewicht nicht die Medikation erübrigt? Warum nicht dem Rückenpatienten erklären, dass sein niedriges Designerbett eben nicht das Richtige ist und diese Couch sich nicht eignet, die Einnahme von Schmerzmitteln zu vermindern usw. Leider habe ich in meinem Bekanntenkreis zu viele Fälle, in denen das Selbstverständnis der Versicherten zu so etwas nicht ausreicht und wo mit sanftem Druck viel bewirkt werden könnte.
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Aber den größten Block verspreche ich mir davon, dass die Kasse die Medikamente für chronische Leiden selbst beschaffen darf. Wenn die direkt ab Fabrik beziehen und die Apotheken umgehen könnten, wäre das ein riesiger Kostenblock: Man braucht nicht jedes Mal den Beipackzettel, man kann das Zeug ?im Abo? vom Paketdienst verteilen lassen, ... Der Case-Manager kann ja den Arzt fragen, warum kein anderes Medikament möglich sein soll und sich dann an die Beschaffung machen. Wenn für 50% der verordneten Medikamente so 10% Distributionskosten gespart werden könnten, wäre das schon mal eine knappe Mia Euro!!!!
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Und das wäre nur der Anfang!
VolkerRockel (27.01.2010, 10:17 Uhr)
re: knilch_59
Sicherlich ist Gerechtigkeit immer ein relativer Begriff und sicherlich werden nie alle Interessen gleichermaßen Berücksichtigung finden können. Dennoch: Wir haben derzeit einen Status im Gesundheitsmarkt erreicht, der die Beitragszahler zur "cash cow" gemacht hat; dieser Situation muss man endlich begegnen! Ich darf ein simples Beispiel herausgreifen:


Allein im ersten Halbjahr 2009 wurden Medikamente im Wert von 15,8 Milliarden Euro in Deutschland durch niedergelassene Ärzte verordnet. (Dies sind rund eine Milliarde Euro beziehungsweise knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum!)

Nicht die Preisgestaltung der Generika ist das eigentliche Problem, sondern die für die innovativen Arzneimittel! Also u.a. von Arzneimitteln, die in der Lage sind, neue (schwere) Krankheitsbilder zu behandeln, Arzneimittel die eine effektivere Therapie bei bestehenden Krankheitsbildern versprechen oder Arzneimittel, die in der Lage sind, Krankheitsbilder zu behandeln, die sich bislang einer Therapie gänzlich entzogen haben!

Und genau über diese innovativen Arzneimittel - zu denen unter Umständen eine ungeheure Abhängigkeit von Patienten besteht, weil diese mit die einzige Möglichkeit auf Heilung oder Linderung einer schweren Krankheit bieten - können seitens der Arzneimittelhersteller zum Teil exorbitante Gewinnmargen realisiert werden!

Wenn darüber hinaus Arzneimittelhersteller über die Zulassungen den Gebrauch der Arzneimittel dahingehend einschränken könnten, dass Arzneimittel in der Therapie nur für bestimmte Krankheiten zur Anwendung kommen können, obwohl sie von den Wirkstoffen her auch zur Therapie anderer Krankheiten geeignet wären, dann ist das in der Tat bedenklich!

D.h. hier wird offensichtlich den Arzneimittelherstellern nicht nur eine Möglichkeit eingeräumt, über die Zulassung Märkte für bestimmte Arzneimittel selber zu definieren, sondern unter Umständen auch die Anwendung von Arzneimitteln in der Therapie unter monetären Gesichtspunkten einzuschränken! Letzteres wäre, sollten sich Arzneimittelherstellern tatsächlich so verhalten, nicht nur ein Vorgehen zu Lasten der Krankenkassen bzw. der Beitragszahler, sondern auch unter ethischen und moralischen Gesichtspunkten gegenüber Patienten nicht akzeptabel!


Aus meiner persönlichen Sicht läßt sich somit nicht gänzlich ausschließen, dass vor dem Hintergrund des gesundheitlichen Schicksals von Menschen, über die Höhe der Arzneimittelpreise und damit verbundener überproportionaler Profite Krankenkassen und Beitragszahler über Gebühr belastet werden!?

Und wenn man sich die in der ZDF-Sendung (Maybrit Illner v. 22.10.2009) aufgezeigten Zahlen "Ausgaben der Pharmakonzerne" vor Augen führt, dann mag diese Einschätzung nicht ganz unbegründet sein: Lt. dieser Zahlenlage werden in den Pharmakonzernen bis zu 24 % Profit realisiert und die unglaublich anmutende Zahl von 40 % des Umsatzes fließt allein in das Marketing (übrigens nur 1 % in die Herstellung und 10 % in die Forschung!), alles das wird letztendlich von den Beitragszahlern der Krankenkassen über die Medikamentenpreise mit bezahlt!


Eine Festlegung von Preisobergrenzen für verschreibungspflichtige Medikamente, die sich am europäischen Preisniveau orientieren könnte - und die exorbitanten Marketingaufwendungen und Profiterwartungen auf ein Normalmaß zurückführt - würde die Beitragszahler um 3 bis 6 Milliarden Euro kurzfristig entlasten!

Davon ausgehend, dass durch das Zulassungsverfahren Medikamente auf die Therapie bestimmter Krankheiten beschränkt werden, obwohl sie auch für die Therapie anderer Krankheiten geeignet wären - nur um bestehende hochpreisige Medikamente zu schützen - wären weitere Entlastungen für die Solidargemeinschaft der Beitragszahler denkbar, wenn z.B. Zwangszulassungen auch in Deutschland eingeführt würden!

Würde, wie in anderen europäischen Länder üblich, für Medikamente ein ermäßigter MwSt. Steuersatz von 7 % gelten, würden sich die Medikamentenkosten (je nach Einbezug verschreibungspflichtiger bzw. nicht-verschreibungspflichtiger Medikamente) um über 3 Milliarden Euro für die Krankenkassen, sprich Beitragszahler, verringern!


D.h., die Politik muss endlich aktiv auf die Problemstellungen zugehen und darf sich nicht der Diskussion darüber verweigern!
knilch_59 (27.01.2010, 09:33 Uhr)
@VolkerRockel: stimmt, aber ...
Soll sich wirklich die Politik der Sysiphosaufgabe unterziehen, in einem System, das 95 % aller Bürger persönlich betrifft, in jedem Einzelfall für ?Gerechtigkeit? sorgen zu wollen? Gerechtigkeit ist nun mal ein subjektives Gefühl, also kann es diese nicht geben!
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An allen anderen Stellen erlaubt man das Herstellen einer gewissen Balance ?dem Markt?. Nicht jede/r kann sich alles leisten, und sei es noch so nützlich. Und so gibt es eben keinen Rikscha-Tragedienst, obwohl es doch so praktisch wäre. Weil es für die, die es gerne hätten, unbezahlbar ist.
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Wichtig ist nur, dass gerade in Gesundheit niemand vom Markt ausgeschlossen werden darf! Das wird heute durch das Sachleistungsprinzip sichergestellt. Keiner weiß, was es kostet, also wollen es alle haben! Führt dazu, dass die Leistungsanbieter für sich einen sehr hohen Lohn beanspruchen und die Beitragszahler das hinnehmen. Die wahren Kosten sind verschleiert.
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Selbst jemand, der 100.000 Euro auf der Hohen Kante hat, kauft sich nicht zwingend den Ferrari. Einfach, weil ihm das Ding das Geld nicht wert ist. Es wäre spannend zu erfahren, wie jemand mit seiner Mundhygiene umgehen würde, wenn er die 400 Euro Kosten für eine dreiflächige Zahnfüllung selbst bezahlen müsste.
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Wie schon a.a.O gesagt: das gilt nicht für alle Bereiche des Gesundheitswesens, aber für sehr viele. Die Politik sollte den Mut haben in vielen Bereichen loszulassen, um dem Markt zur Geltung zu verhelfen. Für ein anderes Gerechtigkeitsgefühl bei den Bürgern. Aber unabdingbare Voraussetzung hierfür wäre, dass vorher (!!!!) dafür Sorge getragen ist, dass für die vielen nice-to-have-Leistungen des Gesundheitswesens auch die Sparreserven beim Einzelnen vorhanden sind!
VolkerRockel (27.01.2010, 08:21 Uhr)
So geht das nicht mehr weiter!
Wenn man sich den Aufbau des Gesundheitssystem anschaut, dann reicht dieser in die unseelige Zeit vor dem 2. Weltkrieg zurück.

Konzipiert war das "Gesundheitssystem" im Vorkriegsdeutschland als ein Konstrukt das das gesamte Gesundheitswesen zentral steuerbar organisierte (also "kriegstauglich" machte) und insoweit eingebettet war in die abstrusen Pläne der Nazis, die letztendlich in den zweiten Weltkrieg führten!- D.h., vieles was uns heute in der Struktur des Gesundheitswesen begegnet, folgt eigentlich der Systematik einer zentralen Steuerung!


Nur diese zentrale Steuerung war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gewollt bzw. wurde verhindert.- Konsequenterweise hätte man also auch das Konstrukt des Gesundheitswesen in Deutschland neu ausrichten müssen!

Aber genau das ist unterblieben u.a. weil bereits damals Interessengruppierungen bestanden, die dieses aus vornehmlich wirtschaftlichen Überlegungen zu verhindern wußten!

Warum, war man daran nicht interessiert?- Weil natürlich eine eigentlich zentrale Organisationsstruktur, der aber der zentrale Mechanismus der Einflussnahme und Kontrolle abhanden gekommen ist, sich natürlich perfekt dafür eignet "ein Eigenleben" zu entwickeln, dass für die eigenen Zwecke und die vielschichtigen wirtschaftlichen Interessen genutzt werden kann!


Und genau das passiert derzeit in Deutschland seit Jahrzehnten! Die Leistungserbringer, ohnehin organisiert in der Struktur des deutschen Gesundheitswesens oder in starken Verbänden zusammengefaßt, nehmen Einfluss auf die Politik und nutzen diese als verlängerte Werkbank für die Durchsetzung eigener Interessen!

Wobei diese sich, aus meiner persönlichen Sicht, wie folgte zusammenfassen lassen: a.) Keine Veränderung in der Struktur des Gesundheitswesen, um die eigene Einflussnahme auf das System nicht zu gefährden. b.) Verhinderung jeder Ausweitung der politischen Einflussnahme und Kontrolle auf die Mechanismen der bestehenden Struktur. c) Absicherung de Umsätze und Gewinne aus dem Bezug von Leistungen durch Teilhabe an dem vornehmlich selbst generierten Wachstum des Gesundheitsmarktes.


Und das wir seit Jahren als Beitragszahler erleben, ist genau das Ergebnis dieser Strategie.- Die Politik doktert lediglich an dem Symptomen und vermeidet es die Ursachen der seit Jahrzehnten bestehenden Schwächen im deutschen Gesundheitssystem zu beseitigen; in der Regel beschränkt man sich auf Eindämmung der Ausgaben (Kostendämpfung genannt!) und wenn man dann (wieder einmal) nicht mehr weiter weiß, werden eben die Beiträge in der Höhe angepaßt!


Wobei bisher jede der sogenannte Reformen (eigentlich kann man das kann garnicht "Reform" nennen!) im Gesundheitswesen dazu geführt hat, dass es wieder einer neuen Reform bedurfte um die Mängel der vorhergehenden auszugleichen!

Die zwingend notwendige Regulierung des Gesundheitssystem fand bisher nicht statt (z.B. durch Festlegung von Preisobergerenzen für Medikamente), eine grundsätzliche Diskussion zu der Struktur unterblieb bislang gänzlich.


Zusammenfassend läßt sich feststellen: Jede "Reform" die nur auf die Modalitäten der Beitragsverteilung abstellt "ist überflüssig wie ein Kropf" und stärkt mittelfristig immer nur die Leistungserbringer und sichert deren wirtschaftlichen Interessen weiter ab!- Anders ausgedrückt: Die Interessen der Beitragszahler blieben bislang immer außen vor!


Daraus folgt: Wenn wir es als Beitragszahler nicht endlich schaffen Druck auf die Politik aufzumachen und eine grundsätzliche Reform des Gesundheitswesens aus der Interessenlage der Beitragszahler erreichen, dann werden wir auch in den nächsten Jahren jedesmal wieder aufs Neue zur Kenntnis nehmen müssen, dass wieder einmal Beiträge erhöht werden!- So geht das jedenfalls nicht mehr weiter!
 
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