. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
6. Februar 2010, 13:56 Uhr

Klingeling, Herr Röttgen ist da

"Wir wollen die Kernkraft ablösen", sagt Umweltminister Röttgen, CDU. Potzblitz! Warum fällt ihm das ausgerechnet jetzt ein, da die Grünen in Nordrhein-Westfalen tagen? Tja. Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Norbert, Röttgen, Jürgen, Rüttgers, Asse, Gorleben, Atomkraft, Verländerung, Laufzeiten, Grüne, Energiepolitik, Nordrhein, Westfalen

Eine Art Gastrede: Umweltminister Norbert Röttgen, CDU© Franka Bruns/AP

Norbert Röttgen ist ein überaus sympathischer, kluger Mann. In der Union nennen sie ihn "Muttis Besten". Nun ist er Umweltminister, und diese Besetzung war auch ein strategischer Schachzug Angela Merkels: Röttgen gehörte zur "Pizza-Connection", einem losen Verbund von jungen Konservativen und jungen Grünen, die beim Italiener eruierten, ob Schwarz-Grün möglich ist. Inzwischen gibt es eine Modell-Koalition in Hamburg, vielleicht folgt bald eine weitere in Nordrhein-Westfalen.

In Nordrhein-Westfalen? Aber ja doch. Sollte die FDP bei der Landtagswahl im Mai im Strudel der Hotelspenden-Kopfpauschalen-Klientelismus-Diskussion versinken, wird "Arbeiterführer" Jürgen Rüttgers, CDU, den Grünen ein Angebot machen, zu dem sie schwer nein sagen können. Dafür allerdings braucht es im Vorfeld eine große Tube verbaler Schmiermittel. Röttgen hat sie gerade in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" ausgedrückt.

Eine Tube Schmiermittel

Er sagt kernig klingende Sätze. Zum Beispiel, dass die CDU ein energiepolitisches Gesamtkonzept wolle: "Nicht, um die Kernkraft zu festigen, sondern um sie abzulösen." Denn auch in der Regierung stünden alle Zeichen auf grün. Er sehe sich als Minister, "in dessen Amtszeit die Erneuerbaren Energien einen großen Sprung nach vorne machen." Faktisch ist dieses Interview eine Art Gastrede auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen Grünen, der just an diesem Samstag stattfindet. Applaus hätte Röttgen gleichwohl nicht verdient.

Denn es ist das alte Spiel: Ob Kopfpauschale, Steuerreform oder Atomausstieg - die Regierung drückt sich vor klaren Ansagen. Auf die Frage, welche Atomkraftwerke vom Netz und welche länger laufen sollen, verweist Röttgen auf die nebelumwallte Zukunft. Erst müssten Sicherheitsfragen geklärt und ein Gesamtkonzept entwickelt werden. Und wie es mit den Atomklos in Asse und Gorleben weitergeht - tja, auch darüber muss der Minister erstmal nachdenken.

Ein knarzendes Schanier

Klingelingeling, Herr Röttgen ist da! Die Schlagzeile "Wir wollen die Atomkraft ablösen" hat er platzieren können. Mehr auch nicht. Denn, Hand aufs Herz: Die Union braucht nicht nur Wähler und eine Machtoption mit den Grünen, sondern auch einen großen Sack Geld, um den Steuersenkungsirrwitz finanzieren zu können. Ob Finanzminister Wolfgang Schäuble der Versuchung widerstehen kann, von den Stromkonzernen Milliarden einzuheimsen, wenn die Laufzeiten verlängert werden? Wohl eher nicht.

Apropos Grüne: Die nordrhein-westfälische Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann hat, wie der Ticker soeben meldet, eine Koalition mit der CDU nicht ausgeschlossen. Sie stellte allerdings Bedingungen. Das Schulsystem müsse sich ändern, die Studiengebühren wieder abeschafft werden. Außerdem dürfe die CDU nicht weiter auf Kohle und Atom setzen. Na, bitte: Dieses knarzende energiepolitische Scharnier hat der kluge Herr Röttgen schon mal gut geschmiert. Öffnen lässt sich das Fenster deswegen noch lange nicht.

Ein Kommentar von Lutz Kinkel
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Norbert Röttgen Union soll sich von Atomkraft verabschieden

Die Union sollte sich nach Auffassung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen möglichst bald von der Atomkraft verabschieden. Die gesellschaftlichen Widerstände gegen die Atomkraft seien zu groß, sagte der CDU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". mehr...

Abfallbergung Atommülllager Asse wird zum Milliardengrab

Das marode Atommülllager Asse wird zum Milliarden-Grab. Die Bergung der radioktiven Abfälle aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage würde nach heutigen Schätzungen knapp vier Milliarden Euro kosten. Diese Summe nannte Umweltminister Norbert Röttgen im Umweltausschuss des Bundestages. mehr...

Laufzeit-Verlängerung noch offen Auch alte Atommeiler liefern bis zum Herbst weiter Strom

Alle 17 Atomkraftwerke in Deutschland sollen mindestens bis zum Herbst Strom liefern - auch die unmittelbar vor der Abschaltung stehenden Uralt-Meiler Neckarwestheim I in Baden- Württemberg und Biblis A in Hessen. Dann will die Bundesregierung über eine allgemeine Verlängerung der Laufzeiten entscheiden. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch