. .
News am 20.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
9. November 2009, 10:29 Uhr
Schriftgröße: A A A

"Nicht gerechtfertigt und nicht angemessen"

Der von einem Bundeswehr-Oberst veranlasste Luftangriff bei Kundus mit vielen zivilen Opfern sorgt weiter für Unruhe. Oppositionspolitiker griffen Verteidigungsminister zu Guttenberg heftig an. Wenn dieser Bomben auf Zivilisten rechtfertige, könnten sie den Einsatz in Afghanistan nicht mehr mittragen.

Afghanistan, Guttenberg, Oberst Klein, Luftangriff, Kundus, Rechtssicherheit, Streit

Der Luftangriff von Kundus macht dem neuen Verteidigungsminister zu schaffen: Karl-Theodor zu Guttenberg in der Kritik© Klaus-Dietmar Gabbert/EPA

Die SPD hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach dessen Äußerungen zum Luftangriff bei Kundus vor einem Strategiewechsel in Afghanistan gewarnt. "Wenn er glaubt, in Afghanistan ist der Abwurf von schweren Bomben auf große Menschenmassen zu rechtfertigen, dann kann die Sozialdemokratie da nicht mehr mitgehen", sagte der SPD-Wehrexperte Rainer Arnold dem "Tagesspiegel". "Das ist nicht gerechtfertigt und nicht angemessen." Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, warnte vor Konsequenzen für die Soldaten, sollte es gegen den für das Bombardement verantwortlichen Kommandeur ein Verfahren geben.

Guttenberg forderte nach dem Luftangriff mehr Rechtssicherheit für die Soldaten. Besonders die Verfahren bei so komplexen Situationen seien nicht immer eindeutig, sagte der Minister der "Süddeutschen Zeitung". "Hier muss zwingend nachgeschärft werden, dass solche Zweifel nicht entstehen, gerade wenn Entscheidungen unter Zeitdruck fallen müssen." Nach dem von dem Oberst Georg Klein angeordneten Angriff auf zwei von Taliban gekaperte Tanklastwagen bei Kundus hatte am Freitag die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Bei dem von US-Kampfjets ausgeführten Angriff waren am 4. September einem Nato-Bericht zufolge bis zu 142 Menschen gestorben.

Gerichtsbarkeit für Soldaten soll kommen

Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen, sagte, die Regierung wolle in Potsdam rasch eine zentrale Gerichtsbarkeit für die Bundeswehrsoldaten aufbauen. "Das Verfahren wegen des Luftschlags belegt, dass die deutsche Justiz schlecht aufgestellt ist", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die deutschen Soldaten erwarten völlig zu Recht, dass Richter und Staatsanwälte mit hinlänglichem Spezialwissen die Vorwürfe beurteilen." Es sei ein Stück aus dem Tollhaus, dass der Ort der Heimatkaserne bisher den zuständigen Staatsanwalt festlege.

Guttenberg verteidigte erneut den für den Befehl zum Luftschlag verantwortlichen Oberst. "Aus militärischer Sicht war seine Handlungsweise angemessen", betonte Guttenberg. Es habe aber auch Fehler gegeben. "Die Verfahrensfehler haben keinen Einfluss auf die Frage, ob es mandats- und völkerrechtlich legitimiert war, was er gemacht hat. Nach unserer Einschätzung war das klar der Fall. Zivil- und strafrechtliche Fragen habe ich nicht zu beurteilen."

Strafverfahren katastrophale Folgen für Bundeswehr

Guttenberg hatte zuvor Regelverstöße Kleins bei dem Bombardement der Tanklastwagen zugegeben, den Angriff aber als "militärisch angemessen" verteidigt. Der CSU-Minister werfe mit dieser Argumentation eine "grundsätzliche strategische Fragestellung" auf, betonte Arnold. Auch der Grünen-Wehrexperte Omri Nouripour kritisierte die Rechtfertigung. So erfreulich es sei, dass Guttenberg jetzt Fehler und zivile Opfer zugebe, so wenig dürfe es zur Bagatelle erklärt werden, dass Regeln nicht eingehalten wurden. "Das würde ja bedeuten, dass die Regeln unwichtig sind", sagte Nouripour.

Ein mögliches Strafverfahren hätte für die Bundeswehr katastrophale Folgen, sagte der frühere Generalinspekteur Kujat, der "Frankfurter Rundschau". Denn jeder Offizier werde sich überlegen, "ob er unter diesen Bedingungen noch Führungsverantwortung übernimmt". Er kritisierte zudem den Umgang mit Oberst Georg Klein. Das sei ein "einziger Sklandal". "Da wird der Name des Betroffenen durch die Presse gezogen, seine Familie und er werden einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt", sagte der 67- Jährige. "Es wird im Detail diskutiert, von kompetenten und weniger kompetenten Leuten, was er richtig oder falsch gemacht hat."

Der frühere UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, kritisierte unterdessen das Vorgehen von Klein. "Die Lage verlangte nicht nach einem Akt der Selbstverteidigung", sagte der jetzige Grünen-Bundestagsabgeordnete der "Mitteldeutschen Zeitung". Klein habe genug Zeit gehabt, um die Situation anders zu lösen. Man hätte zivile Opfer vermeiden können, meinte Koenigs.

DPA
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Administrator (09.11.2009, 10:27 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
n8g8 (08.11.2009, 22:27 Uhr)
ZU DUMM...
... dass die SPD und die Grünen für den Tanklaster-Fallout zusammen mit der CDU/CSU und der FDP die politische Verantwortung tragen.
Es lebe die einzig konsequent pazifistische Friedens-Partei in der Opposition!!!
*LOL*
jetrabbit (08.11.2009, 18:00 Uhr)
welch ein drama
der general weint sich bei der BRD aus. die BRD weint sich vor der NATO aus. die NATO droht mit mehr truppen.
pitiplatsch (08.11.2009, 07:45 Uhr)
So also ist die " Denke "
vom Adligen ! Kinder und Zivilsten kann man ruhig mit Bomben zerfetzen weil zwei LKW mit Diesel feststecken und nicht weiterfahren können. Gehts noch perverser ?? Die Soldaten hätten leicht die LKW s vom Boden aus vernichten können oder abschleppen und zum Lager bringen können, waren sie zu Feige bzw, Ihre Kommandeure ?? Aber an allem ist die Merkel mit ihrem Lobbyistenhaufen verantwortlich; diesen Krieg für die Opiumanbauer und korruppte Regierung ist widerlich Menschenfeindlich und Verantwortundslos im allerhöchsten Maase. Weg mit diesem schleimenden Lobbyistengesogse.
Oluja (07.11.2009, 15:08 Uhr)
wie manns dreht und wendet, es ist ein skandal und eine unverschämtheit von gutenberg so eine aussage zu machen, denn dem aktuellen informationsstand nach gab es weder eine bedrohung der bw vor ort noch sonst irgend eine gefahr der festgefahrenen benzinlaster und es gibt daher KEINE rechfertigung für deren bombardierung und somit das töten dutzender unschuldiger die nur paar liter benzin abzapfen wollen für ihre bettelarmen familien.

auch ein rätsel warum die bombariderung befohlen wurde entgegen den vorshclägen der piloten selbst durch tiefflug den "feind" zu vertreiben.
Topsy50 (07.11.2009, 14:47 Uhr)
Unsere soldaten raus
und Schröder, Fischer und alle die für diesen Einsatz gestimmt haben, bekommen eine Uniformen und werden als Ersatz für unsere Soldaten nach Afghanistan geschickt. Dann trifft es endlich mal die Richtigen......
Sozimod (07.11.2009, 13:54 Uhr)
Soldaten sind
Befehlsempfänger, somit unschuldig. Die Waffenlobbyisten tragen die Verantwortung von über 70000 toten Zivilisten. Kinder, Mütter und Kranke. Die Parteien der CDU/CSU (christlich= Nächstenliebe?), SPD und die Grünen, Mehrheitlich. Dieser Krieg widerspricht unserem Grundgesetz. Somit dürfen wir an diesem völkerrechtswidrigen Krieg nicht teilnehmen. Die Großmächte hatten dies vor über 60 Jahren beschlossen. Darum raus aus der Nato. Kriege wie gegen den Irak (ohne UN Mandat) vollzog die USA. Unsere Einstellung zu den Mitmenschen muss sich zwingend verändern. Gewallt darf kein Mittel zum Zweck sein. Friedensverhandlungen ist das Gebot. Wir in Deutschland durften die Bundeswehr installieren, um uns gegen Angriffe zu wehren. Nicht um völkerrechtswidrige Kriege im Kosovo, Sudan oder Afghanistan zu führen. Statt das wir uns weiterentwickeln, modernisieren, katapultieren wir uns Jahrhunderte zurück. Wacht auf!
laeppe (07.11.2009, 13:53 Uhr)
Ein immer unglaubwürdigerer Westen
und das hier definitiv falsch gehandelt wurde läßt sich nicht leugnen. So wie man dort vorgeht
ähnelt genau dem was man anderen
vorgeworfen hat.
Gewinnen sieht in meinen Augen anders aus.
SethusCalvisius (07.11.2009, 13:11 Uhr)
@Laura-Sch und co
Haben Sie meinen Kommentar gelesen? Wenn Sie ihn gelesen haben und anderer Meinung sind, widerlegen Sie mich bitte. Aber Menschen, denen der Tod von Zivilisten nicht am A... vorbeigeht, als Sesselpupser zu beschimpfen, ist nur peinlich.
Nach der Argumentation einiger Kommentatoren wäre es ja legitim, jeden Afghanen zu erschießen, da er ja ein potentieller Angreifer sein könnte. Bitte mal drüber nachdenken!
Topsy50 (07.11.2009, 12:56 Uhr)
Wo gehobelt wird fallen nun mal Späne
Wer hat die Soldaten nach Afghanistan geschickt? Das waren doch die SPD und die Grünen. Haben die sich eingebildet das unsere Soldaten dort mit der Bevölkerung Murmeln spielen oder was?

Es ist ein Trauerspiel wie Deutschland mit seinen Soldaten umgeht. Erst werden sie in einen Krieg geschickt, den sie nicht wollten und wenn sie angegriffen werden und sich wehren, dann fällt die Politik, die Medien und die Bevölkerung wie die Aasgeier über sie her und zerfetzen sie.
Kein Wort darüber das die lieben, lieben Taliban die Fahrer der Tanklastzüge den Kopf abgeschlagen haben. Keine Frage was die Zivilbevölkerung mit dem Benzin vor hatte. Wollten sie damit vielleicht Brandbomben herstellen, um damit unsere Soldaten oder andere, anzugreifen und zu schädigen?

Es ist echt widerlich. Man sollte um ganz Deutschland eine Mauer bauen, niemanden mehr rauslassen, damit die böse, böse Welt ihnen nichts anhaben kann und alle ihre weiße Weste behalten können............
MEHR ZUM ARTIKEL
Attacke auf Tanklaster in Afghanistan Guttenberg verteidigt Angriff

Bis zu 142 Menschen sind bei dem Angriff auf zwei Tanklastzüge in Kundus ums Leben gekommen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält die umstrittene Luftattacke für "angemessen", berichtet allerdings auch von Fehlern. mehr...

Luftangriff in Afghanistan Bundesanwaltschaft soll Ermittlungen übernehmen

Die Staatsanwaltschaft Dresden will das Ermittlungen wegen des Luftangriffs in Afghanistan an die Bundesanwaltschaft loswerden. Die soll prüfen, ob bei dem Luftschlag auf die Tanklaster das Völkerrecht verletzt worden ist. Doch die obersten Ermittler zieren sich. mehr...

Luftangriff in Afghanistan Bundeswehr offenbar doch durch Nato-Bericht belastet

War doch alles ganz anders? Die Bundeswehr wird offenbar durch den Nato-Bericht zum tödlichen Luftschlag auf zwei Tankwagen in Afghanistan schwer belastet. Laut einem Medienbericht wird insbesondere das Verhalten des deutschen Oberst Georg Klein gerügt. Auch der damalige Verteidigungsminister kommt nicht gut weg. mehr...

 
 
 
Aktuelle Extras
 
Adobe Flash Player

 
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...