. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
7. November 2009, 09:01 Uhr

"Nicht gerechtfertigt und nicht angemessen"

Der von einem Bundeswehr-Oberst veranlasste Luftangriff bei Kundus mit vielen zivilen Opfern sorgt weiter für Unruhe. Oppositionspolitiker griffen Verteidigungsminister zu Guttenberg heftig an. Wenn dieser Bomben auf Zivilisten rechtfertige, könnten sie den Einsatz in Afghanistan nicht mehr mittragen.

Afghanistan, Guttenberg, Oberst Klein, Luftangriff, Kundus, Rechtssicherheit, Streit

Der Luftangriff von Kundus macht dem neuen Verteidigungsminister zu schaffen: Karl-Theodor zu Guttenberg in der Kritik© Klaus-Dietmar Gabbert/EPA

Die SPD hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach dessen Äußerungen zum Luftangriff bei Kundus vor einem Strategiewechsel in Afghanistan gewarnt. "Wenn er glaubt, in Afghanistan ist der Abwurf von schweren Bomben auf große Menschenmassen zu rechtfertigen, dann kann die Sozialdemokratie da nicht mehr mitgehen", sagte der SPD-Wehrexperte Rainer Arnold dem "Tagesspiegel". "Das ist nicht gerechtfertigt und nicht angemessen." Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, warnte vor Konsequenzen für die Soldaten, sollte es gegen den für das Bombardement verantwortlichen Kommandeur ein Verfahren geben.

Guttenberg forderte nach dem Luftangriff mehr Rechtssicherheit für die Soldaten. Besonders die Verfahren bei so komplexen Situationen seien nicht immer eindeutig, sagte der Minister der "Süddeutschen Zeitung". "Hier muss zwingend nachgeschärft werden, dass solche Zweifel nicht entstehen, gerade wenn Entscheidungen unter Zeitdruck fallen müssen." Nach dem von dem Oberst Georg Klein angeordneten Angriff auf zwei von Taliban gekaperte Tanklastwagen bei Kundus hatte am Freitag die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Bei dem von US-Kampfjets ausgeführten Angriff waren am 4. September einem Nato-Bericht zufolge bis zu 142 Menschen gestorben.

Gerichtsbarkeit für Soldaten soll kommen

Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen, sagte, die Regierung wolle in Potsdam rasch eine zentrale Gerichtsbarkeit für die Bundeswehrsoldaten aufbauen. "Das Verfahren wegen des Luftschlags belegt, dass die deutsche Justiz schlecht aufgestellt ist", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die deutschen Soldaten erwarten völlig zu Recht, dass Richter und Staatsanwälte mit hinlänglichem Spezialwissen die Vorwürfe beurteilen." Es sei ein Stück aus dem Tollhaus, dass der Ort der Heimatkaserne bisher den zuständigen Staatsanwalt festlege.

Guttenberg verteidigte erneut den für den Befehl zum Luftschlag verantwortlichen Oberst. "Aus militärischer Sicht war seine Handlungsweise angemessen", betonte Guttenberg. Es habe aber auch Fehler gegeben. "Die Verfahrensfehler haben keinen Einfluss auf die Frage, ob es mandats- und völkerrechtlich legitimiert war, was er gemacht hat. Nach unserer Einschätzung war das klar der Fall. Zivil- und strafrechtliche Fragen habe ich nicht zu beurteilen."

Strafverfahren katastrophale Folgen für Bundeswehr

Guttenberg hatte zuvor Regelverstöße Kleins bei dem Bombardement der Tanklastwagen zugegeben, den Angriff aber als "militärisch angemessen" verteidigt. Der CSU-Minister werfe mit dieser Argumentation eine "grundsätzliche strategische Fragestellung" auf, betonte Arnold. Auch der Grünen-Wehrexperte Omri Nouripour kritisierte die Rechtfertigung. So erfreulich es sei, dass Guttenberg jetzt Fehler und zivile Opfer zugebe, so wenig dürfe es zur Bagatelle erklärt werden, dass Regeln nicht eingehalten wurden. "Das würde ja bedeuten, dass die Regeln unwichtig sind", sagte Nouripour.

Ein mögliches Strafverfahren hätte für die Bundeswehr katastrophale Folgen, sagte der frühere Generalinspekteur Kujat, der "Frankfurter Rundschau". Denn jeder Offizier werde sich überlegen, "ob er unter diesen Bedingungen noch Führungsverantwortung übernimmt". Er kritisierte zudem den Umgang mit Oberst Georg Klein. Das sei ein "einziger Sklandal". "Da wird der Name des Betroffenen durch die Presse gezogen, seine Familie und er werden einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt", sagte der 67- Jährige. "Es wird im Detail diskutiert, von kompetenten und weniger kompetenten Leuten, was er richtig oder falsch gemacht hat."

Der frühere UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, kritisierte unterdessen das Vorgehen von Klein. "Die Lage verlangte nicht nach einem Akt der Selbstverteidigung", sagte der jetzige Grünen-Bundestagsabgeordnete der "Mitteldeutschen Zeitung". Klein habe genug Zeit gehabt, um die Situation anders zu lösen. Man hätte zivile Opfer vermeiden können, meinte Koenigs.

DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Attacke auf Tanklaster Guttenberg verteidigt Angriff

Bis zu 142 Menschen sind bei dem Angriff auf zwei Tanklastzüge in Kundus ums Leben gekommen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält die umstrittene Luftattacke für "angemessen", berichtet allerdings auch von Fehlern. mehr...

Luftangriff in Afghanistan Bundesanwaltschaft soll Ermittlungen übernehmen

Die Staatsanwaltschaft Dresden will das Ermittlungen wegen des Luftangriffs in Afghanistan an die Bundesanwaltschaft loswerden. Die soll prüfen, ob bei dem Luftschlag auf die Tanklaster das Völkerrecht verletzt worden ist. Doch die obersten Ermittler zieren sich. mehr...

Luftangriff in Afghanistan Bundeswehr offenbar doch durch Nato-Bericht belastet

War doch alles ganz anders? Die Bundeswehr wird offenbar durch den Nato-Bericht zum tödlichen Luftschlag auf zwei Tankwagen in Afghanistan schwer belastet. Laut einem Medienbericht wird insbesondere das Verhalten des deutschen Oberst Georg Klein gerügt. Auch der damalige Verteidigungsminister kommt nicht gut weg. mehr...

 
stern testen, Serie sichern

Jetzt den stern inklusive der aktuellen Gesundheits-Serie testen! Jetzt sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (7/2012)
Unser täglich Fleisch