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21. April 2008, 10:36 Uhr

Der CSU-Schreck - 23, schwul, evangelisch

Bei den Kommunalwahlen musste die CSU herbe Verluste hinnehmen, bei der Landtagswahl im Herbst wackelt sogar die absolute Mehrheit. Symbol des Wandels ist SPD-Politiker Michael Adam: Er ist jung, schwul, evangelisch und Deutschlands jüngster Bürgermeister. stern.de hat ihn besucht. Von Sebastian Christ

"Nicht losgelöst": Michael Adam, der neue Bürgermeister von Bodenmais© Picture Alliance

Sein Dankeschön an die Wähler klingt so bayerisch wie eine Rede von Franz-Josef Strauß: "Vergelt's Gott", schreibt Michael Adam auf seiner Internetseite, und er meint damit die 56,28 Prozent der Bodenmaiser Wähler, die ihn im März mit ihren Stimmen zum Bürgermeister der Marktgemeinde in Niederbayern gemacht haben. Doch Adam will so gar nicht ins Klischee des politischen Bayerns passen. Das wird mit einem Blick auf seine Biografie klar: Er ist 23 Jahre alt, evangelisch, Sozialdemokrat, und - schwul. Sein Wahlsieg wurde für viele zu einem Symbol der Hoffnung, die auf einen Machtwechsel in Bayern warten.

"Aus vielerlei Hinsicht sollte die CSU Angst vor der Landtagswahl haben", sagt Adam. "Doch es hat mit dieser Wahl in Bodenmais nur sehr wenig zu tun." Die Marktgemeinde liegt im Kreis Regen, nahe der Grenze zu Tschechien. Insgesamt 3300 Einwohner leben hier. Regiert wurde Bodemais seit 1990 vom CSU-Politiker Fritz Wühr. Doch nach 18 Jahren im Rathaus verlor Wühr in der Stichwahl gegen seinen sozialdemokratischen Herausforderer Adam.

Der Überraschungseffekt

Niederbayern wird seit Jahrzehnten von der CSU dominiert. Bodenmais ist da keine Ausnahme. Allerdings ist die Vorherrschaft der Schwarzen in diesem Teil des Regierungsbezirks weniger stark ausgeprägt als anderswo. Selbst in der Kreisstadt Regen kommen die Christsozialen nicht auf eine absolute Mehrheit. Dort halten sie elf von 25 Sitzen im Kommunalparlament, die Bürgermeisterin wird von den Freien Wählern gestellt. Und in Viechtach, der drittgrößten Stadt des Kreises, regiert ein Sozialdemokrat. Die CSU hat also auch auf dem Land - und nicht nur in den großen Städten - inzwischen Schwierigkeiten.

Gleichwohl war es eine Überraschung, die Michael Adam mit seinem Wahlsieg erzielte. Zu unwahrscheinlich schien es, dass ein so junger Kandidat - mit seiner Vita - sich gegen einen etablierten Bürgermeister durchsetzen konnte. Bei aller erdverbundenen Skepsis, die Adam zeigt: Auch er sieht eine Möglichkeit, dass nach 51 Jahren CSU-Regierung so etwas wie Bewegung in die politische Landschaft des Freistaates kommen könnte. "Wenn es andere Parteien und auch deren Funktionäre schaffen, sich gesellschaftlich zu integrieren, und nicht losgelöst zu sein von jeglichem Alltag der Menschen, dann kann es auch für andere Parteien klappen", sagt er.

Vielleicht erleben die Deutschen schon bei den Landtagswahlen im Herbst eine Revolution, die die Gleichung CSU=Bayern aufhebt. Bleibt das Ergebnis unter 50 Prozent, wäre das ein Hinweis darauf, dass die CSU den Anschluss an moderne Lebensstile, wie ihn ein Michael Adam verkörpert, womöglich verliert.

Mehr über die CSU

Mehr über die CSU ... lesen Sie in Tilman Gerwiens großer Reportage "Partei in Angst" im aktuellen stern

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Dusty_Crossing (21.04.2008, 12:28 Uhr)
Es sind die Themen ...
Es sind die Themen, bei denen die CSU im Augenblick nicht wirklich gut aussieht. Ich persönlich habe so meine Zweifel, ob es junge, schwule, und evangelische Nicht-CSU'ler richten werden. Das allein ist erst recht kein Programm. Leider gelingt es allerdings auch der CSU-Führung nicht, ein wirkliches Programm aufzustellen und damit die Leute mitzureißen. Bayern-Trojaner, Widerstand gegen den Gesundheitsfond und ein wenig blabla überzeugen die Menschen nicht.
talkingkraut (21.04.2008, 12:12 Uhr)
Die kommunalpolitische Stärke der wird traditonell überschätzt
Winds of change aus Bodenmais? Nein, denn von den deutschen Beobachtern wird die kommunalpolitische Stärke der CSU immer überschätzt. In den Kommunen musste die CSU immer schon mit der Konkurrenz der Freien Wähler rechnen, wenn es um die Stimmen konservativer Wähler ging. Und in einer Ackerbürgerstadt wie Gerolzhofen in Unterfranken gab es längst einen SPD-Bürgermeister. Die SPD ist landespolitisch schwach, ihre kommunalpolitische Stärke hat an dieser Schwäche noch nie etwas geändert.
undjetztnochder (21.04.2008, 12:05 Uhr)
Neidisch
Also ich bin ja ein Nordlicht und schaue schon manchmal neidisch gen Süden, nämlich nach Bayern.Und damit meine ich nicht Fußball, sondern z.B. Arbeitslosenquote, Wirtschaftskraft, Landesschulden, Bildungspolitik. Für diese dicken Pluspunkte auf dem konto der Bayern steht auch die CSU, und ob das unter einem Sozialdemokraten - dessen sexuelle Orientierung oder Konfession oder Blutgruppe hier wirklich nichts zur Sache tut - dann noch besser werden wird, das darf wohl ernsthaft bezweifelt werden. Vor allem, wenn man sich dazu im Vergleich mal SPD-Länder wie Meck-Pom oder Berlin ansieht... Sollen wir das den Bayern wirklich wünschen? Also: so neidisch bin ich persönlich nun auch wieder nicht!
UR63 (21.04.2008, 11:03 Uhr)
Was juckt...
es mich ob der schwul ist?????
Wird man halt schneller bekannt!
Schwachsinn!Wowi lässt grüßen!
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