9. Mai 2012, 16:53 Uhr

Röttgen flüchtet sich hinter Merkel

Norbert Röttgen ist der falsche Kandidat für NRW. Da hilft es auch nicht, die NRW-Wahl zur Abstimmung über Merkels Europapolitik zu erklären - und einen Tag später alles zurückzunehmen. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Droht Wahlniederlage: CDU-Spitzenkandidat in NRW, Norbert Röttgen©

Bei der Präzision, mit der die moderne Demoskopie heutzutage Wahlergebnisse zutreffend prognostiziert, kann sich Norbert Röttgen seinen Traum von einem Wahlsieg in Nordrhein-Westfalen abschminken. Statt Traum ein Trauma: Schlappe 31 Prozent prophezeit ihm die Forschungsgruppe Wahlen bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am kommenden Sonntag. Und mit 38 Prozent werden die Sozialdemokraten notiert. Kommt es nur annähernd zu einer derartigen Distanz zwischen den beiden Volksparteien, dann lässt sich über den Sündenbock dafür nicht streiten: Norbert Röttgen steht da als der falsche Kandidat der CDU. Dass ein guter CDU-Kandidat mit den Sozialdemokraten durchaus mithalten kann, hat ja soeben in Schleswig-Holstein der CDU-Mann Jost de Jager vorgeführt, der sogar noch einen Mini-Vorsprung vor den Genossen erobern konnte. Auch daran wird Röttgen gemessen werden.

Keine Volksnähe

Immer deutlicher ist im NRW-Wahlkampf geworden, dass Norbert Röttgen der rundum falsche Kandidat ist. Es begann damit, wie er sich vor der Frage drückte, ob er denn eventuell auch vom feinen Ministeramt in Berlin in das mühsame, harte Geschäft eines Oppositionsführers im Landtag wechseln werde. Im Wahlkampf selbst wurde tagtäglich vorgeführt, dass dem im Berliner Geschäft durchaus qualifizierten Sachpolitiker alles fehlt, um die Herzen der Wähler emotional zu erreichen - und sie nicht nur mit unentwegt vorgetragenen Zahlenkolonnen über die Verschuldung des Landes zu belehren. Null Volksnähe ist das Kennzeichen dieses Politikers. Hinzu kommt eine abgehobene Schnöseligkeit, die von den Menschen an Rhein und Ruhr ganz besonders schlecht vertragen wird. In der CDU selbst ist der Wahlkampfgeist auch dadurch heftig gemindert worden, dass Röttgen sich die Kandidatur mit reichlich parteiinterner Trickserei gekrallt hat und sich jetzt nicht wundern darf, dass die Solidarität der Parteifreunde im Miniformat daherkommt. Für Hannelore Kraft war es ein Kinderspiel, gegen diesen Kandidaten Zuverlässigkeit und Herzenswärme auszustrahlen.

Hemmungsloser Karrierist

Zu dieser verkorksten Strategie Röttgens passt jetzt auch sein letzter Versuch, halbwegs unbeschädigt aus diesem Wahlkampf herauszukommen. Er versucht, die Landtagswahl in eine Abstimmung über die Europapolitik der Kanzlerin umzubiegen. Die CDU-Chefin benötige jetzt unbedingt Stimmen, um nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich in der zugespitzten Situation ihrer Europapolitik Rückhalt zu erfahren. Eine absurde Aktion, die nur noch dadurch übertroffen wird, dass er einen Tag nach seiner Aussage hilflos zurückrudert.

Am Sonntag geht es um die Schuldenpolitik des Landes NRW und um eine bessere Bildungspolitik. Weil er vermutlich keine Erfolge wird vorweisen können, weil er weiß, dass ein schwaches Abschneiden der CDU zu Recht nur ihm und sonst niemandem anzulasten ist, versteckt er sich jetzt schnell hinter Angela Merkel, deren persönliche Sympathiewerte nach wie vor hoch sind. Er hat Angst, das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten für die CDU in NRW einzufahren. Dann muss er befürchten, vielleicht nicht einmal mehr als Umweltminister nach Berlin zurückkehren zu können. Vollends vergessen kann er zudem seine Hoffnung, der nächste Kanzlerkandidat der CDU zu werden. Den Makel des hemmungslosen Karrieristen wird er nach diesem Schauspiel in NRW nicht mehr los.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
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