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17. Oktober 2011, 13:24 Uhr

Ist die "Occupy"-Bewegung unsäglich albern?

Pro und Contra

Joachim Gauck war Bürgerrechtler in der DDR, Systemkritiker. Die Proteste gegen das Finanzsystem hält er dennoch für falsch - und prophezeit ihr baldiges Ende. Hat er Recht?

Träumer aller Länder, vereinigt euch!

Sie sind wütend, entschlossen und empört. Hunderttausende haben am Wochenende weltweit gegen Bankenmacht protestiert. Erleben wir gerade die Geburt einer ernstzunehmenden Protestbewegung?

Gemach. Es gibt einiges, was dagegen spricht. Zunächst die Zahl der Demonstranten. Hunderttausende klingt zwar nach viel. Allerdings ist das die Summe sämtlicher Protestierenden weltweit. Allein in Deutschland beteiligten sich nach Angaben von Attac rund 40.000 - verteilt auf 50 Städte ergibt das im Schnitt weniger als 1000 pro Demo. Eine mächtige Bewegung sieht anders aus. Bei einer derart spärlichen Beteiligung hätte der arabische Frühling nie stattgefunden, und die Machthaber säßen noch fest im Sattel.

Das größere Problem ist jedoch, dass es gar kein einheitliches Ziel gibt, für das die Demonstranten streiten. Man kann die diffuse Wut gut nachvollziehen, die die Menschen auf die Straßen treibt. Doch wohin soll sie führen? Während sich die Aktionen in den USA nicht ohne Grund gegen die Dekadenz der Wall-Street-Manager richten, wollen die "Empörten" in Spanien nicht für die finanziellen Schäden geradestehen, die der unkontrollierte Bauboom hinterlassen hat. In Italien dagegen mischt sich ein Großteil Wut über Premierminister Silvio Berlusconi unter die Proteste. Und in Deutschland verlangen Demonstranten die Einführung einer Transaktionssteuer für Börsengeschäfte - eine Forderung, die inzwischen sogar innerhalb der CDU konsensfähig ist.

Der Ärger über den Zustand, in dem sich die westliche Welt derzeit befindet, ist nachvollziehbar. Doch so berechtigt die Angst vor unkontrollierter Bankenmacht ist - ohne klares Ziel führt die Wut zu nichts. Noch schlimmer sind aber die Demonstranten, die aus der Krise die falschen Schlüsse ziehen. So wird immer wieder die Verstaatlichung von Banken gefordert. Dabei haben Staatsbanken wie die Bayrische Landesbank oder die HSH Nordbank eindrucksvoll bewiesen, dass sie kein bisschen verantwortungsvoller mit Geld umgehen als Privatbanken. So demonstrieren viele der Protestierenden vor allem eins: ihre romantisch-naiven Träume von dem guten Staat und ihre Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Joachim Gauck hat recht: Diese Proteste sind "unsäglich albern". Die Politik sollte sich davon nicht beeinflussen lassen und die Krise mit finanzpolitischem Sachverstand meistern, nicht mit diffusem Angstgefühl.

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