Es schneit und schneit. Ein Problem für jeden, der nicht mit dem Schlitten unterwegs ist. stern.de sprach mit Verkehrsminister Ramsauer über Bahn-Chaos, S21 und stille Örtchen.
Pünktlich war ich schon, aber ich musste an manchen Tagen früher losfahren. Das lässt sich im Winter leider nicht immer vermeiden.
Ich kann voll und ganz verstehen, dass die Fahrgäste verärgert sind. Ich habe mich bereits mit der neuen Leitung der Berliner S-Bahn getroffen und deutlich gemacht, dass es hier schnell Verbesserungen geben muss. Ich habe ja schon mehrfach darauf hingewiesen: Ich erwarte von der Deutschen Bahn, dass sie pünktlich, schnell, sicher und verlässlich ist. Das fordere ich auch von der Berliner S-Bahn! Allerdings müssen wir auch sehen, dass die Berliner S-Bahn ein besonders schweres Erbe abzutragen hat. Viele Züge müssen aufgrund eklatanter Mängel viel Zeit in den Wartungshallen verbringen. Der Grund sind Fehler, die vor Jahren begangen wurden - und die sich nicht wiederholen dürfen.
Ich möchte keine schmutzige Wäsche gegenüber ehemaligen Bahn-Chefs waschen. Das gehört sich nicht. Jetzt gilt es, die Vielzahl der Probleme zügig abzuarbeiten, damit hier schnellstmöglich normale Verhältnisse herrschen. Ich gehe davon aus, dass die neue Leitung der Berliner S-Bahn alle hierzu notwendigen Maßnahmen ergreift.
Dazu stehe ich nach wie vor! Die Bahn bringt täglich sieben Millionen Menschen aus dem In- und Ausland an ihren Zielort. Im Güterverkehr ist die Bahn als Verkehrsträger gar nicht wegzudenken. Aber es ist ganz klar: Es gibt Bereiche, da muss die Bahn besser werden. Ich habe ja schon im Sommer gesagt: Die Bahn muss fahren - auch bei minus 40 Grad wie bei plus 40 Grad. Bahnchef Rüdiger Grube und seine Führungsmannschaft sind da auf einem guten Weg, die Probleme mit geeigneten Maßnahmen in den Griff zu bekommen.
Das Problem ist, dass schon geringe Temperaturen um den Gefrierpunkt ausreichen können, um unbeheizte Weichen gefrieren zu lassen. In der Regel sind die ICE-Strecken sowie andere wichtige Strecken - auch die Berliner S-Bahn-Strecken - mit Weichenheizungen ausgestattet. Aber sogar hier können starke Schneeverwehungen zum Festfrieren der Weichen führen. Dann hilft keine Technik weiter - da hilft nur noch das Freischaufeln und Kehren der Weichen, um diese gangbar zu halten. Und das bedeutet Verzögerungen im Fahrplan.
Ich würde es sehr zu begrüßen, wenn die Deutsche Bahn AG sich künftig noch stärker darum kümmert, dass die sanitären Anlagen in den Bahnhöfen den modernen Anforderungen entsprechen. Ich bin mir mit Bahnchef Grube einig, dass es bei der Qualität der Bahn nicht nur um die Zuverlässigkeit von Zügen, sondern auch um entsprechendes Serviceangebot auf den Bahnhöfen geht. Städte, Kommunen und die Deutsche Bahn sollten sich austauschen, in welchen Stationen es dringenden Verbesserungsbedarf gibt.
Es ist wichtig, dass die Fahrkartenautomaten für alle Fahrgäste - Touristen, Gäste oder auch ältere Menschen - übersichtlich und einfach zu bedienen sind. Da hat die Bahn in diesem Jahr auch schon einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht und ihre 6000 Automaten in Deutschland modernisiert. So wird jetzt etwa der Automatenstandort als Abfahrtsort oder die am häufigsten gebuchte zweite Klasse am Anfang angezeigt. Das ist eine Erleichterung auch für ältere Menschen und spart zudem beim Kartenverkauf Zeit. Hilfreich sind auch die Berater, die die Bahn an viel besuchten Bahnhöfen einsetzt.
Bund und Länder haben bereits im Sommer ein Maßnahmenpaket zur besseren Versorgung mit Streusalz geschnürt. Das sind Empfehlungen, die von den Ländern umgesetzt werden. Außerdem müssen die Länder sicherstellen, dass die Winterdienste unermüdlich im Einsatz sind, um Auto- und Lkw-Fahrer sicher ans Ziel zu bringen. Grundsätzlich gilt: Die Substanz unserer Straßen muss in tadellosem Zustand sein, dann halten sich die Frostschäden in Grenzen. Deshalb hat für mich die Verhinderung von Substanzverlust auf Autobahnen und Bundesstraßen allerhöchste Priorität! Dafür investieren wir jährlich mehr als zwei Milliarden Euro.
Heiner Geisler hat es geschafft, in einer sehr aufgeheizten Situation für eine sachliche, offene und transparente Kommunikation zu sorgen. Für diese Leistung habe ich ihm gratuliert. Ich begrüße ausdrücklich, dass es beim Projekt Stuttgart 21 bleibt. Die Strecke Wendlingen - Ulm ist ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein für die Eisenbahninfrastruktur in Deutschland und Europa. Der Bahnhof Stuttgart 21 hingegen ist, wie ich schon gesagt habe, ein eigenwirtschaftliches Projekt der DB AG. Der Ratschlag des Schlichters, den Bahnhof um zwei Gleise zu erweitern, muss wie alle anderen Vorschläge nun von den Projektträgern geprüft und bewertet werden. Für den Bund gilt: Wir werden danach mögliche Konsequenzen für die Baumaßnahmen prüfen, die in unserer Zuständigkeit liegen - also die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm und deren Einbindung in den Knoten Stuttgart.
Bahnchef Grube hat mich darüber informiert, dass die Bahn die Stresstests bis Mitte 2011 durchführen wird. Die Projektträger werden die Ergebnisse des Tests bewerten und mögliche Änderungen für Stuttgart 21 prüfen.
Ein klares Ja. Wer mich kennt weiß, dass ich so etwas nicht dulde. Mit solchen Gewohnheiten früherer Zeiten ist jetzt aufgeräumt.
Im Geschäftsbereich meines Ministeriums werden keine Kosten für die Teilnahme von Beschäftigten an gewerkschaftlichen Veranstaltungen erstattet. Das habe ich sichergestellt. Eine Ausnahme bleiben hier die anerkannten Schulungs- oder Bildungsmaßnahmen.
Ich bin jetzt seit dreizehneinhalb Monaten im Amt, und ich habe es noch keine Sekunde bereut! Verkehr hat mich schon früh interessiert, auch meine Dissertation hatte Verkehr zum Thema. Dass ich nun, einige Jahre später, als Verkehrsminister arbeiten darf - und außerdem als Minister für Bau und Stadtentwicklung - macht meinen Lebenslauf erst richtig rund. Da schließt sich der Kreis!