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27. September 2009, 23:24 Uhr
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Hoch auf dem gelben Wagen

Das, was Angela Merkel ihren Wahlsieg nennt, ist dem Niedergang der SPD und der Stärke der FDP geschuldet. Sie kann zwar Kanzlerin bleiben - aber die Krise ihrer Partei überdeckt das nicht. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Noch mal davongekommen: Angela Merkel bleibt Kanzlerin© Christof Stache/AP

Die CDU/CSU, die sich immer noch gerne eine Volkspartei nennt, muss zur Kenntnis nehmen, dass sie wie auch die SPD als Volkspartei ausblutet. Dieser Prozess hat bereits 1998 mit der letzen Kandidatur von Helmut Kohl begonnen. Zehn Jahre später hat die Union den Erosionsprozess immer noch nicht gestoppt. Die Ursachen dafür liegen nach dieser Wahl offener als jemals zuvor auf dem Tisch - und sie haben sehr viel mit der Person Angela Merkel sowie ihrer Politik zu tun.

Die Beziehung zwischen ihr und der CDU/CSU ist tief gestört. Ihre hohe Popularität setzt sich nicht in Stimmen für die Partei um. Die Inhalte ihrer Politik wiederum wirken auf viele Parteimitglieder abschreckend. Die flüchten zu den Liberalen oder bleiben zuhause. Verbunden damit ist ein fortwährender Verlust der Identität der Union, die inzwischen eindeutig keinen klaren Markenkern mehr besitzt.

Die 40 Prozent der Stimmen, die sie sich bis zum Ende der Ära Kohl stets bewahren konnte, sind inzwischen unerreichbar geworden. Zwar hat Merkel versucht, im Wahlkampf sich in die Aura von Konrad Adenauer und Helmut Kohl zu stellen, aber eine politische Identität mit der politischen Tradition dieser beiden Männer ist nirgendwo in ihrem Wahlkampf erkennbar gewesen. Die Wahrheit ist: die Traditionen der CDU sind ihr gleichgültig.

Was will Merkel eigentlich?

Diese Distanz zu den programmatischen Traditionen ihrer Partei hat sie einerseits operationsfähiger gemacht, zumal in der Großen Koalition mit der SPD. Doch die programmatische Leere, deren sie sich im Wahlkampf mit hoher Konsequenz befleißigte, trug auch zur weiteren Aushöhlung der CDU als Volkspartei bei. Ein entpolitisierter Technokraten-Club, in dem früher unantastbare Prinzipien der Balance zwischen Partei der Marktwirtschaft und der Sozialpartnerschaft nach Belieben und politischer Opportunität gewichtet werden, das kann die CDU der Zukunft nicht sein.

Vor vier Jahren trat Angela Merkel nach der Devise an, sagen, was man tun will und tun, was man gesagt hat. Nie hat sie danach gehandelt. Jetzt hat sie nichts darüber gesagt, was sie tun will und alle fragen sich mit Misstrauen, was sie tun wird. Wieder nichts? Misstrauen in ihre erneuerte Kanzlerschaft ist damit garantiert.

Kampf an vielen Fronten

Hinzu kommt: so schön wie die vergangenen vier Jahre Koalition mit der SPD kann die neue Kanzlerschaft Merkels keinesfalls werden. Ihr Partner CSU ist auf ein Niveau erniedrigt worden, das ein Horst Seehofer nicht auf sein alleiniges Schuldkonto nehmen kann. Ihm bliebe dann nur noch der schnelle Rücktritt. Dazu dürfte auf keinen Fall bereit sein. Er wird den Einbruch der CSU im bürgerlichen Lager daher konsequent nach Berlin in die Verantwortung Merkels abschieben. Das heißt: Er wird ohne jede Rücksicht die bayerischen Interessen in der neuen Koalition durchzusetzen versuchen. Seehofer weiß zu gut, dass auch die schwarz-gelbe Koalition ohne ihn nicht überlebensfähig ist.

Auf der anderen Seite steht Merkel unter dem Einfluss einer FDP, die so mächtig ist wie nie zuvor. Der Druck auf die konservativen Anhänger der Union wird wachsen, wirtschafts- und steuerpolitisch, aber auch rechtspolitisch. Und damit wird die längst bestehende innere Spaltung der Union weiter wachsen. Ein Jürgen Rüttgers, der nächstes Jahr in Nordrhein-Westfalen um seine Wiederwahl kämpfen muss, wird sich nicht damit abfinden, dass in der CDU nur noch die Wähler auf der kapitalintensiven Seite nach den Wünschen der FDP gehätschelt werden. Und ein Günther Oettinger, der in Baden-Württemberg mit seiner CDU ebenfalls auf ein historisches Tief abgestürzt ist, wird die Schuld dafür ebenfalls Merkel zuschieben.

Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, drei Unionsländer ohne die sich die der FDP geschuldete Macht Merkels nicht verteidigen lässt, das bedeutet: diese Kanzlerin ist künftig abhängiger von ihrer eigenen Partei, als sie es jemals im Bündnis mit der SPD war. Noch einmal als Vorsitzende eines Kanzlerinnen-Wahlvereins kann sie die nächste Wahl nicht überleben. Den Gedanken an die Aufgabe ihres Parteivorsitzes und die Freigabe eines reformerischen programmatischen Prozesses durch eine geeignete Person sollte Merkel in sich schon zulassen. Denn sie ist eindeutig eine Vorsitzende ohne Identität zu ihrer Partei.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
KOMMENTARE (10 von 36)
 
Heinz66 (28.09.2009, 11:53 Uhr)
Berliner Runde
Nee wat war dat wieder schöhn! Kaum waren die Stimmen ausgezählt setzten bei Frau Merkel und Herrn Westerwelle der Gedächtnisschwund ein. Es war sehr traurig mit anzusehen dass beide nicht auf die Versprechen aus dem jeweiligen Wahlprogramm eingingen. Da wo ich herkomme nennt man das feige!
Versprochen ist versprochen und wird von beiden mit Sicherheit in sehr naher Zukunft gebrochen.
ganzbaf (28.09.2009, 11:39 Uhr)
Mal so gesagt...


Für DEN miserabelen Zustand und Macht-Perspektivlosigkeit der SPD ist der knappe Vorsprung der vereinten Rechtskonservativen eigentlich ganz schön läppisch.... ;-D
Administrator (28.09.2009, 11:38 Uhr)
liebe User
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare löschen müssen und bitten Sie darum sachlich zu bleiben. Danke.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
Honigkeksi (28.09.2009, 11:30 Uhr)
@Filou_de_Berlin
Kompliment, das hast du sehr schön geschrieben und ich stimme dir da vollends zu!
Filou_de_Berlin (28.09.2009, 11:15 Uhr)
Total daneben ...
... ist diese Kommentierung von Hans Peter Schütz.

Merkel hatte und hat sowohl in der CDU/CSU als auch als Kanzlerin eindeutig die Zügel in der Hand. Die Tatsache, dass sie das nicht in "Caesaren-Manier" macht wie manche ihrer Vorgänger in beiden Ämtern, ändert nichts daran. Sie übt ihre Macht schlichter, dezenter und eben nicht mit maskulinem Machtgehabe aus.

Sie zeigt Kompetenz in vielen Themen und spricht eine Sprache die viele Menschen verstehen.

Und sie hat durchaus auch die politischen Inhalte der CDU modernisiert und zeitgemäßer gestaltet und wird in der Partei absolut akzeptiert. Das wird nicht zuletzt auch dadurch deutlich, dass die von der CDU gestellten Ministerpräsidenten aus den Ländern und die CDU-Landesvorsitzenden nur sehr selten in eine Contra-Position gehen.

Es verwundert nicht, dass dies so manchem Links-Intelektuellen nicht in den Kram passt. Die haben eh die Meinung, dass alle, die nicht so wählen wie sie es gerne hätten, doof sind und nichts kapieren und wenn sie es kapieren würden, die demokratisch legitimierte Mehrheit ganz anders aussehen würde. Nur hat die Panikmache der Linken vor einer schwarz-gelben Regierung, die regelrechte Horror- und Deutschland-Untergang-Szenarien beinhaltete, schlicht nicht gezogen.

Die Tatsachen, dass die CDU auch "nur noch" knapp 34% erreicht hat 2 Gründe:

Zum einen die Veränderung des gesamten Parteienspektrums aber auch des Politikverhaltens der Menschen. Es gibt immer weniger die jahrzehntelangen langfristigen Bindungen an eine Partei. Ebenso wie man sich heute aus privaten Beziehungen und Ehen leichter verabschiedet macht man es mit seiner Wahlstimme und verteilt sie mal hier und mal da. Oder geht gar nicht wählen.

Zum anderen haben immens viele mit ihrer Erststimme CDU und mit der Zweitstimme FDP gewählt, um der FDP das Kreuz zu stärken. Das wird deutlich, wenn man betrachtet, wie viele Wahlkreise die CDU direkt gewonnen hat und wie viele Zweitstimmen die FDP dort dennoch bekommen hat.

Immerhin hat die Union in 13 von 16 Bundesländern die Mehrheit der Stimmen geholt. Die Linke in 2 (Brandenburg und Sachsen-Anhalt) und die SPD gerade mal noch im Bundesland Bremen. Auch das spricht eine deutliche Sprache.
Honigkeksi (28.09.2009, 10:00 Uhr)
@endbenutzer
Ich habe das erörtert, was andere hier geschrieben haben - deswegen dei AKW-Geschichten.

Und was den Einsatz betrifft... wir können aufgrund dieser Verträge nicht alleine entschieden!!! Das ist eleider ein Fakt und jeder, der einen höhren Rang aus der BW kennt sollte da mal nachfragen, der wird dieses bestätigen. Ich rede nicht vn etwas, was nciht so ist, sondern von etwas, was ein Fakt ist, leider.
endbenutzer (28.09.2009, 09:43 Uhr)
@Honigkeksi:
".....Freut euch, dass es so gekommen ist und nicht rot-grün zB. Dann würden alle meckern, weil der Sprit 5,00 ? kosten würde und man auf Autobahnen nur noch 80 fahren dürfte. Schwachsinn...."+++++Und immer wieder die alten abgegriffenen Argumente aus der Klamottenkiste. Langsam wird's echt langweilig. Es bahaupte auch niemand, man solle die Kernkraftwerke sofort abschalten. Das hat noch nicht einmal die SPD gefordert. Es geht aber um Langfristigkeit und auch um die Frage, ob weiterhin Atommüll angehäuft werden soll, von dem niemand weiß, wo er überhaupt hin soll. Auch das Engagement in Afghanistan ist nicht in Granit gemeißelt. Ob wir in der NATO sind oder nicht: Wir können als souveräner Staat immer noch selbst entscheiden, wie ein Militäreinsatz aussehen kann. Ich glaube, du hättest etwas besser aufpassen sollen..
Salzsteuer (28.09.2009, 09:28 Uhr)
Armes Deutschland,
Spaß für Reiche, sonst nichts mehr.
basta
Honigkeksi (28.09.2009, 09:21 Uhr)
Habt ihr nicht aufgepasst???
Liebe Leute,

ich finde eure Antworten ziemlich mau teilweise.

Zu den AKWs:
Sollen nun alle abgeschaltet werden? Ja, ist es das was einige wollen???
Dann beziehe wir den Strom, der für UNS dann teurer wird aus Tscheien oder ähnlich; aus AKWs, die nicht den hohen sicherheitsstandart haben, die die, die hier in Deutschland sind.
Denn usner Land kann nicht den Storm aufbringen, den wir brauchen, und selbst wenn wir diesen dann aus frankreich zB kaufen müssen... dort sind die AKWs auch nicht auf dem sicherheitsstandart, wie die, die bei uns sind!!!
Und bedenkt, wenn wir den Strom aus anderen Ländern ebziehen würden, das würde uns Geld kosten,d ass würde den Preis für Strom erhöhen!!

Afgahnistan:
Das usnere Bundeswehr dort hin muss.... liegt an der merkel? Habt ihr auch hier nicht aufgepasst, dass wir zB einen vertrag mit der NATO haben; Abkommen mit den ländern wie Frankkreich, Russland den USA etcpp. ... wie sollen wir da aussteigen; das geht gar nicht!!!!
Und es steht und stand fest, dass nciht weniger da runtergehen werden, sondern das es mehr werden.
Wir können froh sein, dass wir noch nicht jeden Tag Nachrichten haben, dass da unten keiner gestorben ist.
Fakt ist, da unten ist Kreig und nur weil ein Mandat im Bundestag es verbietet das auszusprechen darf es keiner machen - das solltet ihr euch vor Augen halten. Spricht man da unten von Krieg, dann wird es sich auf unsere sowieso nicht so rosige Wirtschaft auswirken und und und...
Jeder sollte sich damit abfinden, dass nicht die Kanzlerin sagt, Leute ihr müsst dahin gehen, sondern es sind verträge die geschlossen wurden, irgendwann mal, die dazu anhalten, dass sie das fordern "muss".
Und dann solltet ihr vllt auch mal unseren letzten/ bisher noch immer vorhanden (ka) Verteidigungsminister fragen,w arum er die Leute dahin schickt, aber seinen eignen Sohn von der Wehrpflicht befreit... auch seltsam, aber nunja...

Merkel selber:
Die Frau ist sehr kompetent. Sie ist die einzige von unseren hochrangigen politikern, die mit so ziemlich ALLEN anderen staatsoberhäuptern klar kommt.
Sie kann sich mit Putin selber unterhalten, brauch keinen Dolmetscher, weil sie auch russisch kann.
Sie kommt mit den Franzosen klar, sie kommt mit den Amis klar und und und...
Sicher für einige ist es das problem, sie ist eine Frau (ja na und??? ihr Männer habt auch ne Frau zuhause und??). Andere stört es, dass sie aus dem Osten kommt (ja mein Gott, nun sind wir alle eins, sie hat ihre Macken abgelegt, die viele "Altossis" noch haben -sry).


Bei jeder Wahl haben wir Abstriche machen müssen, jeder hat irgendwas versprochen, was nciht gehalten wurde - auch die SPD, wo sie ausnahmsweise mal an die macht kam^^. Sry, aber auf sowas rumzureiten ist irgendwie doch sinnfrei.

Freut euch, dass es so gekommen ist und nicht rot-grün zB. Dann würden alle meckern, weil der Sprit 5,00 ? kosten würde und man auf Autobahnen nur noch 80 fahren dürfte. Schwachsinn.
endbenutzer (28.09.2009, 09:17 Uhr)
@MrPommeroy:
"...Nun, dann wollen wir mal sehen, welche Minister der FDP denn den großen Wurf in der Lage sind anzugehen, oder ob es wieder ein Durchgewurschtel wird wie die letzten Jahre..."+++++++++Der große Wurf wird so aussehen, dass (ganz im liberalen Sinne) mehr "Eigenverantwortlichkeit" auf den Bürger zukommt. Wobei das Wort "Eigenverantortlichkeit" Im Sinne von "Sozialabbau" zu verstehen ist.
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