Vom Google-PC und anderen High-Tech-Träumen

4. Januar 2006, 17:08 Uhr

Alljährlich im Januar ist die Wüstenmetropole Las Vegas internationaler Treffpunkt für die Verbraucherelektronik. Auf der CES-Messe werden die Weichen für das High-Tech-Jahr gestellt. Überraschungen sind garantiert. Von Udo Lewalter

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Bill Gates genießt das "Heimspiel": Im vergangenen Jahr sorgte sein Auftritt mit Late-Night-Talker Conan O'Brien für viel Spaß bei den Zuschauern©

Konsum, Unterhaltung und Elektronik - zu diesen Schlagworten gibt es wohl keinen passenderen Ort auf der Welt als Las Vegas. Kein Wunder also, dass in der legendären Wüstenstadt alljährlich eine der wichtigsten Messen im Bereich der Unterhaltungs- und Verbraucherelektronik ihre Pforten öffnet. Vom 5. bis zum 8. Januar buhlen die Microsofts oder Intels dieser Welt wieder um die Aufmerksamkeit der Besucher der Consumer Electronics Show, kurz CES. Auf knapp 140.000 Quadratmetern werden von rund 2.500 Ausstellern in über 30 verschiedenen Produktbereichen die neusten technischen Errungenschaften präsentiert.

140.000 Besucher aus aller Welt werden erwartet

Das Interesse an der Verbrauchermesse ist nach wie vor ungebrochen. Betrachtet man die Historie der Veranstaltung, so ist das gerechtfertigt: In Las Vegas feierten richtungsweisende High-Tech-Produkte wie der Camcorder (1981), der HDTV-Fernseher (1998) oder der Festplattenrekorder (1999) ihre Weltpremieren. Auch in diesem Jahr wird's spannend: Obwohl offizielle Ankündigungen der Hersteller eher unspektakulär klingen, sickerten kurz vor Öffnung der Pforten handfeste Überraschungen durch.

Der Google-PC

Eine kleine Sensationsmeldung wandert aktuell durch die internationale Presselandschaft: Google "schraubt" an einem PC-System. Das vermelden die amerikanische "Los Angeles Times" und der britische "Guardian". Der Suchmaschinenhersteller soll demzufolge an einer Art Settop-Box arbeiten, die eine Verbindung zwischen dem Fernseher und dem Internet ermöglicht. Die Besonderheiten des Systems sollen ein eigens von Google entwickeltes Betriebssystem und ein extrem günstiger Preis sein - laut "Guardian" ist es wahrscheinlich, dass das System für einen Preis von unter 500 Dollar auf den Markt kommen wird. Ein solches Gerät könnte sich trotz niedrigem Verkaufspreis für den Suchmaschinenhersteller durchaus rechnen. So ist es problemlos möglich, vom Nutzer geladene Inhalte zusätzlich zu vermarkten. Ein heruntergeladener Film bespielsweise könnte mit einem kurzen Werbeclip verknüft werden, der vom User angeschaut werden muss. Google selber dementiert diese Meldung jedoch entschieden. Ob sich die Gerüchte letztlich bewahrheiten, wird die Hauptansprache von Unternehmensmitgründer Larry Page am Freitag zeigen.

Microsoft setzt auf ein neues Betriebssystem...

Bill Gates dürfte Zuhörern bereits in seiner Grundsatzrede am heutigen Abend einen umfassenden Einblick in "Vista", dem "Windows XP"-Nachfolger, gewähren. Das vorrausichtlich im Herbst erscheinende Betriebssystem enthält unter anderem eine vektorbasierte Benutzeroberfläche, die besondere grafische Effekte ermöglicht, zusätzliche Sicherheits-Features sowie einen neuen "Windows Media Player".

... und auf Multimedia

Die 2004 eingeführte "Media Center"-Konzept soll durch eine in "Vista" intergrierte, deutlich erweiterte Version künftig zur Multimedia-Schnittstelle im heimischen Wohnzimmer werden - so wünscht es sich jedenfalls Microsoft. Die Chance hierfür stehen nicht schlecht: Intel und AMD werden ihre neue Hardware noch stärker auf das die Multimediafunktionen zuschneiden. Die beiden entsprechenden Systeme "Viiv" (Intel) und "Live!" (AMD) werden ebenfalls auf der CES erstmals vorgestellt.

Über "Media Center"-PCs lassen sich Unterhaltungsgeräte wie Fernseher, HiFi-Anlagen oder die neue Spielkonsole Xbox 360 steuern. Und zukünftig vielleicht sogar auch ein neues mobiles Media-Abspielgerät von Microsoft. Experten erwarten die Ankündigung eines entsprechenden iPod-Konkurrenten im Zuge der Eröffnungsrede von Bill Gates.

Sony spielt weiter

Der größte Messestand auf der diesjährigen CES ist der von Sony: Auf den über 2.300 Quadratmetern Fläche werden sämtliche Sparten des Unternehmens präsentiert. Am Eingang soll ein Kino mit 220 Sitzen auf den Stand locken. Hier wird man kurze Videos aus den Bereichen Entertainment und Technologie in 4K-Technik (hochauflösende digitale Projektion) und Dolby 5.1 Sound präsentieren. Einen solch pompösen Auftritt hatte der japanische Konzern bislang noch nicht auf der CES. Diese Präsenz soll als Bild für den Umbruch stehen: Sony hat in den vergangenen Jahren viele wichtige Trends verschlafen. Der Walkman der Neuzeit kommt von Apple: der iPod. Brillant designte Flachfernseher liefert Samsung. Sonys Multimediamaschine PSX floppte selbst im Mutterland Japan. Das Geschäft geht schlecht. In diesem Finanzjahr will man den Wandel. Die neue Playstation3-Konsole steht in den Startlöchern. Der potentielle Umsatzbringer soll schon im April in Japan auf den Markt kommen. Neben HDTV, Blu-ray, Vaio-Laptops und dem MP3-Walkman wird die neue Spielkonsole - in welcher Form auch immer; die Hardware ist noch nicht fertig gestellt - somit sicherlich im Zentrum des diesjährigen Messeauftritts stehen.

Intels Namensspiele

Prozessorhersteller Intel ändert seinen Claim. Statt "Intel inside" wird die Werbebotschaft des Unternehmens in Zukunft "Leap ahead" heißen. Ein entsprechendes Logo wird man auf der CES präsentieren. Gleiches gilt für Intels ersten Dual-Core-Notebook- Prozessor namens "Yonah". Der Chip kommt nicht wie erwartet als "Pentium M", sondern mit der Bezeichnung "Intel Core Duo" auf den Markt. Im Desktop-Bereich will man jedoch weiter auf die "Pentium"-Namensgebung setzen.

Weitere Neuheiten

Kodak wird mit der "Easyshare V570" die erste Digitalkamera auf den Markt bringen, die mit zwei Linsen ausgestattet ist. Ein künstliches Auge besitzt eine Superweitwinkel- und eine Fish-Eye-Funktion. Die zweite Linse ist mit einem 3fach-Zoom ausgestattet.

Cyberhome stellt mit dem "Cyberhome Digital Mediabook Player" einen tragbaren Audio-/Video-Player auf den Markt, welcher mit einem DVB-T-Modul ausgerüstet werden kann. Der Clue: Das mit der Einheit empfangene TV-Programm kann auf der eingebauten 20-Gbyte-Festplatte abgespeichert werden.

Motorola präsentiert auf der CES das "ROKR E2". Der Nachfolger des erfolgreichen MP3-Handys "ROKR" bietet separate Bedientasten für die Musikwiedergabe. Zudem soll nicht mehr Apples iTunes-Player Musikdateien abspielen, sondern Motorolas neuer "iRadio"-Dienst.

 
 
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