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Toyota in der Krise: Maschinenschaden trotz Hybrid

Toyota baut die zuverlässigsten Autos, Toyota besitzt die ausgekochteste Produktionstechnik und die zufriedensten Kunden und Toyota hat den Schlüssel für die Antriebstechnologie der Zukunft, den Hybridantrieb. Und trotzdem taumelt der Gigant.

Toyota baut die zuverlässigsten Autos, Toyota besitzt die ausgekochteste Produktionstechnik und die zufriedensten Kunden und obendreinhat Toyota den Schlüssel für die Antriebstechnologie der Zukunft, den Hybridantrieb. Und darum wurde Toyota auch der Autohersteller Nummer Eins in der Welt und verdrängte die dicken, dummen und durstigen Amerikaner verdient von der Pole Position. Ein Segen für die Welt! So oder so ähnlich konnte man noch vor einem Jahr das Loblied auf den japanischen Autobauer hören. Aber irgendetwas müssen die Jubelchöre übersehen haben.

Denn trotz Hybrid und Technik und gut gefüllten Kassen wankt der japanische Gigant. Sicher Toyota ging nicht auf die Knie wie die US-Firmen, aber die waren auch schon vor der Krise angezählt, aber das Stimmungsbarometer von Toyota sank dafür in Rekordgeschwindigkeit. Dabei sah alles so gut aus. Ausgerechnet im Land des Hauptkonkurrenten General Motors galten die Japaner seit Jahren als unschlagbar. Sie produzierten Fahrzeuge wie sie Amerikas Kunden wollten.Von klein bis groß, von sparsam bis trinkkräftig von trendig bis nobel kannte die Produktpalette im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kaum Grenzen. In den USA war Toyota fiel breiter aufgestellt als etwa in Deutschland. Präsentiert sich Toyota in Europa gerne als grüne Ökomarke mit Hybridantrieb und "Optimal Drive", so sieht der Toyota-Auftritt in den USA ganz anders aus.

Auch dort sammelte Toyota unermüdlich Öko-Punkte. Und hat die Hybridtechnik mit den ersten beiden Prius-Generationen oder dem Luxusableger Lexus RX 400h hoffähig gemacht. Toyota verstand auch die Kunst, dafür zu sorgen, dass man weltweit den Siegeszug der Hybrid-Fahrzeuge mitbekam. Wenn deutsche Hersteller wie Audi gern Ausgeburten der PS-Hölle in Hollywoodfilmen päsentieren - in letzter Zeit war "Transporter 3" besonders peinlich - ließ Toyota lieber den sanften Prius durch die Kultserie "Californication" schnurren.

In Europa wurde weniger bemerkt, dass Toyota in den USA umgekehrt auch bei jeder PS-Sause mitmischte. Denn für Image und Volumen sorgten in den Vereinigten Staaten ganz andere Fahrzeuge. Jahrelang war der Toyota Camry das beliebteste Fahrzeug der USA. Der US-asiatische Klassenkamerad des VW Passat galt in der Mittelklasse als Vorzeigemodell nach US-Gusto.Die Konkurrenten von Chevrolet, Chrysler oder Ford bissen sich an ihm ebenso die Zähne aus wie die erstarkte Konkurrenz aus Europa oder Korea. Der Grund für den Erfolg von Toyota liegt auf der Hand. Das Aushängeschild Camry hatte keine echten Schwächen, bot gute Platzverhältnisse, solide Motorisierungen, eine gute Verarbeitung und das Ganze noch zu einem fairen Preis. Mit ihm war man amerikanischer als in jeder anderem Limousine unterwegs.

In der eigentlichen Volumenliga der Pick Ups sah es kaum anders aus. Anders als mancher Ökofreund in Europa dachte, schreckte Toyota nämlich nicht vor US-Landeiern als Kunden zurück. Toyota hatte sogar ganz genau hingeschaut, was den landwirtschaftlich angehauchten Kunden aus dem mittleren Westen reizt und den Freizeitsportler aus Kalifornien ebenso erfreut, wie die gewinnbringenden Großkunden. Kleine Pick-Ups wie der Toyota Tacoma waren dabei ebenso beliebt wie der mächtige Tundra, der den beiden Vorzeigemodellen Ford F-150 und Chevrolet Silverado immer mehr Kunden abspenstig machte. Auch die allseits beliebten SUV wurde durch die breite Toyota-Palette glänzend bedient. RAV4, FJ Cruiser, 4Runner, Sequoia, Highlander und Land Cruiser bei Toyota fand jeder, was er suchte. Der Einbruch von SUV und PickUp im US-Markt traf Toyota mit voller Wucht.

Neben dem Erfolg der Volumenmodelle vergaßen die Japaner nicht, sich mit innovativen Technologien in Szene zu setzen. Das Öko-Image wurde mit dem Toyota Prius prächtig geschärft und die Freunde des automobilen Luxus fühlten sich in den Nobelkarossen von Lexus zunehmend zu Hause. Mit der Trendmarke Scion folgte man sogar dem zunehmenden Customizing-Trend von Kunden, die ihr kleines Fahrzeug nach Belieben individuell gestalten wollen. Folge: Toyota wird in den USA nicht nur wegen der zahlreichen US-Produktionsstandorte als Heimatmarke wahrgenommen.

In Europa und speziell Deutschland sieht das Toyota-Bild anders aus. Hier versteht man sich in erster Linie als Ökomarke; konnte sich ansonsten jedoch nicht richtig in Szene setzen. Die kleine Trendmarke Scion existiert nicht und Lexus hat trotz immenser Marketingmaßnahmen und prächtiger Modelle bisher keine Chance gegen die deutsche Premiumkonkurrenz. Hinzu kamen glücklose Entscheidungen. Ob es eine gute Wahl war, dem weltweit etablierten Kompaktklassemodell Corolla nach mehr als 25 Millionen verkauften Fahrzeugen einen neuen Namen zu geben, ist mehr als fraglich. Aus Corolla wurde der "Auris" - ein Namen der kaum jemand etwas sagt. Mehr Marktpräsenz und Stärke gegen die übermächtige Kompaktklassenkurrenz aus Europa gab es mit ihm nicht.

Gut und ausgereift sind die Autos von Toyota seit langem. Doch die Hybridmodelle sind in unseren Breiten noch spärlicher anzutreffen als in den USA – viel Image aber wenig Volumen. So bemüht sich Toyota seit kurzem mit vergleichsweise emotionalen Modellen wie dem kecken Urban Cruiser oder einem zunehmend forscher gezeichneten Avensis aus dem automobilen Einheitsbrei herauszutreten. Ob die frischere Formgebung reicht, damit Toyota als junge Marke wahrgenommen wird, ist fraglich.

Ordentlich aufgestellt zeigt sich Toyota auch hier insbesondere im Kleinwagensegment und bei den Geländewagen. Der Toyota Yaris ist nicht nur mit seinem neuen Start-Stopp-System ein zeitgemäßes Auto ohne große Schwächen. Auch der noch junge iQ zeigt, dass Toyota Köpfchen bei der Neuausrichtung seiner Produktpalette hat. Er bietet auf kleinem Raum Platz für bis zu vier Personen. Mit dem ebenfalls neuen Toyota Urban Cruiser springt etwas spät auf einen neuen SUV-Citytrend auf, und das auch noch mit deutlichem Übergewicht.

Denn während der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Toyota Aygo aus dem Triumvirat mit Citroen C1 und Peugeot 107 noch mit günstigen Preisen neue Kunden lockt, sind besonders die neuen Hoffnungsträger iQ und Urban Cruiser sehr teuer eingepreist. Bei den Preisvisionen werden beide Modelle nicht über eine Nischenzielgruppe hinauskommen. Vernachlässigt hat Toyota in den letzten zwei Jahren dagegen die eigenen Geländewagen.

Auch der lange Jahre beliebte Toyota RAV4 hechelt inzwischen hinter der erstarkten Euro-Konkurrenz bei den Mittelklasse-SUV hinterher. Wie stark sich Mercedes GLK, VW Tiguan, Ford Kuga, BMW X1/X3 oder Audi Q3/Q5 im Markt durchsetzen würden, hatten die Japaner nicht auf dem Schirm.

Die Toyotas sind gut, aber das ist offenbar nicht genug. Aber trotz der führenden Position in der Hybridtechnik ist selbst unter der Haube nicht alles up-to-date. Bei der Antriebstechnik muss man sowohl in den USA als auch in Europa nachlegen. Immerhin haben sich in unseren Breiten mittlerweile die drehmomentstarken Commonrail-Diesel in der Modellpalette durchgesetzt. Doch bei den Benzinern gibt hier wie jenseits des Atlantiks kaum mehr als dröge Einheitsware. Und das ist nicht genug. Durch die ganze Palette hindurch ist Toyota kein Billiganbieter und preist sich als technologisch führend an. Von Anspruch und Preisgestaltung her müsste jedes einzelne Modell von Toyota also dem Vergleich mit einem VW - auch immer ein wenig teuerer als der Rest - gewachsen sein, das ist aber abgesehen von den Hybriden nicht der Fall.

Ökothemen sind für Toyota wichtig. Der Vorreiter der Hybrid-Entwicklung besitzt bei dieser Antriebstechnik einen technischen Vorsprung vor allen anderen Konkurrenten. Und Toyota ist es auch gelungen, das Plus bei der Technik in entsprechendes Image umzusetzen und alle anderen Firmen vor sich herzutreiben.

Ob das reicht, um sich dauerhaft eine Spitzenposition bei umweltfreundlichen Antrieben zu sichern, bleibt allerdings offen. Der Spareffekt des Hybridantriebs ist leider dann am größten, wenn ein besonders großes Fahrzeug mit Benzinmotor mit ihm angetrieben wird. Ein weiteres Problem des Hybridantriebes macht vor allem kostenbewußten Käufern zu schaffen: Beim Hybridauto muss man eben die Hybridtechnik und einen konventionellen Motor bezahlen. Bei der Optimierung des konventionellen Motors führt Toyota dagegen nicht die Entwicklung an. Direkteinspritzung, Turboaufladung, Doppelkupplung oder Start-Stopp-Automatiken stecken zumeist noch in der Entwicklung. Nur mit einer variablen Ventilsteuerung allein ist es nicht mehr getan. Noch wichtiger als die technologische Aufrüstung ist jedoch eine Schärfung von Image und Kontur in Europa.

Der PS-Protz Lexus IS-F zeigt, dass man auch im Hause Toyota selbstbewusst zu seiner Sportlichkeit stehen kann. Doch gerade aus Fahrzeugen wie einem Yaris, Avensis oder Verso lässt sich noch deutlich mehr herausholen. Und das muss auch geschehen. Wenn die Masse der zugelassenen Fahrzeuge gesichtslos bleibt, können einzelne Spitzenprodukte allein das Image nicht wenden. Das alte Motto es "allen recht und keinen weh" zu tun, ist in diesen Zeiten einfach zu wenig.

Stefan Grundhoff

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.