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Aufstand gegen Benzinpreise: Autofahrer sehen rot

Die deutschen Autofahrer machen für die steigenden Benzinpreise vor allem die Öl-Multis verantwortlich. Doch die Aufrufe zum Tankboykott gehen ins Leere - und sind nicht nur deshalb fraglich.

Von Jan Rößmann

Die ständig steigenden Benzinpreise verursachen immer mehr Ärger. Im Vergleich zur Vorwoche kostete ein Liter Diesel am Mittwoch rund zwei Cent mehr, für Super E10 mussten die Autofahrer sogar 3,5 Cent mehr bezahlen. Ein Ende der Preisexplosionen ist kaum abzusehen. Das Bundeskartellamt hat deshalb die Ölfirmen scharf kritisiert. "Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "In diesem Oligopol sind die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzin-Verbraucher weiterzugeben."

Diesen Vorwurf weist Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband weit von sich. "Das sind die üblichen Reflexe vom ADAC." Die Unternehmen nähmen Aktionen wie den Boykott-Aufruf der Internetgemeinde sehr ernst, beteuert sie. Doch die Benzinpreissteigerung habe andere Gründe als wachsende Unternehmensgewinne. Wegen der eskalierenden Eurokrise verliere das Geld der Käufer an Wert, was das Rohöl massiv verteuere. Retzlaff begründet das Preishoch zudem mit dem Säbelrasseln zwischen Iran und Israel. Spekulanten setzten auf den Ausfall eines Lieferanten und treiben so den Preis in die Höhe.

Retzlaff: "Sogar der ADAC hat in den vergangenen Wochen eingestanden, dass der Rohölpreis und die hohen Beschaffungskosten eine Grund für die Tankstellenpreise sein können." Demnach könnte allein die Bundesregierung den Benzinpreis senken, indem sie die Eurokrise beende oder den Irankonflikt beruhige.

Er will niemandem mit rechter Gesinnung folgen

Eine andere Möglichkeit hat die Regierung bereits verworfen. Eine höhere Pendlerpauschale wird es mit diesem Kabinett nicht geben. "Eine Überprüfung ist im Augenblick bei uns nicht angedacht", sagt eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit Blick auf Forderungen nach einer Erhöhung der Pauschale von 30 auf 40 Cent je Kilometer. Bleiben dem Verbraucher wohl nur Preisvergleich und Protest.

Per Mausklick demonstrieren derzeit Hunderttausende Benzinkäufer ihren Zorn. Facebook-Nutzer "Andy Adam" hatte per Facebook-Gruppe "Am 01.03.12 in ganz Deutschland nicht Tanken!!!!" zum Tankverzicht aufgerufen. Die Botschaft verbreitet sich wie ein Virus unter den deutschsprachigen Nutzern des Sozialen Netzwerks. Stündlich springen dem erfolgreichen Gruppengründer Zehntausende bei. Doch die Sache hat einen Haken, den die meisten Mitglieder offenbar übersehen.

Moderator Horst von Radio Hamburg erschrak, als er sich die Interessen-Angaben von Gruppengründer Andy Adam ansah. Bei den Lieblingsbüchern hatte Adam "mein kampf-hitler" angegeben, unter den sonstigen Interessen steht dort neben der Spielkonsole X-Box und dem Feuerwehr-Magazin auch die nationalistische NPD. Horst verweigerte den Gruppenbeitritt und teilte die Informationen auf seiner Facebook-Profilseite: "Sorry, aber ich folge keiner Einladung eines Menschen mit rechter Gesinnung", schreibt er. "So gebe ich ihm das Gefühl Macht zu haben, etwas bewegen und Leute hinter sich versammeln zu können. Das ist bei jemandem, der "Mein Kampf" als Lieblingsbuch bezeichnet eher bedenklich!"

"Die Konzerne machen damit ordentlich Gewinne"

115 Facebook-Freunde von Horst teilten das Zitat. "Zehn Minuten später hat der Typ die komischen Interessen auf seinem Profil gelöscht", sagt Adam. Doch Horst hatte vorsorglich einen Screenshot gemacht. Gruppengründer "Adam" reagierte nicht auf eine Anfrage von stern.de. Der Boykott-Gruppe tritt Horst nicht bei, dabei hält er den Aufruf an sich für eine gute Idee "Das Experiment ist spannend", sagt er stern.de.

Maxi Hartung von der ADAC-Zentrale in München glaubt nicht an die Wirkung solcher Internetgruppen – auch wenn sie noch so rasant wachsen. "Das ist ja sehr schön, aber es macht auf die Mineralölkonzerne wenig Eindruck." Auch nach den Boykott-Aufrufen gegen Shell wegen der Entsorgung des Öltanks Brent Spar im Atlantik 1995 oder gegen BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko 2010 hätte sich mittelfristig wenig an der Politik der Ölmultis geändert. Zumal die meisten Menschen das Tanken daraufhin nur um einen Tag verschieben würden.

"An den Tankstellen in meiner Nähe, die 50 Meter voneinander entfernt sind, gibt es bis zu zwölf Cent Unterschied beim Benzinpreis", sagt Hartung. Die Autofahrer sollten die Kosten vergleichen und nicht immer dieselbe Zapfsäule anfahren, dann wachse ihre Marktmacht immens. Für das aktuelle Preishoch macht die ADAC-Sprecherin dennoch in erster Linie die Mineralölfirmchefs verantwortlich: "Das ist eine Konzernentscheidung, die machen damit ordentlich Gewinne."

Jan Rößmann

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.