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Deutsche Autohersteller auf der CES Dieser Mercedes soll das Google-Auto abhängen


Die CES in Las Vegas ist die neue Leitmesse der Autoindustrie. Alle deutschen Hersteller haben ihr Führungspersonal ins Spielerparadies entsandt, um Google, Samsung und Co. Paroli zu bieten.
Von Jan Boris Wintzenburg, Las Vegas

Als "Jack" am Montagnachmittag wohlbehalten in Las Vegas angekommen war, war Audi-Technikvorstand Ulrich Hackenberg zufrieden: 900 Kilometer hatte der seriennahe Audi A7 weitgehend alleine von Stanford in Kalifornien nach Nevada zurück gelegt und damit bewiesen, dass autonom fahrende Autos nicht unbedingt einen hässlichen Turm mit Kameras und Überwachungstechnik auf dem Dach haben müssen, wie bei Google. Nur in wenigen Situationen hatten Fahrer, alarmiert vom Auto, eingreifen müssen. Pilotiertes Fahren nennt sich dass und soll schon im nächsten Audi A8 in knapp zwei Jahren zu kaufen sein. Das System soll Fahrer bei Routineaufgaben entlasten und die Fahrt dadurch auch sicherer machen.

Google vor der eigenen Haustür zeigen, wie weit man technisch schon ist, das ist einer der Gründe, warum Audi, BMW, Mercedes und Volkswagen alle mit großem Aufwand ihre neueste Technik auf der CES präsentieren. Immer wieder hatte der Internetgigant in der letzten Zeit automobile Ideen präsentiert und damit die Branche verunsichert.

Es geht um ständiges Vernetztsein

Die deutschen Hersteller wollen nun beweisen, dass sie in Sachen Elektronik längst nicht abgehängt sind und die Kraft haben, die Zukunft des Automobils mit zu gestalten. Gleichzeitig versucht sie eine junge Generation zu erreichen, für die der Führerschein nicht mehr oberste Priorität hat und die im Zweifel kaum noch weiß, ob ihr Auto Vorder- oder Hinterradantrieb und drei, vier oder fünf Zylinder hat. Ihr geht es eher um ständiges Vernetztsein. Und das ist auch das Thema der CES.

"Vernetztheit ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Sie prägt die Zukunft des Autos", sagt Audi-Mann Hackenberg. "Audi ist der erste deutsche Autohersteller auf der CES gewesen. Wir sind zum fünften Mal da. Jetzt sind die anderen nachgekommen." Bei der Konzernschwester Volkswagen, zum ersten Mal in Las Vegas, geht es um bessere Bedienbarkeit per Touchscreen. Fast alle Schalter haben die Entwickler aus ihrem Golf R Touch geschmissen.

Bei BMW geht es um autonomes Parken der nächsten Generation: Fahrer sollen künftig ihr Auto vor dem Parkhaus verlassen und es alleine auf Parkplatzsuche schicken. Mit einem Druck aufs Smartphone kann der Wagen dann wieder angefordert werden: "Pick me up".

Begeisterung beim Fachpublikum

Noch einen Schritt weiter geht Daimler und stellt mit dem Mercedes F015 ein Forschungsfahrzeug vor, das einen weiten Blick in die Zukunft ermöglicht: Es soll vollständig alleine fahren können. Die Insassen sitzen sich dabei gegenüber und haben Zeit zu lesen, sich zu unterhalten oder auszuruhen. "Das ist die Neuerfindung des Luxusautos", sagte Dieter Zetsche bei der Vorstellung des silbernen Wunderautos. Das Auto werde zu einem persönlichen Kokon auf Rädern. "Wir geben den Fahrern Quality-Time in ihrer eigenen Umgebung", so Zetsche. Das Auto habe die beste Zeit noch vor sich.

Die Beiträge der deutschen Autohersteller wurden vom Fachpublikum allesamt begeistert aufgenommen - vielleicht auch, weil die Vernetzung von Waschmaschinen, TV-Geräten und sogar Möbeln technisch zwar voran kommt, die Konsumenten den Nutzen aber oft nicht verstehen. Fernseher, die automatisch das Programm anhalten, versprechen eben deutlich weniger Zeitgewinn, als Autos, die alleine auf Parkplatzsuche gehen.


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