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Genfer Automobilsalon 2017 Alles irgendwie anders

Maybach G 650 Landaulet
Maybach G 650 Landaulet
© press-inform - das Pressebuero
So spektakulär die Neuheiten auf dem Genfer Autosalon in diesem Jahr auch sein mögen, die heißen Themen haben mit den Messestars des Palexpo nicht allzu viel zu tun. Vieles dreht sich um drohende Dieselverbote und die Opel-Übernahme durch den PSA Konzern.

Der Genfer Salon eröffnet traditionell im März das europäische Autojahr. Man sieht sich, trifft sich in der Branche und schaut sich ein paar spektakuläre Studien an und natürlich gibt es die Neuheiten für die kommende europäische Autosaison. Für viele ist der Genfer Salon, nicht nur wegen seiner Lage in der automobil vergleichsweise neutralen Schweiz, eine Messe ohne Prunk, Neid oder Missgunst. Die Stände in dem leiblosen Messegelände Palexpo sind nicht gigantisch wie auf anderen Messen und die Vorstände begrüßen sich hier noch mit Handschlag. Ein kleiner Rundgang hier, ein bisschen Fachsimpelei dort - all das ist Genf.

Doch diesmal ist es irgendwie anders, denn es geht auf den bestens illuminierten Messeständen nicht allein um rauschende Messestars wie das Mercedes GT Concept, der künftig den Porsche Panamera angreifen soll, den schicken neuen Swift von Suzuki, den eleganten Passat-Bruder des VW Arteon oder das erste eigenständige Premiummodell von PSA namens DS7 Crossback. Endlich gibt es auch die Alpine von Renault zu sehen, der mit seiner Retrosportlichkeit selbst Neuheiten wie den Honda Civic Type R, den Porsche Panamera Sport Turismo oder den imposanten McLaren 720S in den kaum vorhandenen Schatten stellt. Kia Picanto, Range Rover Velar, Volvo XC60, Opel Insignia oder Infiniti Project Black S haben es dieses Mal schwerer denn je, Neuheiten wie dem BMW 5er Touring, dem martialischen Mercedes Maybach G 650 Landaulet oder dem kommenden Ford Fiesta die Show zu stehlen.

Im Frühjahr 2017 geht es um mehr. Die europäische Autowelt wackelt in ihren Fundamenten. Als die Nachricht vom Opel-Verkauf über die Ticker rauschte, war am Vortag des Genfer Salons keiner mehr überrascht. PSA vermeldete stolz die Übernahme der beiden GM-Marken Opel und Vauxhall - zum Schnäppchenpreis von 1,3 Milliarden Euro. Dafür bekommt man kaum ein komplett neues Auto entwickelt. Alles nur strahlende Gesichter bei der Bekanntgabe in Paris und dann auch in Genf, auch wenn Opel und der britische Ableger Vauxhall aus dieser Übernahme kaum als Sieger herausgehen. Wenn sich einer freuen kann, dann ist es der General Motor Konzern, der den lange Jahre hoch defizitären Europa-Ableger endlich losgeworden ist. Das erleichterte Seufzen aus der Detroiter Firmenzentrale ist bis ins rund 7.000 Kilometer entfernte Genf zu vernehmen. Eine milliardenleichte Übernahme, die den europäischen Automarkt neu formiert. Der Volkswagen Konzern, der lediglich im Vorfeld des Genfer Salons mit der Studie des autonom fahrenden Konzeptstudie des "Sedric" (self driving car) erstmals ein übergeordnetes Konzernfahrzeug präsentiert, bekommt in Europa nunmehr erstmals einen wirklich starken Gegner: PSA. Doch die Franzosen werden Opel und Vauxhall nicht einfach schlucken. Die Kosten müssen mehr als bisher gedrückt werden. Pro Jahr spricht man von 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro. Kein Wunder, dass Genf ob dieser Nachrichten auch abseits der sehenswerten Neuheiten von A bis Z ebenso brodelt wie Rüsselsheim und Paris.

Der Markenkauf durch PSA wäre die Nachricht des Genfer Salons gewesen, wenn es in den vergangenen zwei Wochen nicht die ersten Entscheidungen zu bevorstehenden Fahrverboten in Deutschland gegeben hätte. In anderen europäischen Städten hatte es die bereits gegeben; doch jetzt ist Deutschland dran. Und so überraschte es, dass nach den avisierten Innenstadt-Aussperrungen von modernen Dieselmotoren, die nicht die strenge Euro6-Abgasnorm erfüllen, kein Sturm der Entrüstung über Deutschland hereinbrach. Die geplanten Fahrverbote in Stuttgart, München und anderen deutschen Großstädten sind jedoch das allgegenwärtige Messethema auf dem Genfer Salon. Denn dies dürfte die Dieselverkaufszahlen mittelfristig gigantisch beeinflussen.

Gerade Fahrzeuge unterhalb der Kompaktklasse sind als Diesel wohl nur noch schwer zu verkaufen und selbst die europaweit allseits beliebten Dieselversionen von Mittelklasse- und SUV-Modellen geraten nicht nur auf dem Gebrauchtwagenmarkt stark unter Druck. Das trifft nicht nur die auf dem Genfer Salon 2017 so selbstbewusst auftretenden Marken aus Frankreich, deren Kunden traditionell auf die so effizienten Selbstzünder stehen. Der Druck auf die Diesel setzt auch die Hersteller aus Deutschland, Italien, Spanien und Tschechien unter Druck. Modellportfolios müssen neu überdacht werden - dabei haben die Hersteller schon an dem verstärkt aufkommenden Elektrotrend zu knabbern, der alle Firmen Milliarden kostet. Gut lachen haben am Messezentrum am Genfer See in erster Linie die Sportwagenhersteller. Die trumpfen allen Unkenrufen zu Fahrverboten, Elektrotrends und Konzernkäufen groß auf und zeigen, wie heiß die gut betuchten Kunden auf echte Sportwagen sind. Ferrari 812, McLaren 720S, Porsche 911 GT3, Lamborghini Huracan Performante oder Aston Martin Valkyrie - sie alle haben ihre ganz großen Auftritte. Ein bisschen ist es daher in Genf auch in diesem Jahr wie immer - fast.

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