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Geneva International Motor Show: Schmerz, Trotz, Zuversicht: Wie die Macher des Genfer Autosalons mit der Absage umgehen

Kurz vor ihrer Eröffnung wurde die wichtigste Automesse Europas, die Geneva International Motor Show, wegen des Coronavirus abgesagt. Nicht nur in den Hallen herrscht nun eine gewisse Leere.

Von Frank Janssen, Genf

Ein großer Mann mit grau-weißem Seitenscheitel und blauem Anzug steht in einer Messehalle neben einer Reihe Autos

Der Generaldirektor de Genfer Autosalons, Olivier Rihs, hofft auf die Party zum 90. Geburtstag der Messe im kommenden Jahr

In den Gängen des Verwaltungsgebäudes der Genfer Messegesellschaft Palexpo herrscht eine eigentümliche Ruhe. Viele Büros entlang der Gänge sind leer oder nur zur Hälfte besetzt. Türen stehen offen, vereinzelt werden Telefonate geführt. Von der Hektik, dem Gerenne auf den Fluren, dem Gedränge in den Fahrstühlen, das hier sonst in den beiden ersten Märzwochen herrscht, ist die Stimmung weit entfernt.

"Es zerreißt einem das Herz", sagt Silvia Blattner, und sie schaut, als ob sie im Gesicht ihres Gegenübers Halt sucht, Verständnis zumindest, für das, was sie empfindet. "Das ist ein Schmerz", sagt sie.  Blattner ist Marketingchefin der Geneva International Motor Show, der größten Messe, die jährlich auf dem Palexpo-Gelände und in dessen Hallen stattfindet. Die Messe, die früher schlicht Genfer Salon genannt wurde, ist die wichtigste jährliche Automesse Europas, denn die deutsche IAA sowie die französische Mondial in Paris finden nur alle zwei Jahre im Wechsel statt. Jedes Frühjahr trifft sich die gesamte Autobranche in Genf; in diesen Tagen wäre das zum 90. Mal passiert, wenn Corona nicht gewesen wäre. 5300 Journalisten waren akkreditiert, 10.000 Medienleute insgesamt. 600.000 Zuschauer waren erwartet worden, denn nach den Presse- und Fachbesuchertagen wandelt sich die Genfer Motor Show zu einer Publikumsmesse.

Besucher standen schon in Frankreich im Stau

Ihre Anziehungskraft ist dann vor allem an den Wochenenden so groß, dass die Staus an den Zufahrten bereits im benachbarten Frankreich beginnen. Für Silvia Blattner und ihre Kollegen wurde die Arbeit eines ganzen Jahres am vergangenen Freitag zunichte gemacht, als der Schweizer Bundesrat wegen der Bedrohung durch das Virus ein Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern verhängte. Und als sei das noch nicht genug, gilt die Entscheidung ausgerechnet bis zum 15. März, dem letzten Messetag der Geneva International Motor Show.

Auch Olivier Rihs, der Generaldirektor der Messe, macht ein zerknirschtes Gesicht. Er spricht von einem Schaden von 200 bis 250 Millionen Schweizer Franken für Genf und die Region, der durch stornierte Hotelzimmer und Restaurantbesuche, ausgefallene Taxifahrten und natürlich durch die ungenutzte Infrastruktur der fertig errichteten Messestände entstanden seien.

Stimmung wegen Genfer Autosalon kippte plötzlich

"Über das, was ich die letzten Tage erlebt habe, könnte ich ein Buch schreiben", sagt Rihs. Er merkte, wie plötzlich die Stimmung kippte, wie offenbar immer mehr Daumen nach unten gingen. "Am Montag vergangener Woche waren alle noch entschlossen, die Messe mit aller Kraft durchzuziehen", sagt er. Das war der 24. Februar. Doch als am Dienstag, dem 25. der erste Corona-Fall in der Schweiz bekannt wurde, drehte sich der Wind. "Dieselben Menschen, die am Tag zuvor Entschlossenheit zeigten, waren plötzlich besorgt."

Noch am Mittwoch verschickte Rihs und sein Team eine Mitteilung an die Presse, dass der Salon wie geplant stattfinden würde. "Wir konnten gar nicht anders. Wir durften gar nicht absagen", sagt er. Erst der Spruch des Bundesrates, am Freitag vor der geplanten Eröffnung am Montag, brachte das Aus. Da war die Messe, deren Aufbau bereits am 7. Februar begonnen hatte, zum größten Teil fertig und bereit für den großen Ansturm. Weitere drei Wochen wird der Abbau dauern. Mindestens. Denn eigentlich hätte die Messe ja bis Mitte März dauern sollen. "Nächstes Jahr", sagt Olivier Rihs und lächelt zaghaft, "wird der 90. Geburtstag der Messe nachgeholt".

tkr

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