Genfer Autosalon Alter schützt vor Messe nicht

Wer denkt, dass es auf dem Genfer Automobilsalon nur Neuheiten zu bestaunen gibt, wird bei einem Rundgang seinen Augen kaum trauen. Einige Hersteller präsentieren ihren ganzen Bauchladen - und der ist nicht immer neu.

Die Erwartungen an die Hersteller bei einer Top-Messe wie dem Genfer Salon sind hoch. Doch anders als bei den Autoshows in Detroit, Paris, Tokio oder Frankfurt geht es am Lac Leman gerne etwas beschaulicher zu. Die Messestände haben selten die Größe von Fußballfeldern und Möglichkeiten eine ganze Halle zu besetzen oder gar zu kreieren, wie dies zum Beispiel DaimlerChrysler und BMW in Frankfurt tun, gibt es im Messezentrum Palexpo nicht. Umso verwunderlicher, dass auf oft nur überschaubar großen Messeständen nicht nur Neuheiten ins rechte Licht gerückt werden, sondern die Scheinwerfer auch für alte Kamellen strahlen. Sowohl Messepublikum, als auch Presse und Fachbesucher, die vorab Eintrittstage genießen, lassen sich von alten Autos wohl kaum in den Autofrühling des neuen Jahres entführen.

Eine Marke wie Peugeot gehört in Genf zu den großen Nummern, zeigt nicht nur den neuen SUV 4007 und die realitätsnahe Konzeptstudie 207sw, sondern brachte aus der Pariser Firmenzentrale nahezu alles mit, was in der Produktpalette zu bekommen war. Da schreckt man scheinbar auch vor einem mehr als vier Jahre alten Peugeot 307cc oder einem Peugeot 1007 nicht mehr zurück - der ist schließlich gerade einmal zwei Jahre auf dem Markt.

Seit Jahren keine Autoshow ohne Lancia Ypsilon

Auch Alfa Romeo, auf dem Genfer Salon nicht nur die grandiose Auswahl von bildschönen Messehostessen eine feste Messegröße, hat außer des filigranen Supersportlers Alfa 8c kaum wirklich Neues zu bieten. Keine Chance mit längst bekannten Modellen wie einem Brera, dem GT oder einem 147er weiter aufzufallen. Konzernmutter Fiat konzentriert sich auf dem Genfer Salon auf das Wesentliche. Die Turiner zeigen am Fiat-Stand nur den Golf-Konkurrenten Bravo. Der ist nicht nur wirklich neu, sondern auch ein Hoffungsträger für die nächsten Jahre. Bei der Konzerntochter Lancia sieht es ganz anders aus. Wer kann sich eine Autoshow in den letzten Jahren schon ohne einen Ypsilon-Vertreter vorstellen. Auch die britische Sportwagenschmiede Morgan stellt ihre bekannten Fahrzeuge seit Jahren nahezu unverändert mit hoher Inbrunst in Genf zur Schau - Neuheiten zumeist Fehlanzeige.

Beim deutschen Konkurrenten Volkswagen wurde das Messeportfolio scheinbar noch einmal kurz vor der Messe umgestellt. Passat Bluemotion und Golf Variant feiern im Palexpo ihre Weltpremieren, die viel Aufmerksamkeit wecken (sollen). Doch der immerhin leicht aufgefrischte VW Phaeton bekam wohl auch durch die aktuelle CO2-Diskussion in Deutschland nur einen Rasierplatz auf dem Messestand. Stattdessen thront in der Standmitte unter anderem der VW Polo Bluemotion - werbekräftig mit dem Hinweis gerade einmal 102 Gramm CO2 per Kilometer zu verbrauchen. Ändert nichts daran, dass der Saubermann vieles ist - aber nicht neu.

Pseudo-Blickfänger fehl am Platze

Auch bei Herstellern wie Audi, BMW, Mercedes, Volvo, Opel und besonders Porsche gibt es viele Modelle zu sehen, die den Aufkleber "neu" kaum verdient haben. Alles in allem schöne, neue, strahlende und zumeist zweifellos sehenswerte Vehikel. Aber auf einer Messe, wo es um neue Autos geht, sind allzu viele Pseudo-Blickfänger fehl am Platze. An Fahrzeugen, die seit Jahren beim Händler stehen, wird sich kaum ein Messebesucher die Nase platt drücken. Dass das einige Hersteller in die Bredouille bringt, nichts Neues zu haben, steht außer Frage. Gerade kleinere Firmen wie zum Beispiel Ferrari bringen nicht zu jeder Messe ein Auto auf den Markt und müssen die Modellrange etwas länger abfeiern. Dass einige jedoch nicht nur die kommenden Modelle, sondern auch alte Schinken zeigen, erklärt das noch lange nicht.

Stefan Grundhoff/Press-Inform

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