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Versuch in Holland: Roboter-Trucks - So schnell werden die Brummifahrer aussterben

In fünf Jahren will der Hafen Rotterdam seine Ladung mit Roboter-LKW weiter verteilen. Ohne Fahrer ginge es schon heute, das beweist ein Großversuch. Was bedeutet das für die Trucker?

Dieser LKW-Konvoi fuhr von Stuttgart nach Rotterdam.

Dieser LKW-Konvoi fuhr von Stuttgart nach Rotterdam.

Um das autonom fahrende Roboter-Auto wird ein Riesenwirbel gemacht. Giganten wie Apple, Google und Tesla rüsten sich zur großen Technikschlacht. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendwo auf der Welt ein Roboterauto irgendein Kunststück vollbringt. Nur bei Fragen, wann der Kunde so ein Fahrzeug kaufen könnte, fehlen konkrete Angaben. Irgendwann in zehn Jahren, hört man stattdessen. Aber das gelte nur für die Technik, rechtliche Hürden müssten auch noch genommen werden.

Lkw sind Treiber für das Roboter-Auto

In Rotterdam ist man exakter: In weniger als fünf Jahren soll der Verteilungsverkehr aus dem Hafen vollautomatisch über Europas Straßen rollen. Nach umfangreichen Simulationen wurde im April der erste große Praxistest absolviert. Sechs Konvois von Smart-LKW aus ganz Europa erreichten den Hafen. Noch fahren die LKW nur halb-automatisch. Obwohl der Computer den LKW lenken kann, ist noch ein Fahrer zum Eingreifen an Bord. Aber das ist nur ein Übergangsstadium: "Das ist ein Abschnitt einer Reise der Auto-Industrie, unser Ziel sind hochgradig automatisierte Fahrzeuge", sagt Eric Jonnaert, Präsident einer Dachfirma, die DAF, Daimler, Iveco, MAN, Scania und Volvo vertritt.

Konvoifahrten sind der Startschuss

Konvoifahrten bedeuten, dass die LKW einem Führungsfahrzeug in geringem Abstand folgen. Dadurch verringert sich der Spritverbrauch und auch die Abnutzung von Bremsen. Noch sitzt in jedem LKW ein Fahrer, aber es ist klar, wohin die Reise geht: Bald wird nur noch im Führungsfahrzeug ein Mensch mitreisen, dann verschwindet auch der. "Konvoifahrten sind der erste Schritt in Richtung automatisiertes Fahren. Die Technik ist reif dafür", bestätigt Anders Kellström von Volvo beim Abschluss des Großversuches

In wenigen Jahren will man an den Start gehen. Das Portal Techcrunch hat einmal die Vorteile des Roboterautos im Rahmen der USA aufgezählt. Im Güterverkehr über lange Distanzen macht der Lohn 75 Prozent der Kosten aus. Diese Zahl beweist, wie groß das Einsparpotential ist. Hinzu kommen weitere Restriktionen, wie etwa die gesetzlich begrenzte Arbeitszeit des Fahrers. In Zukunft kennt der Truck keine Ruhezeiten mehr, er fährt 24 Stunden am Tag. Eine Pause muss er nur zur Inspektion einlegen.

Berufe werden aussterben

Technisch gesehen ist das selbstfahrende Auto eine Revolution. Doch für den Arbeitsmarkt ist diese Innovation eine Katastrophe. Wenn Autos auch allein fahren können, ist die Ära der Berufskraftfahrer vorbei. In Deutschland zählt man allein 500.000 Fahrer im Güterverkehr. Bus- und Taxifahrer kommen noch hinzu. Im weiteren Sinne sind auch alle Jobs, die Pakete oder Pizza ausliefern, in Gefahr. Kommt das Roboterauto, verschwinden diese Arbeitsstellen innerhalb weniger Jahre. Der Rotterdam-Versuch hat bewiesen, dass die Uhr tickt. Und auch, dass die Lkw-Industrie die nötige politische  Unterstützung bekommt. Fünf Jahre sind eine kurze Zeit. Gut möglich, dass Trucker und Busfahrer die Berufsgruppen sind, die als erstes komplett vom Kollegen Roboter überflüssig gemacht werden. 

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