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Rudolf Diesel: "Ich habe Vertrauen zu der Sache"

Die "Verbrennungskraftmaschine mit hohem Wirkungsgrad" ist heute im Straßenverkehr kaum noch wegzudenken. Busse, Taxis und PKW profitieren von dem effizienten Verbrennungsmotor, der seine Entstehung wahrscheinlich einem Feuerzeug verdankt.

Die "Verbrennungskraftmaschine mit hohem Wirkungsgrad" ist heute im Straßenverkehr kaum noch wegzudenken. Busse, Taxis und PKW profitieren von dem effizienten Verbrennungsmotor, der seine Entstehung wahrscheinlich einem Feuerzeug verdankt.

Das "Pneumatische Feuerzeug"

Ein Experiment im Physiklabor der Augsburger Industrieschule muss für den damals 17-jährigen Rudolf Christian Karl Diesel prägend gewesen sein. Das so genannte "Pneumatische Feuerzeug" (durch Verdichtung wird Luft in einem Zylinder so stark erhitzt, dass sich daran ein Docht entzündet) weckt in dem jungen Studenten die Idee zu einer Wärme-Kraftmaschine, die durch verdichten von reiner Luft den Kraftstoff entzündet.

Ein Schüler von Carl von Linde

Waren Diesels erste Experimente auf diesem Gebiet noch wenig zielgerichtet und von mangelndem Fachwissen geprägt, bringt ihn das Studium am Münchner Polytechnikum entscheidend weiter. In den Thermodynamik-Vorlesungen des Professors Carl von Linde eignet sich der strebsame Nachwuchs-Ingenieur Kenntnisse an, die ihn auf der Suche nach einem besseren Wirkungsgrad voranbringen.

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Frühe Auszeichnung

Das technische Talent des am 18. März 1858 in Paris geborenen Diesel, wird schon früh erkannt. Bereits als 12-Jähriger erhält er für seine hervorragenden schulischen Leistungen eine Auszeichnung der "Société Pour L'Instruction Elémentaire". Vor dem Hintergrund des Deutsch-Französischen Krieges muss seine gesamte Familie 1870 Frankreich verlassen und zieht nach London. Die Eltern von Robert Diesel, fortan damit beschäftigt, die kleine Familie über Wasser zu halten, schicken ihren begabten Sohn deshalb am 1. November 1870 nach Augsburg. Unter der Obhut von Professor Barnickel, einem Verwandten der Familie, soll der junge Rudolf eine fundierte Ausbildung erhalten.

Der Entschluss, Mechaniker zu werden

Nach Beendigung der Gewerbeschule verkündet Diesel 1873 seinen Eltern in einem Brief: "Liebste Eltern, mein sehnlichster Wunsch ist, Mechaniker (Ingenieur) zu werden. In irgendeinem anderen Fach werde ich kaum etwas Tüchtiges erlernen", und tritt die Ausbildung an der Augsburger Industrieschule an. Zwei Jahre später besteht er die Abschlussprüfung als Jahrgangsbester und nimmt, mit Stipendiengeldern ausgestattet, sein Studium an der Technischen Hochschule in München auf.

Vom Volontär zum Direktor

Mit einem herausragenden Examen in der Tasche wird Diesel Volontär bei der Lindeschen Eisfabrik in Paris und steigt bereits 1881 zu deren Direktor auf. Während dieser Zeit meldet er sein erstes Patent auf ein Verfahren zur Herstellung von Klareis in Flaschen an und lernt seine spätere Ehefrau Martha Flasche kennen. 1883 heiraten die beiden in München.

Von Paris nach Berlin

In den folgenden Jahren macht sich Diesel mit den Kälte- und Eismaschinen der Firma Linde einen Namen. Nach der Weltausstellung 1889 in Paris wechselt er 1890 im Auftrag der Firma Linde nach Berlin. Dort wird er Vorstand der neu gegründeten Aktiengesellschaft für Markt- und Kühlhallen. Mit im Gepäck: Ideen, Zeichnungen und Pläne für seine Wärmekraftmaschine. Versuche, sein Konzept bei der Gasmotoren-Deutz AG unterzubringen, scheitern jedoch 1892.

Die Chance in Augsburg

Erst ein Jahr später schließt er mit Heinrich Buz von der Maschinenfabrik Augsburg (MA - später MAN) einen Vertrag über den Bau einer Versuchsmaschine ab. In sechs Monaten soll Diesel einen funktionsfähigen Versuchsträger entwickeln. Finanziell an dem Projekt beteiligt ist die Firma Friedrich Krupp. Praktisch zeitgleich bekommt der Ingenieur das Patent mit der Nummer 67207 erteilt. Titel: "Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungskraftmaschinen". 1893 erlischt auch sein Arbeitsvertrag mit Linde. Seiner Mutter schreibt Diesel: "Ich kann mich täuschen, aber ich habe Vertrauen zu der Sache"

Lebensgefahr

Die ersten Motoren, die in einer Augsburger Werkshalle entstehen, geben zunächst wenig Hoffnung auf eine baldige Serienreife. Nicht selten explodieren die Motoren bereits nach kurzer Zeit und bringen Entwickler und Arbeiter in Lebensgefahr. Das Problem: die Einspritzung der Kraftstoffes. Erst nach einem Treffen mit Robert Bosch 1894 geht Diesels Entwicklung wieder voran. Er verringert den Kompressionsdruck von ursprünglich 250 auf gut 35 bar und erzielt ab 1896 brauchbare Ergebnisse.

Ein Jahr später bestätigt Professor Schröter von der Technischen Hochschule München im Rahmen eines Abnahmeprobelaufs Diesels Motor die Funktionsfähigkeit. Diesels Triebwerk leistet rund 20 PS und verbraucht wesentlich weniger Kraftstoff als alle zu dieser Zeit eingesetzten Motoren.

Kritik der Konkurrenz

Kaum der Öffentlichkeit vorgestellt, gerät Diesels Durchbruch ins Kreuzfeuer der Konkurrenz. Neben der Gasmotorenfabrik Deutz geht auch der französische Ingenieur Emil Captaine gegen Diesels Patent vor. Obwohl keine der Klagen zum Erfolg führt, leidet Diesel vor allem körperlich unter den Angriffen.

Lukrative Lizenzverträge

Der wirtschaftliche Erfolg lässt dennoch nicht lange auf sich warten. 1898 gründet Rudolf Diesel die "Dieselmotorenfabrik Augsburg" und schließt mehrere lukrative Lizenzverträge ab. Größter Kunde wird Adolphus Busch. Der größte Bierbrauer Amerikas möchte Diesels Motoren in seinen riesigen Fabriken einsetzen.

Gesundheitliche Probleme

Ab 1899 ist Diesel ständig auf Achse. Er verkauft Lizenzen in alle Welt und muss vor Ort die Kinderkrankheiten seiner Motoren beheben. Zum wachsenden Wohlstand gesellen sich immer häufiger große gesundheitliche Probleme. 1900 werden Diesels Triebwerke mit dem "Grand Prix" der Pariser Weltausstellung ausgezeichnet.

Diesel verzettelt sich

Die effizienten Motoren setzen ihren Siegeszug fort. 1903 begleitet Rudolf Diesel die Jungfernfahrt des französischen Kanalbootes "Petit Pierre", das den Weg für Dieselmotoren in Schiffen frei macht. Schon zu diesem Zeitpunkt ziehen jedoch dunkle Wolken über dem Star der Maschinenbau-Branche auf. Der geniale Ingenieur verzettelt sich in Firmengründungen und gibt sein Geld in zweifelhafte Hände. Die Diesels leben auf großem Fuß, über die Zukunft macht sich kaum jemand Gedanken.

Einmal Harwich und kein Zurück

Für eine Weiterentwicklung der Motoren bleibt jedoch keine Zeit. Während Lizenznehmer im Ausland Erfolge feiern, wird 1911 die Dieselmotorenfabrik Augsburg aufgelöst. Von gesundheitlichen Problemen gezeichnet und im vollen Bewusstsein, praktisch sein gesamtes Vermögen verloren zu haben, macht sich Diesel am 29. September 1913 an Bord des Dampfers "Dresden" auf den Weg von Antwerpen ins britische Harwich. Dort kommt er jedoch nie an. Am Morgen des 30. Septembers findet man seine Kajüte unbenutzt, von Diesel keine Spur.

Heute geht man davon aus, dass Rudolf Diesel seinem Leben mit einem Sprung in den Ärmelkanal selbst ein Ende setzte. Die genau Todesursache wird jedoch nie geklärt. Zwei Wochen nach Diesel spurlosem Verschwinden findet ein Lotsenboot in der Nähe der Scheldemündung einen, im Wasser treibenden Leichnam. Die, der Leiche abgenommenen Gegenstände entpuppen sich später als Eigentum Rudolf Diesels.

Jochen Knecht

Wissenscommunity