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Winterdienst: Viel Schnee, aber wenig Salz

Alarm in vielen Städten und Gemeinden: Aufgrund des strengen Winters wird das Streusalz knapp. Die Lager leeren sich, und die Hersteller stoßen langsam an ihre Grenzen. Ein Ende der weißen Pracht ist nicht in Sicht.

Winter und kein Ende: Weil Schnee und Eis Deutschland derzeit fest im Griff haben, wird in vielen Städten und Gemeinden das Streusalz knapp. Straßen und Bürgersteige könnten sich in gefährliche Rutschbahnen verwandeln, wenn Väterchen Frost den großen Salzherstellern in den nächsten Tage keine Verschnaufspause gönnt. Um der großen Nachfrage wieder Herr zu werden, produziert der deutsche Marktführer für Streusalz esco bereits rund um die Uhr. Die Kapazitätsgrenzen seien einfach erreicht, sagte ein Sprecher des Mutterkonzerns K+S am Dienstag der Nachrichtenagentur DAPD.

In Nordrhein-Westfalen sind vor allem die Städte im Münsterland von der Salzknappheit betroffen. Im Kreis Steinfurt reicht das verbliebene Streugut noch für zwei Tage, wie eine Sprecherin erklärte. Auch in Münster ist die Situation brenzlig. "So viel Schnee wie in den letzten Wochen hatten wir hier schon lange nicht mehr", sagte Anne Peters von den Abfallwirtschaftsbetrieben (AWM).

Zu Beginn des Winters waren die Salzlager noch mit 1600 Tonnen prall gefüllt. "Damit kommen wir in der Regel eigentlich gut hin", erklärte Peters. Nun seien aber bereits 2400 Tonnen Salz gestreut, und Nachschub stehe wegen der Lieferschwierigkeiten bei den Herstellern erst mal nicht an.

Also muss die Stadt haushalten: Gestreut wird laut Peters nur noch an besonders gefährlichen Stellen wie Brücken oder Kreuzungsbreichen. Zudem greifen die Winterdienste verstärkt auf Granulat zurück - das taut Schnee und Eis zwar nicht auf, mindert aber die Rutschgefahr.

Salzlager leeren sich in atemberaubender Geschwindigkeit

Auch in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden leeren sich angesichts des strengen Winters die Salzlager in atemberaubender Geschwindigkeit. "Wir haben jetzt schon mehr verbraucht als im gesamten Winter 2007/2008", sagte Frank Fischer, Sprecher der für den Winterdienst zuständigen städtischen Entsorgungsbetriebe (ELW).

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Allein bis Ende Dezember hätten die Mitarbeiter 1078 Tonnen Salz gestreut und 177.000 Liter Sole ausgebracht. Zum Vergleich: Im Winterdienst 2008/09 bis Mitte Februar 2009 seien insgesamt 2068 Tonnen Salz und 427.050 Liter Sole verbraucht worden. Um die Lager aufzufüllen, habe ELW nun nochmals 500 Tonnen Salz nachbestellt, die ab Mittwoch geliefert werden sollen.

In Mecklenburg-Vorpommern deuten sich wegen der deutschlandweiten weißen Pracht ebenfalls Nachschubschwierigkeiten an. Zulieferer hätten bereits angekündigt, dass es künftig zu Engpässen kommen könnte, sagte die Schweriner Stadtsprecherin Michaela Christen. Der Streusalzvorrat in den städtischen Lagern reiche für drei Tage. Sollte es erneut stark schneien, könnte etwa die Autobahn 7 im südlichen Niedersachsen womöglich nicht mehr komplett abgestreut werden. Es gebe Pläne, dann nur noch eine Spur zu streuen und ein Tempolimit zu verhängen, sagte der Chef des Landesbetriebes für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim, Udo Othmer. Da Streusalz kaum zu beschaffen sei, hoffe er auf niederschlagsfreies Winterwetter.

Kurzfristige preisliche Änderungen wegen des knappen Angebots befürchtet die Sprecherin nicht, da mehrjährige Lieferverträge mit Preisbindung abgeschlossen worden seien. In den drei deutschen Salzbergwerken der esco in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen wird derzeit an sieben Tagen in der Woche unter Volllast gefördert. Mittlerweile lägen die Lagerbestände deutlich unter dem normalen Winterniveau. "Zum Teil liefern wir direkt aus der Produktion", sagt Unternehmenssprecher Holger Bekemeier. "Wenn wir jetzt Neubestellungen bekommen, sind wir nicht in der Lage, heute oder morgen auszuliefern", betonte er.

Vor allem kleinere Städte und Gemeinden sowie der Einzelhandel müssten sich derzeit leider gedulden, sagte der Sprecher des Mutterkonzerns K+S. Autobahnmeistereien und Straßenbetriebe würden zuerst beliefert.

Klare Prioritäten

"Wir warten auch auf Nachbestellungen, aber noch ist genügend Salz da", sagte der Sprecher von Straßen.NRW. Sollte es tatsächlich einmal knapp werden, gebe es beim Streuen allerdings klare Prioritäten. Als erstes müssten die Autobahnen von Schnee und Eis befreit werden, dann kämen die Bundes- und Landstraßen.

Keinerlei Probleme gibt es derweil bei der Autobahnmeisterei im südbayerischen Rosenheim, die für die vielbefahrene A8 vom Irschenberg bis zum Chiemsee und für die gesamte A93 zur Grenze bei Kufstein zuständig ist. Vor und nach dem Wochenende werde Salz geliefert, und die bestellte Menge sei auch immer angekommen, sagt Betriebsleiter Manfred Sitzberger. Der Bedarf "ist bisher normal, eigentlich eher wenig". Die Fahrbahnen seien meist trocken, und wenn Nebel vom Inn oder anderen Flüssen auf die Fahrbahn sich lege, werde vorbeugend gesalzen. "Wir fahren die Salzhalle nie leer. Wir haben mindestens ein bis zwei Monate Vorrat", sagte er.

Daniela Pegna/APD / APD

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