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Google: Die drei Fragezeichen

Das sind die Männer hinter der Suchmaschine Google. Sie sind angetreten, das Wissen der Welt zu sammeln, bis es nur noch Antworten gibt und keine Fragen mehr. Doch je größer und mächtiger Google wird, desto mehr sind die Weltverbesserer auch Kritik ausgesetzt.

Von Dirk Liedtke und Michael Streck

Es hat so kommen müssen. Denn mathematisch und logisch betrachtet gibt es keine Zufälle, sondern nur Kombinationen. Gute und schlechte Kombinationen allenfalls. Aber keine Zufälle, ausgeschlossen. Im Frühjahr 1995 begegneten sich auf dem Campus der Universität Stanford in Kalifornien die Doktoranden Sergey Brin und Larry Page. Beide Genies in Mathematik, beide vernarrt in Computer, beide interessiert an Philosophie, beide debattier- und streitlustig, beide erfindungsreich: Page hatte als Schüler einen Tintenstrahldrucker aus Legosteinen gebaut; Brin als Jung-Student ein Programm entwickelt, mit dem er Fotos aus dem "Playboy" in einen Bildschirmschoner konvertierte, als das technisch noch ein Novum war. Ergo: Es hat so kommen müssen, dass die beiden sich trafen in Stanford. "Nerds", Sonderlinge, nennen die Amerikaner solche Menschen, die voll und ganz aufgehen in stundenlangen Gesprächen über, sagen wir: Algorithmen.

Die Brüder im Geiste

fanden sich gegenseitig anfangs, mit Verlaub, zum Kotzen. Brin führte Page über das Uni-Gelände, und sie zankten sich auf höchstem intellektuellen Niveau über Gott und die Welt und Mathematik und Problemlösungen. Da waren sie Anfang zwanzig. Sie redeten viel über Algorithmen, jene Formeln, die Handlungen exakt definieren, die bevorzugte Sprache der Informatik. Sie stritten und diskutierten, diskutierten und stritten. So sind Nerds. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Sie würde die Welt verändern.

Drei Jahre nach ihrem ersten Treffen gründeten Sergey Brin und Larry Page eine kleine Firma mit dem Namen Google, abgeleitet vom mathematischen Begriff "googol" für eine fast unendlich große Zahl: eine 1 mit 100 Nullen. Im Silicon Valley ging bald darauf der Internetblase die Luft aus, die Start-ups machten reihenweise Pleite, Millionäre wurden obdachlos. Aus Google aber wurde:

Die Suchmaschine. Die Geldmaschine. Die Wissensmaschine. Die digitale Weltmacht.

Es ist ein sonniger Vormittag in Mountain View, Kalifornien, einem hügeligen Örtchen am Rande des Valley, das dominiert wird von einem Gebäudekonglomerat aus Stahl und Beton. Wo früher Gras wuchs, wächst heute Google. Mountain View ist Google. Das Areal heißt Googleplex. Etwa 5000 Leute arbeiten und forschen auf diesem Campus, jede Woche kommen rund 100 neue Mitarbeiter dazu, und Googles größtes Problem ist, dass diese 100 nicht annähernd ausreichen. Die Welt ist neugierig, sie lechzt nach Antworten, nach Wissen, und Wissen ist Googles Macht. Die Welt sucht nach "Ferien in Thüringen 2006", "Fotos del Real Madrid", "Penis Enlargement", "Mapa de USA", "Die Leiden des jungen W. plus kurze Inhaltsangabe", "Paris Hilton Pictures" und auch die Antwort auf die Frage aller Fragen: "Why are parents so mean", warum Eltern so fies sind. Auch das soll Google wissen, muss Google wissen, denn Google weiß alles. Glaubt die Welt. Sie vertraut Google. Alles, was die Welt googelt, erscheint im Halbsekundentakt simultan auf dekorativen Monitoren in den lichten Foyers der Firmenzentrale auf dem Hügel von Mountain View. Es ist ein Kaleidoskop der Neugier.

An diesem Morgen hat die Firma wieder neue Software-Produkte vorgestellt. Sie stellen unentwegt neue Dinge vor, manchmal merkt die Welt das gar nicht. Journalisten aus ganz Amerika sind angereist und stellen Fragen nach der verbesserten Version von "Desktop Search" und "Google Trends", einer Art Trendbarometer für alles, was die Menschen bewegt. Oben auf der Bühne lehnt der Google-Geschäftsführer Eric Schmidt an einem Stehpult. Schmidt ist mit seinen 51 Jahren einer der Ältesten in der Firma. Er stieg vor fünf Jahren bei Google ein und wirkt ein bisschen wie ein fürsorglicher Aufseher neben den Firmengründern Brin und Page, die auf hohen Stühlen hocken und routiniert antworten. Nach einer Dreiviertelstunde ist alles vorüber, Sergey Brin eilt an den Reportern vorbei in ein Meeting, Larry Page bleibt stehen.

Er ist 33 Jahre alt, hat buschige Augenbrauen, erste graue Strähnen im braunen Haar. Page spricht mit einer ins Quaken changierenden Stimme. Man sagt, er sei das Gehirn von Google und Brin das Gewissen. Das Privatvermögen der beiden wird seit dem Börsengang vor zwei Jahren auf jeweils zehn Milliarden Dollar geschätzt, und deshalb wird Page nun gefragt, wie wichtig ihm Geld sei. Da lächelt er fast geringschätzig und sagt: "Ach, wissen Sie, wenn mir Geld so wichtig wäre, hätte ich die Firma vor Jahren verkauft und würde mir eine schöne Zeit am Strand machen."

Vielleicht hat er zuweilen diesen Peter-Pan-Moment und sehnt sich zurück nach den frühen Tagen, als er mit Brin noch in einer Garage in Menlo Park tüftelte, als sie alte Computer zusammenschraubten und vernetzten und er, Page, schließlich die Idee hatte für diese neue, revolutionäre Internetsuchmaschine, die Information kategorisieren würde und Seiten auflisten wie eine Hitparade. So hatte alles angefangen. Aber diese Peter-Pan-Momente sind vermutlich selten, die Realität ist zu konkret: Immer mehr Menschen da draußen gehen online und suchen nach Antworten. Sie brauchen mehr Google, besseres Google, sie brauchen Brin und Page. Die beiden, das war ihr Ausgangspunkt, und daran hat sich nichts geändert, wollen die Welt verändern - und verbessern.

"Do no evil", Tue nichts Böses,

ist das offizielle Credo der Firma. Sie meinen das ernst, so naiv es klingen mag, und genauso sagen sie das auch. Genauso sagen das im Übrigen alle bei Google und meinen es ernst: die Welt verbessern! Als müssten sie das im Arbeitsvertrag unterschreiben. Aber irgendwann glaubt man es ihnen sogar und belächelt es nicht länger. Die Zeiten sind vorbei, als man die Google-Guys als genial-verspinnerte Träumer belächelte und sich die Wall-Street-Nadelstreifenträger amüsierten über diese Jungs aus Kalifornien, die Jeans und Turnschuhe trugen und nach wie vor tragen, auf Rollerskates durchs Büro fuhren und fahren und mit Legosteinen spielten und spielen.

Die waren so anders, sie sind es noch. Nerds. Bill-Microsoft-Gates war auch ein Nerd. Niemand lacht mehr über ihn.

Google ist das am schnellsten wachsende Unternehmen der Welt. Der Börsenwert der Firma lag Anfang der Woche bei 113 Milliarden Dollar. Das ist dreimal so viel wie der Wert von BMW, obwohl der Google-Umsatz mit 6,1 Milliarden Dollar lediglich ein Zehntel des BMW-Umsatzes beträgt. Fast jede zweite Suchanfrage in den USA läuft über Google, in Deutschland sind es sogar zwei von drei. In der US-Presse wird bereits die Schlacht der Computerwelt-Titanen ausgerufen: Google gegen Microsoft. Als wäre nur Platz für einen.

Das Google-Prinzip ist gleichermaßen simpel wie genial: Die Rechner zählen, wie viele andere Websites auf eine Site verlinken - und erhalten damit einen Maßstab, um deren Popularität einzustufen. Das ist es schon, so funktioniert die Suchmaschine und damit auch die Geldmaschine. Die kleinen Textanzeigen, die AdWords, die rechts in einer Spalte neben den Trefferlisten stehen, werden verkauft. Der Preis richtet sich danach, wie begehrt ein Werbeplatz ist. Wer bei beliebten Suchanfragen wie "Digitalkamera" oder "Billig-Flüge" weit oben stehen will, muss eben mehr zahlen als jemand, der seine Anzeige neben Suchresultaten zu "Wanderdüne" oder "Ferienwohnungen in Wanne-Eickel" stellen will. Die Anzeigen beziehen sich auf den eingetippten Suchbegriff. Zahlen muss der Werber nur, wenn seine Anzeige auch angeklickt wird. Allein im vorigen Jahr brachten die Textanzeigen Google gut sechs Milliarden Dollar ein. Das Modell ist derart erfolgreich, dass Microsoft die Geschäftsidee demnächst kopiert. Das Google-Geheimnis sind dabei die - natürlich: Algorithmen. Die Google-Algorithmen sind anders als die der Konkurrenz. Sie sind augenscheinlich besser und daher so geheim wie das Rezept von Coca-Cola.

Brin und Page

lieben Algorithmen, offenbar liegen sie ihnen im Blut. Beide stammen aus verblüffend ähnlichem Milieu, aus Akademikerfamilien. Larrys Mutter arbeitete als Computerprogammiererin, sein inzwischen verstorbener Vater als Informatikprofessor an der Michigan State University. Sergey Brin wurde in Moskau geboren. Als er sechs war, wanderten seine Eltern wegen des aufkeimenden Antisemitismus in der Sowjetunion 1979 in die USA aus. Sergeys Vater Michael ist hochangesehener Mathematiker an der University of Maryland, die Mutter Eugenia forscht für die Nasa. Beide, Zufall wieder ausgeschlossen, gingen auf Montessori-Schulen, die Individualität, Selbstständigkeit und Kreativität propagieren. "Es ist keine Frage", sagt Page dem stern, "dass mich das geprägt hat. Die Schule hat meinen Nonkonformismus gefördert."

Im Prinzip ist der Googleplex in Mountain View nichts anderes als eine gigantische Montessori-Schule für Tausende von Computerfreaks. Sie haben dort einen Beachvolleyballplatz und einen Swimmingpool mit Gegenstromanlage. Es gibt Fitnesscenter, eine Zahnarztpraxis, einen Friseur, eine Reinigung und eine Autowaschanlage. Google ist wie eine kleine Stadt. Die Angestellten bewegen sich mit Elektrorollern von Gebäude zu Gebäude, in den Gängen stehen Sofas in den Google-Farben. Das Essen in der Kantine reflektiert die multinationale Belegschaft - mongolisches Rindfleisch, Sushi, Pasta, das koreanische Nationalgericht Kimchi. Es hat Spitzenrestaurant-Qualität und ist streng bio: Die Eier kommen nur von freilaufenden Hühnern, die, falls sie denn doch auf dem kompostierbaren Teller landen, selbstredend hormonfrei sind. Fischgerichte werden nach den Richtlinien des "Monterey Bay Aquarium Seafood Watch Program" zubereitet. Und also begegnet der Besucher auf dem Campus chronisch gut gelaunten jungen Menschen, die sich, rundum versorgt, voll auf den Job konzentrieren können und müssen. Die gute Laune erklärt sich aber nicht nur damit, dass jeder Vierte schon Aktienmillionär ist.

Man trifft dort Menschen wie Urs Hölzle, 42, einen Schweizer Google-Veteranen, der 1999 zum ersten Dutzend Angestellten gehörte, inzwischen zum "Vizepräsident Operations" aufgestiegen ist, Chef von mehreren hundert Leuten, mit denen er etwa über Verbesserungen beim Suchen für Umlaute und Akzente oder chinesische Schriftzeichen brütet. Der von Brin und Page sofort fasziniert war - und ist, "weil die nicht aufs schnelle Geld aus waren, sondern aufs Produkt. Die waren so angenehm anders".

Man trifft die hyperaktive Produktmanagerin Marissa Mayer, 31, eine zarte, blonde Frau, die vor sieben Jahren angeheuert wurde, der nun 700 Leute unterstellt sind und deren Stimme sich überschlägt, wenn sie ihren Job beschreibt: "Unsere Arbeit ist so wichtig, dass ich auch ins Büro ginge, wenn ich dafür nicht bezahlt würde. Die Website, die ich mit Kollegen gebaut habe, die sich mehr wie Freunde und Familie anfühlen, wird von Milliarden Menschen angeklickt. Es haut mich immer wieder um."

Oder man trifft den Deutschen Franz Ochs, 34, einen Experten für maschinelle Übersetzungen, der aus Franken kommt, auf Umwegen bei Google landete und sich darüber begeistern kann, dass sein Tun sogar dem Papa in Bayern hilft: "Mein Vater spricht kein Englisch, er kann durch meine Arbeit aber im Internet auch die "New York Times" lesen. Mit unserer Arabisch-Englisch-Übersetzung kann jeder Amerikaner die Website von "al Jazeera" lesen und jeder Araber die von CNN." Ochs fühlt sich stimuliert: "Ich kann genau machen, was ich möchte, nämlich mit großen Datenmengen arbeiten." Und vor allem, da sind sie wieder, "mit ausgefeilten Algorithmen arbeiten".

Solche Menschen trifft man in Mountain View. Sie leben die Firmenphilosophie, sie leben Google, "do no evil". Seid nett zueinander. Der Googleplex ist womöglich das Woodstock der Cyber-Generation, bis auf "make love not war" natürlich. Die Google-Menschen laufen mit einem Dauerlächeln über den Campus, als wäre jeder Tag Weltkirchentag. Sie erzählen von den "Thank God It's Friday Parties", bei denen Bier getrunken wird und sich die drei Chefs stundenlang den Fragen ihrer jungen Elite stellen, selbst solchen nach neuen Kaffeemaschinen. Sie erzählen, dass Mitarbeiter, die dabei erwischt werden, dass sie den Google-Aktienstand checken, eine Strafe in der Höhe des Tagespreises einer Aktie blechen müssen - auf Geld soll's nicht ankommen. Und dass es passieren könne, dass Sergey Brin in eine Sitzung schlappt, sich anhört, wie seine Ingenieure eine Idee vorstellen, mit der sich noch mal 80 Millionen Dollar mit dem Anzeigengeschäft erwirtschaften ließen, und am Ende fragt: "Haben unsere Nutzer etwas davon? Nein. Und verdienen wir nicht schon genug? Also."

Die Geschichte von Google

klingt zu schön, um wahr zu sein. Und so geht es auch bei Google nicht ganz ohne Widersprüche und Brüche zu. Denn ausgerechnet jenes Unternehmen, das Transparenz, Offenheit und uneingeschränkten Informationszugang fordert, hält diese Parameter selbst nicht ein. Google gilt als notorisch geheimniskrämerisch. Wo stehen die Computer für die gigantischen Datenmengen und wie viele sind es? Geheim. Wie viele Klicks pro Tag? Geheim. Wie lange werden die Daten der Google-Nutzer gespeichert? So lange, wie nötig.

Auch deshalb sieht sich Google einem neuen Phänomen ausgesetzt: Liebesentzug. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, es hätte seine Unschuld verloren und mit dem Börsengang seine Seele verkauft. Sie glauben nicht länger an das "Do no evil"-Credo, seit Google nicht mehr ausschließlich seinen Nutzern, sondern eben auch den Aktionären verpflichtet ist, die gelegentlich über eine chaotisch anmutende Unternehmensführung klagen. Analysten mahnen, die Aktie sei überhitzt. Und Datenschützer schließlich sehen in Google eine Bedrohung, weil es über jeden seiner Nutzer ein Profil anlegen könne. Weshalb Google zuweilen auch staatliche Späher anlockt. Vor einigen Monaten konnten Google-Anwälte eine US-Regierungsanfrage halbwegs abwehren. Das Justizministerium wollte an alle Suchanfragen einer Woche herankommen, um die Wirksamkeit einer Pornofilter-Software zu prüfen. Das wären Milliarden Wörter von Millionen Usern gewesen. Letztlich musste Google nur 50 000 Internet-Adressen herausrücken.

Die Google-Nutzer schreckt das kaum. Eine US-Umfrage unter 1017 Internetnutzern - 74 Prozent von ihnen klickten Google an - belegt deren Ahnungslosigkeit: 77 Prozent glaubten, ihre Daten ließen keine Rückschlüsse auf die Identität zu. Rein theoretisch, sagen die Google-Leute dazu, sei es zwar möglich, die elektronischen Spuren zurückzuverfolgen. In der Praxis aber würden die Daten nur so lange gespeichert, wie sie der Optimierung ihrer Suchmaschine dienten.

Der größte Widerstand gegen Google regt sich in Europa. "Quälende Unruhe" befällt Jean-Noël Jeanneney, Präsident der Französischen Nationalbibliothek in Paris, angesichts der Google-Pläne für eine digitale Bibliothek. Im ersten Schritt sollen 15 Millionen Bücher erfasst werden - aus Universitätsbibliotheken in Oxford, Harvard, Michigan und Stanford und der New York Public Library. Würden die alle ihren gesamten Bestand scannen lassen, kämen gut 50 Millionen Werke zusammen. Die Deutsche Bibliothek verfügt nicht mal über die Hälfte davon in Buchform. Durch den Google-Coup, fürchtet der Franzose, werde "alles, was der amerikanischen Weltsicht widerspricht, aussortiert". Womöglich fände man unter "Goethe" oder "Victor Hugo" bald nur noch englischsprachige Bücher. Die einen halten das für Kulturfrevel, andere loben die Megabücherei als digitale Version der Bibliothek von Alexandria. Wo liegt die Wahrheit?

Vielleicht müssen die Google-Leute damit zu leben lernen, dass Kritik die Schwester des Erfolgs ist. Dass Google bei allen hehren Vorsätzen ein Global Player ist und als solcher zu Recht unter verschärfter Beobachtung steht. Als das Unternehmen Anfang 2006 verkündete, eine freiwillig zensierte Version ihrer Seite in China unter google.cn zu öffnen, löste das vor allem in den USA Empörung aus. Die Weltverbesserer, hieß es, schielten auf den Profit, den 110 Millionen chinesische Internetuser versprechen, und machten sich gemein mit einem repressiven System. Bei einer Anhörung vor dem Kongress wurden sie sogar mit Nazi-Kollaborateuren verglichen. Wissen stand gegen Gewissen. "Es waren quälende Diskussionen", sagt Google-Chef Eric Schmidt.

Es ist Donnerstag, Aktionärstreffen. Das Durchschnittsalter auf dem Googleplex steigt dramatisch. Die Aktienbesitzer könnten die Großväter und Großmütter der jungen Forscher sein. Es gibt gute Nachrichten für die Oldies. Google geht es prächtig, natürlich geht es Google prächtig, Gewinn und Umsatz steigen, Innovationen am laufenden Band, wenn auch der Aktienkurs auf hohem Niveau schwächelt.

Eric Schmidt, der Geschäftsführer,

hat entsprechend gute Laune. Er hat klare, blaue Augen, eine sanfte Stimme und einen irrwitzig schnellen Verstand. Schmidt zieht sein blaues Jackett aus und erzählt. Erzählt, wie er vor sechs Jahren auf Drängen des Internetgurus und Google-Finanziers John Doerr endlich einwilligte, Page und Brin zu treffen, "der Raum war eine einzige Katastrophe, Kaffee auf dem Boden, Essensreste, Müll". Die beiden hatten seine Vita mit einem Projektor an die Wand geworfen, dann fingen sie an, Schmidt, diesen gestandenen Computermanager, auseinander zu nehmen. Sie hinterfragten alles, sie stritten, sie debattierten. Nach Stunden gingen sie auseinander. Und irgendwann, sagt Schmidt, wurde ihm klar, "dass Sergey und Larry mit allem, was sie sagten, Recht hatten". Wieder der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Wenige Monate später wurde Schmidt zum Google-Chef berufen. Sie streiten immer noch regelmäßig und intensiv. Zuletzt über das China-Abenteuer, neun Monate lang. Schmidt ist nüchterner als Brin und Page. Die beiden sind die Ideenmotoren des Konzerns, Schmidt ist der Mann für die Balance zwischen Kreativität und Geschäft. Wenn in den Meetings mal wieder die Fetzen fliegen, agiert Schmidt wie ein Familientherapeut. Er sagt: "Ich kam, um zu helfen."

Vor Schmidt wirkte die Firma auf Außenstehende chaotisch. Mit Schmidt wirkt die Firma immer noch so - allerdings kontrolliert chaotisch. "Wir verkaufen uns selbst als chaotisch, aber hinter dem Chaos steckt Logik." Die Idee ist, die Konkurrenz ein wenig im Dunkeln zu lassen. Google ist für seine Rivalen ein Rätsel.

Für Schmidt manchmal offenbar auch. Strategie? "Wir haben keine langfristigen Pläne. Wir entscheiden kurzfristig." Als sie das neue Produkt "Google Trends" vorstellten, erfuhr er davon erst wenige Tage zuvor. Sagt er. Man kann ihm das glauben oder nicht. Larry Page hatte gesagt, dass sie nicht über Strategien reden, "weil auch das strategisch ist".

Natürlich hat Google eine Strategie und auch eine Vision jenseits von Weltverbesserung. Sie sind ja erst am Anfang. Gerade einmal zehn Prozent der Informationen weltweit sind online. Für Google bedeutet das: wachsen, wachsen, wachsen. "Es gibt zwar eine Grenze des Wachstums", sagt Schmidt, "aber ich sehe sie noch nicht." Also werden sie weiter Talente rekrutieren, Hunderte, Tausende. Brillante junge Leute, die sich extrem harten Job-Interviews stellen müssen, zur Firmenphilosophie passen sollen, "und gegebenenfalls den Boden schrubben würden, um dabei zu sein, wenn wir die Welt verändern", wie Schmidt sagt. Sie werden weitere Büros eröffnen auf der ganzen Welt und neue Programme für Handys schreiben. Schon deshalb, weil es davon viel mehr gibt als Computer.

Und sie werden sich daran machen, den Medien- und Werbemarkt umzukrempeln und Fernseh-, Radio- und Printwerbung nach dem Online-Vorbild ganz speziell auf Kunden zuschneiden. Google ist längst mehr als ein Technologiekonzern, Google ist auch ein Medien- und Werbegigant. "Der Tag wird kommen", sagt Schmidt, "an dem ich den Fernseher anstelle und Werbung für Männerkleidung sehe. Hundebesitzer werden Reklame für Hundefutter bekommen, Katzenfreunde welche für Katzenfutter. Klingt doch logisch, oder?" Eigentlich fragt er nicht, er stellt vielmehr fest. Dieser Schmidt klingt nicht wie ein Weltverbesserer. Er klingt wie ein Pragmatiker. Genau deshalb ist er da.

Weltverbesserer gibt es genügend auf dem Google-Hügel von Mountain View, wo sie Algorithmen und Visionen lieben. Sie dürfen träumen und spinnen auf dem Hügel. Die Googler sind sogar offiziell angehalten, zehn Prozent ihrer Arbeitszeit dafür zu investieren. Selbst Page und Brin spinnen immer noch. "Was spricht dagegen, den Geist zu verbessern?", hat Sergey Brin einmal gesagt. "Vielleicht wird es irgendwann möglich sein, eine kleine Version von Google direkt ans Gehirn anzuschließen."

Man ist versucht zu lachen. Und tut es dann doch nicht.

Mitarbeit: Maximilian Geyer, Tilman Müller, Ulf Schönert, Sonja Wickel

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.