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A380-Fertigungsproblematik: Flugzeug-Konstrukteur kritisiert Airbus

Mit einem Flug nach Singapur ist die A380 in ihre letzte Testflugserie vor der Zulassung für den Linienverkehr gestartet. Unterdessen wird es am Boden turbulent: Ein ehemaliger Airbus-Konstrukteur wirft dem Konzern mangelnde Kompetenz vor.

Die A380 ist gerade zu ihrer letzten Testflugserie abgehoben. Die technische Leistungsfähigkeit des größten je gebauten Verkehrsflugzeugs für 481 bis 853 Passagiere steht dabei nicht mehr zur Debatte. Vielmehr wird nun geprüft, wie sich die Maschine im normalen Flughafenbetrieb rangieren, betanken und warten lässt und ob die Passagiere reibungslos ein- und aussteigen können. Der "Vater" des Doppelstöckers, der Konstrukteur Jürgen Thomas, warf dem europäischen Airbus-Konzern unterdessen Kompetenzverlust vor.

Der A380 ist bei seinem Praxistest insgesamt 150 Stunden auf zehn Flughäfen unterwegs. Zunächst steuert er Singapur und Seoul in Südkorea an. Am Wochenende folgen Landungen in Hongkong und Narita in Japan. Der dritte Flug führt den Riesenvogel am 22. und 23. November nach China zu den Flughäfen von Guangzhou, Peking und Schanghai. Den Abschluss bilden vom 26. bis 29. November Johannesburg in Südafrika, Sydney in Australien und Vancouver in Kanada.

Zulassung im Dezember

Im Dezember soll die A380 seine Zulassung erhalten. Wegen Produktionsproblemen wird das Großraum-Flugzeug jedoch frühestens in einem Jahr im Liniendienst eingesetzt werden können - zwei Jahre später als geplant. Der US-Frachtflieger FedEx hat deswegen Anfang November zehn A380-Frachter wieder abbestellt und bei Boeing Ersatz geordert. Damit hat Airbus noch 149 Bestellungen für den A380; die Gewinnschwelle liegt nach neuen Berechnungen der Airbus-Konzernmutter EADS bei 420 Maschinen.

Der Konstrukteur Thomas, der an der Entwicklung mehrerer Airbus-Typen maßgeblich beteiligt gewesen war, bezog in der Zeitschrift "Aero International" in ungewöhnlich scharfer Form Stellung zu den Fertigungsproblemen. Das grundsätzliche Konzept des Doppelstöckers verteidigte er jedoch.

"Nicht ausreichende Ingenieurkompetenz"

Ursache der Probleme sei sicher, "dass man nicht mit ausreichender Ingenieurkompetenz darauf vorbereitet war", urteilte der 69-jährige deutsche Experte, der seit zwei Jahren im Ruhestand in Toulouse lebt. Auch die Computerprogramme seien noch nicht ausgereift gewesen. Zudem seien "im Management Fehler gemacht worden".

Zum viel diskutierten deutsch-französischen Verhältnis bei Airbus sagte Thomas, wenn die nötigen Voraussetzungen auf beiden Seiten stimmten, dann sehe er persönlich nicht ein, warum Deutsche schlechter arbeiten sollten als andere. "Aber offenbar hat es gerade hier gemangelt, möglicherweise an allen Enden." Ihn schockiere, "dass dort, wo die Probleme aufgetaucht sind - und die Flieger müssen nun mal in Hamburg mit der Elektrik ausgerüstet werden -, dass dort überhaupt niemand die Verantwortung übernimmt". Gleichwohl nannte Thomas den A380 "ein fantastisches Flugzeug" mit guten Flugleistungen.

British Airways bleibt gelassen

Auch British Airways-Chef Willie Walsh äußerte sich optimistisch: "Ich habe absolut keine Zweifel, dass Airbus die Probleme lösen wird." Die Lieferverzögerungen würden "in keiner Weise" eine mögliche Kaufentscheidung von British Airway für mehrere Maschinen vom Typ A380 beeinträchtigen, sagte er. Für einige Strecken seiner Gesellschaft wäre der A380 "genau richtig". Bislang besteht die 114 Maschinen umfassende Langstreckenflotte der British Airways ausschließlich aus Flugzeugen des US-Hersteller Boeing.

DPA / DPA