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Gigant der Lüfte: Antonow AN-225 - neue Hoffnung für das größte Flugzeug der Welt

In der Ukraine versucht der Flugzeugbauer Antonow, das Geld für die Fertigstellung einer weiteren AN-225 zusammenzubekommen. In China arbeitet man an der Serienfertigung einer modernisierten Form des Riesen. Sie soll auch zum Start von Satelliten verwendet werden.

Der Rumpf dieser AN-225 ist fast fertiggestellt.

Der Rumpf dieser AN-225 ist fast fertiggestellt.

Hersteller

Wo die Antonow AN-225 landet, sorgt sie für Staunen. Flugzeugfans warten stundenlang, um einen Blick auf den einschwebenden Giganten werfen zu können. Und das obwohl die AN-225 alles andere als eine Neuigkeit ist. Inzwischen hat sie 30 Dienstjahre auf dem Buckel. Nur ein einziges Exemplar wurde von dem Frachtflugzeug gebaut.

Nun berichten ukrainische Medien, dass der Hersteller Antonow mal wieder Anstrengungen unternimmt, das Geld aufzutreiben, das nötig wäre, ein weiteres Exemplar zu bauen. Genau genommen: ihn fertigzustellen. Denn das Programm wurde im vollen Lauf angehalten. 1988 flog die AN-225 zum ersten Mal. Entwickelt wurde der Riesen-Jet, um die sowjetische Raumfähre Buran im Huckepack-Verfahren ins All zu bringen. Mit der Implosion der UdSSR endeten auch die sowjetischen Weltraumpläne abrupt.

Antonov AN-225 : Größtes Flugzeug der Welt - Kiew will zweite AN-225 fertigstellen
Die AN-225 wird durch die "Nase" beladen.

Die AN-225 wird durch die "Nase" beladen.

Abruptes Ende

Alexander Galunenko war der erste Mann, der das Flugzeug flog. Er sagte der "BBC": "Als die UdSSR zusammenbrach, wurden das Programm und die Finanzierung eingestellt, da der Bedarf für dieses Flugzeug nicht mehr da war." Galunenko erinnert sich in dem Beitrag an den Flug, mit dem er die AN-225 zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten brachte: "Wir wurden zu einer Luftfahrtmesse nach Oklahoma eingeladen und die Medien berichteten, dass das größte Flugzeug der Welt kommen würde, was eine Masse von Menschen anzog", sagte er der "BBC". "Alle diese Leute dachten natürlich, dass das größte Flugzeug der Welt von der Firma Boeing gebaut wurde. Wir mussten ihnen dann erklären, dass es von Antonow gebaut wurde, und sie fragten uns: "Woher kommt Antonow?" Wir antworteten: "Es ist eine Firma in Kiew", also fragten sie uns als nächstes: "Und was ist denn Kiew?" Wir haben ihnen gesagt: "Kiew ist in der Ukraine", und natürlich fragten sie weiter: "Aber was ist die Ukraine?"".

Seitdem verstauben die fast fertigen Burans in einem vergessenen Hangar des Kosmodroms Baikonur. Nur die eine AN-225 fliegt seitdem. Möglich ist das, weil es sich bei dem Giganten um eine vergrößerte Version eines sowjetischen Militärtransporters handelt. Nur so konnte man das Unikat warten und mit Ersatzteilen versorgen.

Bau eines weiteren Transporters in der Ukraine

In Kiew hat man die AN-225 allerdings nicht vergessen. In den Hangars des Herstellers lagern zahlreiche Bauteile. Der Rumpf einer weiteren AN-225 wartet seit 30 Jahren auf seine Fertigstellung. Mit ihrer Nutzlast von 250 Tonnen ist sie konkurrenzlos auf der ganzen Welt. Eine Finanzierungsrunde soll nun 300 Millionen Dollar auftreiben, um den Bau wieder aufzunehmen.

Doch die nach wie vor schwierige Lage in der Ukraine setzt Antonow zu. Schon vor zwei Jahren gab es daher ein Projekt, um den Bau der großen Lufttransporter voranzubringen. Damals hatten Antonow aus Kiew und Aviation Industry Corporation of China einen Vertrag für ein Gemeinschaftsunternehmen abgeschlossen, das sämtliche Rechte an der AN-225 beinhalten sollte. Doch der Käufer, die Aviation Industry Corporation of China (AICC) will nicht das alte Modell neuauflegen, sondern plant eine grundlegende Erneuerung des Jets sowie einen Bau in China und nicht in Kiew. Der chinesische Käufer habe die letzten Jahre damit verbracht, die ursprünglichen Entwürfe zu überarbeiten. Dem Präsidenten von AICC, Zhang Yousheng, zufolge ist der Bau von 1000 Schwerlastflugzeugen in den nächsten zehn Jahren geplant.

Zurück zur Raumfahrt

Sollte das geschehen sein, dürfte kein Land der Welt eine vergleichbare strategische Transportflotte besitzen. Gleichzeitig soll die chinesische AN-225 wieder zu ihrer ursprünglichen Bestimmung, nämlich der Raumfahrt, zurückkehren. "Die AN-225 kann für Flüge in großer Höhe ausgerüstet werden und sie kann dann kommerzielle Satelliten in einer Höhe von etwa 12.000 Meter starten", sagte Zhang der "BBC". Der Start vom Flugzeug aus ist wesentlich flexibler was die Zeiten angeht als der Start vom Boden. Außerdem würden die Startkosten erheblich reduziert.

Wird das chinesische Programm Wirklichkeit, wäre die AN-225 endgültig von Kiew getrennt. Die derzeitigen Finanzierungsgespräche sind die letzte Chance, dass zumindest einer der Giganten noch von der Firma gebaut wird, die ihn erfunden hat.