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Neue Küchenrevolution: Diese Maschine versetzt Küchenchefs in Angst

Kapsel rein, Wasser dazu - Knopf drücken und fertig ist das High-End Gourmet-Gericht. Die französische Innovation ChefCuisine toppt den Thermomix noch deutlich. Das Schlimmste für echte Köche: Das Essen soll perfekt sein.

Der ChefCuisine ersetzet eine komplette Küche und den Koch dazu.

Der ChefCuisine ersetzet eine komplette Küche und den Koch dazu.

Für 199 Euro kann man seinen eigenen Küchenchef bestellen - das suggeriert zumindest die Reklame von ChefCuisine. Das neuartige Küchengerät sieht überhaupt nicht aus wie ein Herd, sondern wie eine Mischung aus Nespresso-Maschine und Design-Toaster. Anders als klassische Tiefkühlkost kapriziert sich die Maschine nicht auf Hausmannskost, sondern auf Kunstwerke von Meisterköchen, bei denen die meisten in der Küche scheitern würden. Jakobsmuscheln auf Linsen, Gänsestopfleber auf einem Bett von Zitronengellee zählen zu den Gerichten. All diese Köstlichkeiten, für die man sonst ein Hauben-Restaurant aufsuchen musste, soll es nun per Knopfdruck geben.

Die Tiefkühlpizza hat ausgedient.

Die Tiefkühlpizza hat ausgedient.

Tolle Sache, für untalentierte Leckermäuler, aber Köche in Frankreich sind geschockt. Sie sehen in dem ChefCuisine eine Höllenmaschine, die ihre Gourmet-Tempel zerstören wird. Ihr Zorn kocht über, weil ausgerechnet Anne-Sophie Pic, Frankreichs berühmteste Köchin, den ChefCuisine bewirbt. Anne-Sophie Pic ist die einzige Frau in Frankreich, die drei Michelin-Sterne für ihr Restaurant erreichte. Sie ist kein bezahltes Werbegesicht, sie hat die Maschine mit entwickelt.

Ausgerechnet die berühmteste Köchin der Welt, Anne-Sophie Pic, hat sich den Nespresso-Gourmet ausgedacht.

Ausgerechnet die berühmteste Köchin der Welt, Anne-Sophie Pic, hat sich den Nespresso-Gourmet ausgedacht.

Die Qualität der Gerichte ist kein Hexenwerk. In den meisten Restaurants kommen heute Speisen auf den Tisch, die vorbereitet und dann eingefroren wurden und für den Gast nur noch end-zubereitet werden. Gute Zutaten und Sekunden-genaue Garzeiten sind die Grundvoraussetzungen, um ein Ergebnis wie vom Küchenchef zu erzielen. In den Essenskapseln von ChefCuisine ist jeweils ein Mikrochip installiert, der der Maschine die Zubereitungsart mitteilt. Ein cleverer Schachzug, der es - ähnlich wie bei Druckerpatronen - Konkurrenten schwer machen wird, eigene Kapseln anzubieten. In den Kapseln sind die einzelnen Bestandteile voneinander getrennt eingeschweißt, so dass die Zonen individuelle Garprozesse durchlaufen können.

So einfach ist es, ein Spitzenkoch zu sein.

So einfach ist es, ein Spitzenkoch zu sein.

Die Ähnlichkeit mit dem Nespresso-Maschinen ist kein Zufall. Köchin Anne-Sophie Pic hat sich mit dem ehemaligen Nestlé-Manager Jonathan Pennella zusammengetan, um weltweit Fertiggerichte auf ein neues Level zu heben. Vor vier Jahren suchte Pennella die Köchin in ihrem Restaurant in Valence auf, weil er überzeugt war, dass sie die beste Köchin in der Welt sei, und überzeugte sie von seinem Plan. Pic soll von der Vision begeistert gewesen sein, Essen auf dem höchsten Niveau auch größeren Bevölkerungsschichten zu ermöglichen.

Ein Thermomix.


Derzeit kann man die Gerichte nur online bestellen, sie werden dann vorgekocht, in ihrer Kapsel geliefert und müssen nur fertig gegart werden. Pennella rechnet damit, in wenigen Jahren 3 bis 4 Haushalte von jeweils 1000 in den jeweiligen Liefergebieten in Kunden verwandeln zu können. Die Preise der Gerichte liegen zwischen sechs und 60 Euro. Ein Rinderfilet mit Soja und Honig, Mungosproßen, Ingwer und knusprigem Gemüse kostet 20 Euro. Im Vergleich zu Bofrost ist das natürlich teuer, gemessen am Gebotenen müsste ein Hobbykoch für die Zutaten aber mindestens die gleiche Summe kalkulieren. Auf der Produkt-Seite gibt es weiteres Zubehör und Tipps, damit man das edle Essen auch angemessen anrichten kann.

 

 

In einem Interview mit der "Le Tribune de Geneve" sagte Pic, es mache keinen Sinn, sich immer zu beschweren, die Gastronomie "müsse mit dem Wandel des Lebensstils mitgehen." Und sie setzt noch drauf: Auch Nespresso sei nichts Schlechtes. Die Kapseln hätten die "Art, wie wir in Frankreich Kaffee trinken, verbessert." Ein Sterben der Restaurants fürchtet Pic nicht. Parallel mit dem Siegeszug der Kaffeekapseln hätten überall in Frankreich Kaffee-Shops auf- und nicht zugemacht. Restaurantkritiker Francois-Regis Gaudry ist nicht so enthusiastisch. "Mit scheint das eine ganz schlechte Idee zu sein", sagte er der Times. "Menschen werden  so in eine aseptische Welt gedrängt, in der das Essen nur aus der Plastiktüte kommt."


Die Essenskritiker der "Le Tribune de Geneve" mussten allerdings zugeben, dass das Menü aus der ulkigen Maschine auch nach Restaurantmaßstäben exzellent schmecke. Umweltschützer werden bald ein neues Hass-Objekt haben. Schon über den Kaspel-Kaffee wurde sich endlos aufgeregt. Der ChefCuisine treibt es noch arger: Seine Kapseln sind dank des Chips auch noch Elektroschrott.

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