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Google Doodle ehrt Pionier der Fotografie: Louis Daguerre - der Bilderfänger aus Frankreich

Zu Lebzeiten versuchte er sich als Maler, Tänzer und Seilkünstler - doch die Nachwelt kennt Louis Daguerre vor allem als Wegbereiter der modernen Fotografie. Doch das von ihm entwickelte Verfahren, die Daguerreotypie, besaß einen entscheidenden Nachteil.

Von Jens Wiesner

Als Louis-Jacques Mandé Daguerre am 19. August 1839 an die Öffentlichkeit trat, trug er die Zukunft der Fotografie im Gepäck. Jahrelang hatte der Franzose gemeinsam mit seinem Erfinderkollegen Joseph Nicéphore Nièpce, an einem Verfahren gearbeitet, Lichtbilder nicht nur auf eine Oberfläche zu projizieren, sondern für die Ewigkeit festzuhalten.

Der Durchbruch war ihm vier Jahre zuvor geglückt, wie so oft in der Erfinderwelt durch Zufall: Daguerre hatte wieder einmal eine versilberte Kupferplatte poliert und mithilfe von Joddämpfen lichtempfindlich gemacht. Zum Belichten setzte er diese Platte, die nur kurzfristig und in absoluter Dunkelheit aufbewahrt werden konnte, in die Rückseite seines Fotoapparates ein. Sobald Daguerre die Blende öffnete, fiel das Licht durch das Objektiv auf die Platte und projizierte ein seitenverkehrtes und kopfüber stehendes Bild auf die beschichtete Oberfläche. Daguerres Problem: Das in die Platte "gebrannte" Bild war äußerst schwach und kaum sichtbar.

Und weil der Erfinder keinen blassen Schimmer hatte, wie er dem Problem begegnen konnte, legte er die belichteten Platten erst einmal in sein Giftschränkchen. Daguerres Glück: Im selben Schrank befand sich - unbemerkt vom Erfinder auch ein zerbrochenes Thermometer, aus dem Quecksilber tropfte, das giftige Dämpfe bildete. Als Daguerre einige Zeit später die Bescherung bemerkte, staunte er nicht schlecht: Das Motiv auf den leidlich belichteten Platten stach ihm plötzlich messerscharf ins Auge - eine Folge der Quecksilberdämpfe, wie der Erfinder völlig richtig schloss.

Fotografie als Geschenk an die ganze Welt

Das Besondere: Daguerres Verfahren war kein abseitiges Experiment, das nur unter aufwendigen Laborbedingungen wiederholt werden konnte. Als der Erfinder seine "Daguerreotypien" vier Jahre später der Öffentlichkeit präsentiert, hatte es bereits Marktreife erlangt und sollte in kurzer Zeit den gesamten Globus erobern. Maßgeblichen Anteil daran hatte Daguerres Entscheidung, die Rechte an seiner Erfindung der französischen Regierung zu übertragen - im Austausch gegen eine lebenslange Rente für ihn und den Sohn seines verstorbenen Partners. Paris nutze die "Daguerreotypie" als Prestigeprojekt: Jedermann durfte das Verfahren von nun an frei und unentgeltlich nutzen - "in edelmütiger Weise der ganzen Welt" zum Geschenk gemacht.

Doch vom heutigen Partyschnappschuss mit dem Smartphone war die Daguerreotypie noch weit entfernt. In ihren Anfangstagen waren Belichtungszeiten von zehn bis 15 Minuten nötig, um das Bild auf Platte zu bannen. Einige Jahre später konnte die Zeit immerhin auf weniger als 30 Sekunden verkürzt werden, so dass neben Architekturaufnahmen auch Portraits möglich wurden. Doch auch da galt für die Porträtierten noch: Luft anhalten und zu Salzsäule erstarren. Ein Wimpernzucken, eine schnelle Handbewegung - schon wäre das Foto verwackelt.

Als entscheidender Nachteil erwies sich jedoch, dass es sich bei jeder Daguerreotypie-Aufnahme um ein Positiv, also ein Unikat handelte. Mehrere Abzüge vom selben Motiv waren mit diesem Verfahren nicht möglich. Dieses Manko sollte sich erst mit dem Negativverfahren von William Fox Talbot ändern. Aber das ist eine andere Geschichte, die Louis Daguerre nicht mehr erleben sollte. Der findige Franzose starb bereits am 10. Juli 1951, wahrscheinlich an einem Blutgerinnsel. In der Geschichte der Fotographie ist Daguerre bis heute unsterblich.

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