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Energieversorgung: Leben ohne Öl!

Die Schweden wollen schon von 2020 an ganz ohne Erdöl auskommen. In Deutschland wird es länger dauern. Der Energie aus Pflanzen, Wind und Sonne gehört die Zukunft.

Von Elke Schulze und Andreas Teichmann (Fotos)

Hellgelb und satt steht der Raps auf dem Feld. Fast mannshoch sind die Pflanzen, ihre leuchtenden Blüten haben sie längst abgeworfen. Prall hängen die Schoten, sie speichern, Wunder des Lebens, die Kraft der Sonne, die aus einer Entfernung von 150 Millionen Kilometern auf den Acker brennt. Man könnte jetzt Margarine daraus machen oder Tierfutter. Aber man kann auch Kraftstoff daraus gewinnen und damit Auto fahren.

Ulrich Schmack, 32, hat die Instrumente, den Pflanzen die Energie der Sonne wieder zu entlocken. Er baut im ostbayerischen Schwandorf Biogasanlagen, die Gras, Mais, Sonnenblumen oder eben Raps vergären. Bakterien im Fermenter wandeln den Kohlenstoff der Pflanzen in brennbares Methangas um, der Rest kommt als Dünger auf die Felder zurück. Das Gas befeuert sodann Motoren oder Heizungen. Ob Gras, Mais oder Raps, die Bakterien in den Schmackschen Anlagen können alle Energiepflanzen verwerten. Seit zehn Jahren entwickelt der gelernte Architekt und Naturliebhaber seine Anlagen mit wachsendem Erfolg für andere. Im Mai 2006 ging er mit seiner Schmack Biogas AG an die Börse. Das hat ihm 37 Millionen Euro eingebracht, die er nun in neue eigene Anlagen investieren will.

1,4 Millionen Hektar oder zwölf Prozent der Anbaufläche Deutschlands sind bereits mit Energiepflanzen wie Mais, Raps oder Sonnenblumen bebaut. Langfristig könnten es vier Millionen Hektar sein - rund ein Viertel der bewirtschaftbaren Fläche. Mit der Ernte eines Hektars lässt sich Biogas produzieren, das ein Auto über 100 000 Kilometer antreibt. "Wenn wir die mögliche Anbaufläche nutzen, können wir mit dem erzeugten Biogas die Hälfte der russischen Erdgasimporte ersetzen", sagt Schmack. In fünf bis sieben Jahren möchte er mit dessen Preis konkurrieren. Er ist mit seinen Aktivitäten nicht allein: In den kommenden Jahren will die Biogasbranche zehn Milliarden Euro investieren. In der alten sächsischen Bergmannsstadt Freiberg, nahe der tschechischen Grenze, baut zum Beispiel die Firma Choren Industries derzeit eine Anlage, die aus Holzschnitzeln Biodiesel macht. Sie rieseln aus 25 Meter Höhe in einen Tank und werden dort verkokelt. Dieser Prozess setzt ein Gas frei, das dann zu Biodiesel destilliert wird. Dieser Vorgang dauert nur eine halbe Stunde.

Die Natur brauchte rund 300 Millionen Jahre, um aus Pflanzen Erdöl und Steinkohle zu machen. Und nun verheizt der Mensch in rasantem Tempo die Energie der Sonne, die in früheren Epochen der Erdgeschichte schien und seither in Erdöl, Erdgas und Kohle gebunden und in der Kruste der Erde gespeichert ist. Ein absehbar endliches Spiel. Manche Experten schätzen, dass der Scheitelpunkt der Ölförderung bereits in diesem Jahrzehnt ("Peak-Oil") überschritten sein wird. Andere sind da pessimistischer: Dies sei längst geschehen.

Und der Ölverbrauch steigt und steigt und steigt. 2003 verfeuerte die Menschheit 78,6 Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) am Tag, 2005 waren es bereits rund 84 Millionen, bis Ende des kommenden Jahrzehnts dürfte der Verbrauch noch mal um ein Drittel zulegen. Hoch umstritten ist unter den Fachleuten, wie lange die Reserven noch reichen. Die Experten der Vereinten Nationen zum Beispiel sind skeptisch: Nach ihren Schätzungen halten die Ölvorräte noch 45 Jahre, die Gasvorräte rund 70 Jahre. Der Akku der Erde läuft leer.

Der Kampf um die schwindenden Energiereserven dürfte die Zukunft bestimmen, schon heute sind die Folgen dramatisch. Weil die etablierten Wirtschaftsregionen der Welt - Europa, Nordamerika, Japan - kaum noch eigene Vorkommen haben, wächst von Tag zu Tag ihre Abhängigkeit vom politisch labilen Nahen Osten, wo mehr als die Hälfte der bekannten Ölreserven lagern. Deutschland setzt daher künftig auf russisches Erdgas. Ab 2010 sollen jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter durch die Pipeline aus Sibirien strömen: die Hälfte des deutschen Jahresverbrauchs. Ein Bypass, der neue Abhängigkeiten schafft. "Politische Krisen können die Märkte sehr stark unter Druck setzen", sagt Christof Rühl, stellvertretender Chefvolkswirt des britischen Ölmultis BP. Nach dem Beginn der israelischen Angriffe im Libanon stieg der Preis für ein Barrel Öl innerhalb weniger Tage von 75 Dollar auf knapp 80 Dollar. Vor drei Jahren kostete es nicht einmal 30 Dollar.

Auch Deutschland bestreitet 82 Prozent seines Energieverbrauchs aus den fossilen Reserven der Vorzeit: 58 Prozent Mineralöl und Erdgas, 24 Prozent Stein- und Braunkohle. Die Atomkraft (13 Prozent) ist wegen ihrer Risiken ein Auslaufmodell. Noch stammen nur fünf Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie aus regenerativen Quellen. Ob es gelingt, dieses Verhältnis umweltfreundlich umzukehren, sich aus der Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle zu lösen, ist eine der zentralen Zukunftsfragen einer modernen Industriegesellschaft. Wer das schafft, dem bieten sich enorme wirtschaftliche Chancen.

Ist ein Leben ohne Öl möglich? Ja, meint Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE). Der Branchenverband sagt voraus, dass der Anteil von Öl und Gas kontinuierlich abnehmen und im Energiemix des Jahres 2050 nur noch eine geringe Rolle spielen werde. Hermann Scheer, SPD-Umweltpolitiker, sagt voraus, dass "die Vollversorgung Deutschlands mit erneuerbaren Energien bis 2050 möglich ist". Eine Studie im Auftrag der Europäischen Kommission hat bereits 1997 einen Fahrplan für ein Leben nach dem Öl entwickelt. Das Ziel: Bis zum Jahr 2050 sol- len 95 Prozent des gesamten benötigten Energiebedarfs in Europa aus erneuer- baren Quellen gespeist werden. Auch anderswo hat das Umdenken begonnen: Schweden will ganz offiziell schon 2020 ohne Ölimporte auskommen, was einem dünn besiedelten Land mit riesigen Wäldern allerdings auch leichter fällt.

Das Thema steht auf der Agenda, und das nicht mehr nur bei den Ökos. Früher galt schnell als weltfremder, wirtschaftsfeindlicher Fantast, wer die Abkehr vom Öl propagierte. Heute sind die vermeintlichen Spinner von damals die Vorkämpfer einer zukunftsträchtigen Entwicklung, und was sie treibt, ist nicht zuletzt ökonomische Vernunft. Die Branche der erneuerbaren Energien will jährlich um rund zehn Prozent wachsen, am Ende des kommenden Jahrzehnts will sie 120 Milliarden Euro umsetzen und Anlagen für 80 Milliarden Euro exportieren. Aus heute 170 000 Arbeitsplätzen will sie bis dahin eine halbe Million machen und insgesamt 200 Milliarden Euro investieren. Und bei vielen Technologien sind die Deutschen schon heute führend. Aus den Ökoversuchen der ersten Jahre wurde High Tech made in Germany.

Frank Asbeck, 46, war einst Mitbegründer der Grünen. Die Jeans und das Ohrloch erzählen noch ein bisschen von früher, der Maserati und der Firmensitz in einer Bonner Villa viel vom gegenwärtigen Erfolg. "Ich habe schon so viele Solaranlagen in meinem Leben gebaut - trotz Maserati stimmt meine persönliche Ökobilanz", sagt der Chef der Solarworld AG. Deren Aktie ist mittlerweile Anlegers Liebling und ein Schwergewicht im Technologie-Dax.

Ihre Tochterfirma Deutsche Solar baut in Freiberg Fotovoltaikanlagen, nur wenige 100 Meter von Choren Industries entfernt. Aus dem Reinraum, in dem aus Siliziumscheiben Solarzellen für die Stromproduktion gefertigt werden, dringen weder Abgase noch Lärm. Asbecks Erfolg ist im Wortsinn kalkuliert. Heute kostet ein Kilowatt installierte Leistung bei Solarworld inklusive Montage rund 5000 Euro. Wird sie 20 Jahre lang betrieben, kostet sie einschließlich Zinsen und Tilgung 400 bis 500 Euro pro Jahr. Geteilt durch die 1000 Kilowattstunden, die sie im Jahr produziert, macht das pro Kilowattstunde Strom unter 50 Cent. Das ist noch viel, aber die Solarbranche senkt ihre Kosten um fünf bis sieben Prozent pro Jahr und damit auch die Preise. "In acht Jahren kalkulieren wir mit 24 Cent", sagt Asbeck. Verbraucherpreis heute: 19,2 Cent. Dazu kommt eine schlichte Logik: Je teurer das Öl, desto eher rechnen sich alternative Energien.

Noch 1993 hieß es in einer Anzeige der großen Energieversorgungsunternehmen: "Sonne, Wasser und Wind können auch langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken." Heute sind es bereits über zehn Prozent. "Bis 2020 kann die Solarbranche 37 Prozent des Stroms und 15 Prozent der Wärme erzeugen", glaubt Frank Asbeck. Energie ist ja reichlich vorhanden: Eine Solaranlage mit einer Kantenlänge von 160 mal 160 Kilometern könnte den gesamten Energiebedarf Deutschlands befriedigen - wenn auch nur theoretisch.

Dass Strom dereinst vollständig aus regenerativen Quellen gespeist werden könnte, ist nicht zuletzt den riesigen Flügelmonstern zu danken, die sich bereits heute überall im Land drehen. Im Jahr 2020 sollen sie mindestens 20 Prozent des Stroms liefern. Zwar sind die Windmühlen umstritten. Sie verspargeln die Landschaft, sie nerven Mensch und Vieh, sagen die Kritiker. Ihr größtes Problem aber ist: Der Wind weht, wie er will. Bläst er zu schwach, müssen Kraftwerksbetreiber wie Eon oder RWE mehr Strom ins Netz einspeisen. Bläst er zu kräftig, klinken die Unternehmen die Anlagen einfach aus dem Stromnetz aus, weil die Leitungen das "Zuviel" an Energie nicht transportieren können, und speichern lässt sie sich auch nicht. Olaf Coermann, Windmüller aus dem schleswig-holsteinischen Voll- stedt, sagt: "Auf diese Art verlieren wir mittlerweile sieben bis zehn Prozent der Energie." Sein zuständiger Netzbetreiber Eon hätte das Netz ausbauen müssen, findet Coermann und will gegen den Riesen klagen.

Doch trotz dieses Hickhacks sind die Produktionsanlagen der Hersteller von Windkraftanlagen wie Enercon und Nordex für die kommenden zwei Jahre ausgelastet. Und auch die alten Kraftwerksbetreiber haben erkannt, dass sich über kurz oder lang mit dem Ökostrom aus dem Wind echtes Geld verdienen lässt. Eon betreibt über die Tochterfirma Eon edis selbst mehr als 2000 Windanlagen in Ostdeutschland und ist dort bereits die Nummer eins. Tatsächlich produzieren die Windräder - anders als etwa Solaranlagen - heute zuweilen schon zu Kampfpreisen. An der Leipziger Strombörse EEX wird Strom manchmal zwischen fünf und neun Cent pro Kilowattstunde gehandelt. Diesen Preis konnte Energie aus Windrädern im vergangenen Jahr an einigen Tagen schon unterbieten. Und die deutsche Energieagentur Dena schätzt, dass auch die küstenfernen deutschen Windparks ihren Strom ähnlich, zu Preisen von 7,4 bis 8,1 Cent pro Kilowattstunde, produzieren können. RWE hat bereits vor der walisischen Küste einen Offshore-Windpark errichtet. Auf dem Meer bläst der Wind stärker und stetiger, und weniger Menschen stören sich am Anblick der rotierenden Räder.

Als Bundesumweltminister unter Gerhard Schröder führte Jürgen Trittin einen zähen Kampf für die Energie der Zukunft. Trittin brachte im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Weg, das der Kraft aus Sonne, Wind oder Biomasse den Weg auf den Strommarkt freikämpfen soll. Es verpflichtet die Energiekonzerne und damit deren Kunden, den Ökostrom über 20 Jahre mit (sinkenden) Zuschüssen zu sponsern, auf dass er sich dereinst selbst im Wettbewerb behaupten kann. Zweck des Gesetzes, in seiner aktuellen Version: dazu beizutragen, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen.

Trittin winkt ab: "Das schaffen wir bereits in zehn Jahren." Mission erfüllt. Der Grüne denkt weiter: Er will ein "Anreizprogramm", das auch die ökologisch korrekte Erzeugung von Wärme und Sprit fördert. "Bis 2020 kann jeweils ein Viertel der Energie für Strom, Wärme und Kraftstoffe regenerativ erzeugt werden." Weiter will Trittin nicht in die Zukunft blicken.

Auch einer wie Trittin hatte Vorkämpfer, und nicht immer kamen sie aus dem eigenen Lager. Einer von ihnen ist Klaus Töpfer. Er ist Mitglied der CDU und wurde 1987 Bundesumweltminister - ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Fünf Wochen nach dem nuklearen GAU in der Ukraine hatte die Regierung Kohl eilig das Umweltministerium gegründet, auch um der anschwellenden Ökobewegung etwas entgegenzusetzen. Doch Töpfer ließ sich nicht auf die Rolle des schwarz-grünen Feigenblattes reduzieren. Er nervte seine eigenen Leute mit einer ambitionierten Umweltpolitik, entdeckte die Nachhaltigkeit als Konzept und verlangte, der Staat solle mit seinen Instrumenten die Umkehr in der Energiepolitik befördern. Töpfer forderte so früh wie vergebens eine Energiesteuer, die helfen sollte, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. 1994 musste er seinen Ministerstuhl räumen - für eine zahmere Ostdeutsche namens Angela Merkel.

Der bürgerliche Töpfer

war von 1998 bis zum vergangenen März Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen und ist heute ein Star der weltweiten Bewegung für Ökologie und nachhaltiges Denken. Er sagt heute: "Es wird eine Energieversorgung auch ohne Öl geben."

Auch Ernst Ulrich von Weizsäcker hat die Energiepolitik zu seinem Thema gemacht. Der Physiker und Biologe, der 1991 das "Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie" gründete, schlägt dabei einen eigenen Kurs weg vom Öl ein - der Sozialdemokrat würde gern die "Effizienzrevolution" ausrufen: "Ich habe nichts gegen Windmühlen oder Biogas, aber deren Kapazitäten sind begrenzt gegenüber den Möglichkeiten, die uns die Effizienz bietet." Die Japaner machen es mit ihren so genannten Top-Runner-Programmen vor: Dabei benennt die Regierung zusammen mit der Industrie das jeweils energieeffizienteste Gerät einer Produktgruppe. Die anderen müssen nachziehen, denn nach einer gewissen Zeitspanne wird das Unternehmen abgemahnt, das den größten Energiefresser produziert.

Tatsächlich ist Sparen die Energiequelle Nummer eins. Das Wuppertal Institut hat ausgerechnet, dass mit der heute verfügbaren Technologie ein Viertel des Stroms sofort und weitere 30 Prozent bis 2020 eingespart werden können. Der Solarenergie-Fachverband meint sogar, bis 2050 könne der gesamte Energieverbrauch durch den Einsatz effizienter Techniken auf 45 Prozent des heutigen Stands sinken. Dann wäre auch das gesamte Energieproblem nur noch halb so groß.

Doch am meisten Energie wird beim Heizen verpulvert: Dabei, behaupten die Experten des Freiburger Fraunhofer Instituts, ISI, ließe sich durch richtiges Dämmen, effizientes Lüften und Heizen der Energiebedarf auf ein Zehntel senken.

Dass beim Heizen sogar 100 Prozent Verzicht auf herkömmliche Energiequellen möglich sind, will Harald Schelske mit seinem neuen Eigenheim beweisen. Er vertraut sich komplett der Sonne an. Ein Jahr lang hat der kaufmännische Angestellte eines Solarinstallationsbetriebs an seiner Idee gebrütet, ein Sonnenhaus zu bauen, das auf jegliche zusätzliche Heizung verzichtet. Kernstück des Hauses bei Freiburg im Breisgau ist ein 42 800 Liter fassender Wassertank, der gut acht Meter hoch ist und für Heizung und Warmwasser sorgt. Denn die Sonne erwärmt das zwischen Kollektoren und dem Tank zirkulierende Wasser auf bis zu 90 Grad. Ein Wärmetauscher gibt die Sonnenwärme dann an das Wasser im Speicher ab. Die Isolierung hält es lange warm. "Selbst ein kalter Wintertag ist kein Problem. Schwierig sind eher nasskalte, neblige Zeiten", sagt Schelske. "Trotzdem kann die Sonne im Winter zwei Monate nicht scheinen, ohne dass uns kalt wird."

Dumm nur, dass die restlichen 39 Millionen Häuser und Wohnungen in Deutschland noch nicht Schelskes Standard entsprechen - der Weg zu einem Leben ohne Erdöl ist noch lang und kompliziert. Das zeigt sich auch beim Thema Straßenverkehr. Zwar entwickelt die Autoindustrie Fahrzeuge mit Brennstoffzellen, aber der für ihren Betrieb notwendige Wasserstoff ist nur mit hohem Energieeinsatz zu produzieren und zudem, weil sehr explosiv, nur äußerst vorsichtig zu handhaben. Und eine flächendeckende Infrastruktur für den Stoff ist noch nicht einmal in Ansätzen vorhanden.

Doch immerhin hofft die Biokraftstoff-Branche, im Jahr 2020 bereits ein knappes Viertel des Verbrauchs vom heimischen Acker bestreiten zu können. Schon heute verkaufen 2000 Tankstellen Biodiesel, und auch die Zahl der Zapfsäulen für Biogas steigt beständig. Bioethanol, wie es etwa in Brasilien aus Zuckerrohr gewonnen wird, könnte herkömmliches Benzin ersetzen. Und gewaltig wäre das Potenzial, wenn Industrie und Autofahrer einsehen würden, dass die Hirne der Ingenieure besser sparsame Autos erdenken sollten statt Alltagsautos, die locker Tempo 200 machen. Diese Erkenntnis wird eine Frage des Spritpreises sein, und der, das ist mal sicher, wird steigen.

Die normative Kraft des Faktischen ist ohnehin der größte Antrieb weg vom Öl. "Bis vor 200 Jahren haben die Menschen weitgehend ohne Kohle und Öl gelebt, bald werden sie es wieder müssen", sagt Frank Asbeck lapidar. Er verdoppelt gerade seine Produktionskapazität in Freiberg. Dort fertigen seine Leute im Drei-Schicht-Betrieb 3000 Solarmodule am Tag - jeweils anderthalb Quadratmeter saubere Zukunft.

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