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Germanwings-Flugzeugabsturz: Gefundene Handys der Opfer sollen ausgewertet werden

Bei den Bergungsarbeiten sind zahlreiche Handys gefunden worden. Die Auswertung der Daten könnte sich allerdings schwierig gestalten. In Kürze sollen auch große Wrackteile abtransportiert werden.

Die Einsatzkräfte haben zahlreiche Handys gefunden

Die Einsatzkräfte haben zahlreiche Handys gefunden

Bei den Bergungsarbeiten an der Germanwings-Absturzstelle konzentrieren sich die Einsatzkräfte inzwischen auf die Habseligkeiten der Opfer. Andere Arbeiten seien weitgehend eingestellt. Die Unfallstelle werde weiter gesichert, teilte die Präfektur am Sonntag mit. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Marseille wurden zahlreiche Handys gefunden. Die Auswertung der Daten ist aber wegen des Zustands der Telefone nicht gesichert.

In der kommenden Woche soll damit begonnen werden, große Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren. Für schweres Bergungsgerät hatten die französischen Verantwortlichen eigens einen improvisierten Weg für Geländefahrzeuge zu dem sonst nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbaren Ort des Absturzes präparieren lassen. Die Lufthansa hat bereits eine Spezialfirma damit beauftragt, das Gelände nach dem Absturz zu reinigen. Auch diese Arbeiten sollen unter Aufsicht von Staatsanwaltschaft und französischen Behörden erfolgen.

Wasser wird überwacht

Laut Präfektur wird aus der Unglücksregion kommendes Wasser überwacht. Bisher gebe es keine Hinweise auf eine Belastung der Umwelt. Für den Fall von Regenfällen seien zur Sicherheit Filtersperren errichtet. Am Wochenende waren erneut Angehörige der Opfer in der Unglücksregion eingetroffen. Die meisten der 150 Getöteten stammten aus Deutschland und Spanien. Die Gedenkstätte in Le Vernet nahe dem Absturzort wurde von Trauernden besucht. Die Angehörigen wurden wie stets seit dem Absturz am 24. März von der Polizei abgeschirmt.

Die Lufthansa wehrt sich unterdessen bei ihrer Konzerntochter Germanwings gegen den Eindruck, Informationen zum Copiloten zurückgehalten zu haben. Auslöser war eine Stellungnahme des Luftfahrtbundesamts (LBA). Demnach hatten die Lufthansa-Flugmediziner die Aufsichtsbehörde nicht "über die abgeklungene schwere Depressionsphase" bei Andreas Lubitz informiert. Lubitz allerdings hatte im Jahr 2009 als Flugschüler die Lufthansa-Verkehrsfliegerschule davon in Kenntnis gesetzt.

Keine Kenntnis über Vorgeschichte des Copiloten

Die Lufthansa betonte am Sonntag, das Unternehmen komme seinen Informationspflichten gegenüber dem LBA nach. Am Montag verwies die Lufthansa zudem erneut auf die damalige Rechtslage, der man entsprochen habe. Der 27-jährige Lubitz wird verdächtigt, am 24. März den Kapitän des Fluges 4U9525 ausgesperrt und die Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.

Bis zum Absturz der Germanwings-Maschine wusste das Luftfahrtbundesamt nach eigener Darstellung nichts über die medizinische Vorgeschichte des Copiloten. Man habe bis zur Akteneinsicht beim Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa nach dem Absturz "keinerlei Informationen" über die medizinischen Hintergründe gehabt.

Über die Stellungnahme der Behörde hatte zuerst die "Welt am Sonntag" berichtet. Wie die Zeitung unter Berufung auf eine EU-Verordnung schrieb, müssen Flugmediziner in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA als Aufsichtsbehörde einschalten - allerdings gelte dies in Deutschland erst seit April 2013.

"Vorgehen entsprach der Rechtslage"

Lubitz hatte 2009 seine Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert, wie die Lufthansa vor einer Woche einräumte. Seit Inkrafttreten der neuen EU-Verordnung unterzog sich der Copilot nach Informationen der "Welt am Sonntag" noch zwei Tauglichkeitsprüfungen - im Sommer 2013 und im Jahr 2014.

Am Montag reagierte die Lufthansa mit dem Hinweis, dass seit der EU-Verordnung zwar tatsächlich "geänderte Informations- und Verweisungspflichten bei einigen medizinischen Sachverhalten an das Luftfahrtbundesamt" vorlägen. Allerdings gebe es "für bestimmte Tauglichkeitszeugnisse für Piloten und Zeugnisse flugmedizinischer Sachverständiger Bestandsschutz".

Wie das LBA erläuterte, wurde in Lubitz' Fall das Tauglichkeitszeugnis 2009 vom Flugmedizinischen Zentrum der Lufthansa in Frankfurt ausgestellt und dem LBA übermittelt. "Dieses Vorgehen entsprach der Rechtslage", erklärte das LBA. Bei der Katastrophe war Lubitz krankgeschrieben. Nach früheren Lufthansa-Angaben hatte er "ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1".

tob/DPA / DPA