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Deutsche Bahn: Lokführer-Streik hat Auswirkungen bis Mittwoch

Die Lokführergewerkschaft GDL macht ernst. Seit Dienstagabend läuft der Streik bei der Bahn. Die Auswirkungen dürften länger dauern als der Ausstand. Die Reisenden nahmen es aber zunächst gelassen.

Das war's dann: Bahn-Angestellte verlassen am Frankfurter Hauptbahnhof ihren Arbeitsplatz und der ICE steht still

Das war's dann: Bahn-Angestellte verlassen am Frankfurter Hauptbahnhof ihren Arbeitsplatz und der ICE steht still

Ungewöhnlich leere Bahnsteige, still stehende Züge: Bei der Bahn hat #link;http://www.stern.de/panorama/lokfuehrer-streik-ab-dienstagabend-droht-zugreisenden-chaos-2143499.html;am Dienstagabend ein neunstündiger bundesweiter Streik der Lokführer begonnen.# Betroffen waren zunächst vor allem die S-Bahnen und der Regionalverkehr in den Großräumen Berlin, Hamburg, München sowie im Rhein-Main-Gebiet und in Köln und Nürnberg, teilte die Deutsche Bahn in Berlin mit. Diverse Verbindungen fielen aus, auch einzelne Fernverkehrszüge fuhren nicht.

Der Ausstand der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) war bis Mittwochmorgen um 6.00 Uhr geplant. Die Bahn befürchtete, dass viele Fahrgäste in der Nacht stranden. Für Mittwoch rechnete sie noch mit "erheblichen Beeinträchtigungen" bis in die Mittagsstunden.

Um 21.00 Uhr hatte der Ausstand begonnen. Mancherorts wie etwa in Berlin fuhren aber schon eine halbe Stunde vor Streikbeginn keine Züge mehr. Am Münchner Hauptbahnhof sowie in Stuttgart waren die Bahnsteige teilweise fast gespenstisch leer. "Es ist das gewohnte Bild, die Leute haben sich darauf eingestellt", erklärte der Sprecher der Aktion Fahrgäste München, Andreas Nagel. "Deswegen gibt es kein Chaos." Auch die Bahn hatte die Fahrgäste schon Stunden vor dem Ausstand über Behinderungen und Beeinträchtigungen informiert.

Bahn informiert über alternative Strecken

Mit zusätzlichem Personal informierte die Deutsche Bahn gestrandete Fahrgäste über alternative Verkehrsverbindungen. "Die meisten Fahrgäste haben Verständnis", sagte ein DB-Mitarbeiter in Hamburg. "Der ganze Streik wurde frühzeitig angekündigt, also ist das kein Drama, rechtzeitig zum Ziel zu kommen", sagte ein Pendler auf dem Heimweg nach Kiel.

"Wir werden eine hohe Beeinträchtigung im Zugverkehr haben", hatte GDL-Chef Claus Weselsky kurz vor Streikbeginn angekündigt. In Frankfurt traf es etwa Heike Blust. Sie war gemeinsam mit einer Freundin in einem ICE auf dem Weg von Hamburg nach Karlsruhe. In Frankfurt sei ihr Zug dann aber schon gegen 20.00 Uhr nicht weitergefahren. "Sie haben uns aus dem Zug geschmissen", sagte Blust. Sie und ihre Freundin ließen sich schließlich mit dem Auto abholen, um nach Hause ins badische Achern zu kommen.

Zugausfälle und Verspätungen gab es auch in Hannover. Eine junge Frau zeigte aber Verständnis für den Streik. Ihr Vater sei Lokführer, sagt sie. "Ich weiß, wie selten ich meinen Vater in meinen 23 Jahren gesehen habe und wie wenig er verdient." Vielerorts versuchte die Bahn, zumindest stündlich S-Bahn-Linien zu bedienen. "Die Betonung liegt auf versuchen", sagte ein Bahn-Sprecher am Münchner Hauptbahnhof.

GDL: die Bahn blockiert

Weselsky warf der Bahn unmittelbar vor Beginn des Streiks vor, im Tarifkonflikt unannehmbare Vorbedingungen zu stellen. Auf dem Berliner Hauptbahnhof sagte er, die Gewerkschaft werde über weitere Streiks entscheiden, wenn die Bahn ihre Blockadehaltung nicht aufgebe. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Die GDL ist am Zug." Streiks seien "überflüssig, verantwortungslos und ohne jedes Gespür für die derzeitige Situation".

Außer den Lokführern waren auch Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten zu dem Streik aufgerufen. In der vergangenen Woche hatten 91 Prozent der bei der Bahn angestellten GDL-Mitglieder in einer Urabstimmung für einen Arbeitskampf votiert. In dem Tarifstreit fordert die GDL unter anderem fünf Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit.

tis/DPA / DPA