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Vergewaltigungsvorwurf gegen Strauss-Kahn: DSK räumt offenbar "einvernehmlichen Sex" ein

Einem Medienbericht zufolge geht Strauss-Kahns Anwalt nicht davon aus, dass das Zimmermädchen zu Sex gezwungen wurde.

In der Sex-Affäre um #link;http://www.stern.de/panorama/iwf-chef-dominique-strauss-kahn-mit-pomp-in-den-abgrund-1685556.html;Dominique Strauss-Kahn# zeichnet sich eine mögliche Verteidigungsstrategie des IWF-Chefs ab: Der wegen sexueller Belästigung und versuchter Vergewaltigung in den USA angeklagte 62-Jährige könnte vor Gericht argumentieren, dass er mit dem Zimmermädchen eines New Yorker Hotels "einvernehmlichen Sex" hatte.

Nach einem Bericht des Boulevardblatts "New York Post" geht der Anwalt des Franzosen nicht davon aus, dass das mutmaßliche Opfer zu einem sexuellen Kontakt gezwungen wurde. Zudem zitiert das Blatt eine ungenannte Quelle aus dem Umfeld seiner Anwälte mit den Worten: "Es ist durchaus möglich, dass sie einverstanden war". Die französische Zeitung "Le Figaro" hatte diese These ebenfalls als eine Option der Verteidigung erwähnt.

Nach und nach werden weitere Details der Affäre bekannt. So soll das 32 Jahre alte Zimmermädchen des New Yorker Hotels, in dem Strauss-Kahn abgestiegen war, aus Ghana oder Guinea stammen und alleinerziehende Mutter einer 16 Jahre alte Tochter sein. Sie sei mehr als 1,80 Meter groß und nicht sonderlich attraktiv, heißt es in verschiedenen Medienberichten.

Mit Spannung wird erwartet, ob und wann sich Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair äußern wird. Nach einem Bericht von "Le Monde" hatte Strauss-Kahn sie von der Fahrt zum Flughafen angerufen und von einem "schweren Problem" berichtet.

Auf die Gefängnisinsel Rikers Island verlegt

Am Montagabend (Ortszeit) war Strauss-Kahn in das Gefängnis Rikers Island gebracht worden. Die riesige New Yorker Haftanstalt liegt auf einer Insel im East River. Dort werde er zumindest bis zum nächsten Gerichtstermin am Freitag eine etwa dreieinhalb mal vier Meter große Einzelzelle bewohnen, sagte ein Sprecher der Gefängnisbehörde dem US-Sender CNN. Eine Richterin hatte am Montag eine Freilassung Strauss-Kahns auf Kaution abgelehnt.

Der 62-jährige Franzose soll am Samstag versucht haben, ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel zu vergewaltigen. Strauss-Kahn werde keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben, da er als berühmte Persönlichkeit gesehen werde, sagte der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte. Auf Rikers Island sind weitere rund 14.000 Männer und Frauen inhaftiert, die eines Gewaltverbrechens oder anderer in New York City begangener Straftaten beschuldigt werden oder bereits dafür verurteilt wurden.

Verteidigungsstrategien zur Auswahl

In Frankreich wird derweil über mögliche Verteidigungsstrategien für Strauss-Kahn diskutiert. Die Pariser Tageszeitung "Le Figaro" zitierte am Dienstag einen US-Anwalt, der das völlige Abstreiten eines sexuellen Annäherungsversuchs an ein Zimmermädchen für die am wenigsten wahrscheinliche Option hält.

"Er könnte dafür plädieren, dass sie sein Verhalten falsch interpretiert hat, dass er sie nur anmachen wollte und sie das falsch verstanden hat", sagte der New Yorker Strafrechtsexperte Evan Barr dem Blatt. Auch könne Strauss-Kahn behaupten, dass das Zimmermädchen ebenfalls interessiert gewesen sei.

Ist DSK ein Wiederholungstäter?

Unterdessen prüft die New Yorker Justiz, ob der IWF-Chef möglicherweise schon einmal eine Frau angegriffen hat. Es gebe entsprechende Hinweise, hieß es am Montag von der Staatsanwaltschaft. Der frühere Fall soll sich zwar außerhalb der USA abgespielt haben, aber - zumindest in groben Zügen - dem aktuellen Vorwurf gleichen. "Einige Informationen beinhalten Hinweise, dass er tatsächlich schon einmal ähnlich gehandelt hat wie in dem Fall, der ihm jetzt zur Last gelegt wird", sagte John McConnell von der Staatsanwaltschaft der "New York Times".

Die Verteidigung hatte eine Kautionsregelung für Strauss-Kahn erreichen wollen. Eine Freilassung seines Mandanten sei "sehr, sehr vertretbar", sagte Anwalt Benjamin Brafman. Der Franzose könne eine Million Dollar als Garantie stellen. Straus-Kahns Frau habe Vollmachten über eine entsprechende Summe.

Sechs Straftaten - es droht jahrzehntelange Haft

Dennoch lehnte Richterin Melissa Jackson eine Freilassung ab. Bei dem international vernetzten und vermögenden Franzosen bestehe Fluchtgefahr. Nun soll am Freitag zum ersten Mal eine Grand Jury zusammentreten, die letztlich über einen Prozess gegen den 62-Jährigen entscheiden wird. Strauss-Kahn, der als Nachfolger des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, werden sechs Straftaten zur Last gelegt. Allein für die schwerste Anschuldigung - sexuelle Belästigung ersten Grades - drohen ihm 25 Jahre Haft. Zudem werden ihm versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen. Das angebliche Opfer: Ein 32-jähriges Zimmermädchen eines New Yorker Hotels, in dem Strauss-Kahn abgestiegen war.

In der Anklageschrift hieß es: "Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen, und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers." Erste medizinische Ergebnisse hätten die Darstellung des Zimmermädchens, die schließlich geflohen sei, bestätigt. Der Franzose soll während des Angriffs in der 3000-Dollar-Suite völlig nackt gewesen sein.

Strauss-Kahns Verteidiger plädierten für ihren sichtlich übermüdeten Mandanten auf nicht schuldig. "Wir werden beweisen, dass er unschuldig ist", sagte einer der Anwälte vor dem Gerichtsgebäude nach der kurzen Anhörung. Strauss-Kahn habe auch nicht fliehen wollen, als die Ermittler ihn am Samstag aus der Ersten Klasse eines Air-France-Fliegers holten. Der Flug sei lange vorher gebucht worden.

ukl/swd/DPA/AFP / DPA