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"Emma": Die Schreckensbilanz des Sturms

Mindestens vierzehn Menschen starben durch Orkan "Emma", der über Europa tobte. Der Sturm riss Dächer von Häusern, entwurzelte Bäume, führte zu Fluten. Allein in Bayern gehen die Schäden des Sturms in die Millionenhöhe.

Die traurige Bilanz nach dem Orkan: Mindestens vierzehn Menschen starben, als "Emma" über Europa wütete - sechs Menschen kamen in Deutschland ums leben, vier in Österreich, zwei in Tschechien sowie in Polen.

Bei Wissen im Westerwald wurde ein 58 Jahre alter Mann in einem Auto von einer Fichte erschlagen. Bei Oberpfaffenhofen erfasste eine Böe einen Motorrollerfahrer und drückte ihn in den Gegenverkehr. In Sachsen kam eine 68-jährige Beifahrerin bei einem Autounfall in der Nähe von Freiberg ums Leben. In der Nähe von Bissingen in Baden-Württemberg starb ein 19-jähriger Autofahrer, als er trotz eines starken Graupelschauers auf eisglatter Fahrbahn überholte und mit einem Transporter zusammenstieß. In Sachsen-Anhalt wurde ein 48-Jähriger mit seinem Kleintransporter in die Mittelleitplanke geweht. In Deesen (Rheinland-Pfalz) stürzte ein Mann von einem Baum in den Tod. Er hatte den Baum mit Kordel und Draht sichern wollen, damit dieser nicht auf eine in der Nähe stehende Marienstatue kippt.

In Tirol starb nach Angaben der Nachrichtenagentur APA ein 77 Jahre alter deutscher Tourist, als ein Baum auf sein Auto krachte. Ebenfalls in Tirol kam auf einem Campingplatz ein 69-Jähriger aus dem Raum Friedrichshafen ums Leben. Eine Windböe hatte den Urlauber und seine Frau unter dem eigenen Wohnwagen begraben. Die Frau kam ins Krankenhaus. In St. Pölten starb eine Frau, als ein Baum ihr Cabrio zerschmetterte. Im Bundesland Salzburg wurde ein Urlauber in einem Taxi von einem herabstürzenden Felsbrocken erschlagen.

100.000 Menschen ohne Strom

In Tschechien forderte "Emma" zwei Menschenleben. Nach Angaben der Nachrichtenagentur CTK wurde ein Mann auf einem Friedhof von einem herabfallenden Metallstück getötet. Ein elfjähriges Mädchen wurde von einem umstürzenden Baum begraben. Vier südböhmische Landkreise riefen zeitweise den Notstand aus, berichtete Radio Prag. Am Sonntagmorgen waren in Ostböhmen noch etwa 100.000 Menschen ohne Strom.

Am Samstag hatte "Emma" Häuser abgedeckt, Bauzäune oder Schilder herausgerissen, Straßen unpassierbar gemacht, zu Stromausfällen, Behinderungen im Reiseverkehr und an der Nordsee zu Sturmfluten geführt. In Süddeutschland gab es am Samstag, dem meteorologischem Frühlingsanfang, heftige Hagelschauer, Schnee, Gewitter und Überschwemmungen.

Vielerorts erreichte "Emma" Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Kilometern pro Stunde. Den Rekordwert registrierte der Wetterdienst Meteomedia mit 222 km/h auf dem 1838 Meter hohen Wendelstein in den Bayerischen Alpen.

Glück, dass der Sturm auf einen Samstagmorgen fiel

Wir haben großes Glück gehabt, dass der Sturm auf einen Samstagmorgen fiel", sagte Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. An einem normalen Arbeitstag wären mehr Menschen unterwegs gewesen.

Auf der Strecke Berlin-Leipzig fuhr am Samstagabend eine Regionalbahn gegen einen umgestürzten Baum. Von den 150 Fahrgästen wurde niemand verletzt. In Heidelberg drohte der Neckar wegen der starken Regenfälle über die Ufer zu treten.

Nicht so großflächig wie Kyrill

Das Geschehen sei teilweise "dramatisch" gewesen, sagte Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. "Emma" sei aber "nicht so großflächig wie "Kyrill"". Der Orkan hatte im Januar 2007 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 202 Kilometern pro Stunde eine Schneise der Verwüstung durch Europa geschlagen. 47 Menschen starben, 11 davon in Deutschland.

Der DWD hob am Samstagabend die Unwetterwarnung für den Westen Deutschlands auf. Das Sturmfeld sei in den meisten Bundesländern schwächer geworden, hieß es. Nur vereinzelt wurden an Nord- und Ostsee sowie in Berglagen in der Nacht zum Sonntag noch Böen der Stärke 12 gemessen.

Die Münchener Rück kann die Höhe der von Sturm "Emma" verursachten Schäden noch nicht absehen. Die eingehenden Schadensmeldungen müssten noch gesichtet werden, sagte ein Sprecher des weltweit zweitgrößten Rückversicherers am Sonntag. Erste Schätzungen seien frühestens in zwei Tagen zu erwarten. Man erwarte Gebäudeschäden, Hausratsschäden, Autoschäden und im schlimmsten Fall auch Personenschäden. Ob "Emma" einen größeren Schaden als der im Januar 2007 wütende Sturm "Kyrill" hinterlassen habe, sei noch nicht abzusehen. "Kyrill" hatte nach Einschätzung von Versicherern einen Schaden von mehr als drei Milliarden Euro angerichtet.

DPA / DPA