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Unglück in Riesending-Höhle Ärzte versorgen verletzten Höhlenforscher


Inzwischen haben zwei Ärzte den verletzten Höhlenforscher in der Riesending-Schachthöhle erreicht. Der Mann scheint transportfähig zu sein - jedoch fehlen noch spezielle Medikamente.

In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser begonnen.

In der Nacht zum Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt, ein Italiener, bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte. Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden. "Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen", sagte der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die am Donnerstag bei dem Forscher eintreffen sollten.

Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten.

Der Mediziner aus Österreich, der den Verunglückten als erstes erreichte, war am Dienstag aufgebrochen und gut einen Tag über senkrechte Wände und enge Schächte unterwegs, ehe er den 52-Jährigen in 1000 Metern Tiefe erreichte. Ein Kollege vor ihm hatte aufgeben müssen. Westhauser, der seit vielen Jahren in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands forscht, hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und kann die Höhle deshalb nicht mehr aus eigener Kraft verlassen.

"Was nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen"

"Es ist so, dass so ein Patient seit mehr als drei Tagen auf der Intensivstation liegen würde", erklärte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer in Berchtesgaden. Westhauser habe aber wahrscheinlich das Schlimmste überstanden. "Die Schwelle der maximalen Gefährdung ist überschritten, aber er ist noch nicht über den Berg", sagte Petermeyer. "Was jetzt mehr oder minder schicksalhaft und nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen." Der höhlenerfahrene Mediziner ist angereist, um die Einsatzleitung zu verstärken und bei Bedarf selbst in die Höhle zu gehen.

Petermeyer berät die Retter und ist in Kontakt mit seinen beiden Kollegen unter der Erde, dem Arzt aus Österreich und dem aus Italien. Nachdem beide oder einer von ihnen den Patienten erreicht habe, könne die Therapie beginnen - und möglicherweise auch schnell mit der tatsächlichen Rettung begonnen werden. Man müsse abwägen zwischen einer zusätzlichen Gefährdung des Patienten und einem weiteren Abwarten in der Tiefe bei etwa vier Grad, wo es zudem keine intensivmedizinische Betreuung gebe. Westhausers Zustand ist stabil. Der Höhlenforscher soll ansprechbar sein und mit Hilfe stehen können.

Wetter könnte Probleme machen

Inzwischen haben andere Helfer die Route zum Unglücksort gesichert. Unter anderem wurden an schwierigen Stellen Metallstifte in die glitschigen Felswände gebohrt. Zusätzliche Seile sollen den Rettern den Weg erleichtern. Teils wurden Seile ausgetauscht, weil sie verschlissen waren.

Die Höhle sei extrem schwierig, sagte der Bergwachtler Schneider. "Für mich ist das die absolute Ausnahme, wenn da einer runterkommt." Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren.

Für den Aufstieg wäre es hilfreich, wenn Westhauser mithelfen könnte - etwa an Engstellen. Der Höhlenretter und Einsatzleiter Nils Bräunig sagte am Mittwoch, er sei zuversichtlich, den Verletzten mit einer Trage auch an engen Stellen vorbei zu bringen.

Sehr aufmerksam beobachten die Helfer den Wetterbericht. Unter anderem soll es Wärmegewitter geben. Starker Regen kann auch in Höhlen die Schluchten und Canyons gefährlich mit Wasser anschwellen lassen. Durch "geschickte Planung" sei hier inzwischen Vorsorge getroffen worden, sagte Schneider. "Wir haben die Leute aus dem wassergefährten Bereich abgezogen."

be/mad/DPA DPA

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