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Vogelgrippe in Türkei: Neun Personen in Klinik eingeliefert

Der Nachweis des gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 in der Türkei löst Angst vor einer Pandemie in Europa aus. In der Türkei sind neun Personen zu Blutuntersuchungen in eine Klinik gekommen.

Die für den Menschen lebensgefährliche Variante der Vogelgrippe hat die Grenzen Europas erreicht und Ängste vor einer weltweiten Epidemie geschürt.

Wegen des Verdachts auf eine Infektion mit der Vogelgrippe werden in der Türkei einer Agenturmeldung zufolge neun Menschen im Krankenhaus untersucht.

Weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe

Die Patienten seien zu Blut-Tests in der Klinik behalten worden, meldete die staatliche Agentur Anatolien am Freitag. Sie hätten in der west-türkischen Stadt Turgutlu Kontakt zu Tauben gehabt, die in den vergangenen 15 Tagen verendet seien. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Vogelgrippe handelt, ist sehr gering", sagte ein Vertreter der örtlichen Gesundheitsbehörde der Agentur. Das Krankenhaus in Turgutlu habe jedoch die nötige Sorgfalt walten lassen.

Einige der verendeten Tauben sollen in einem Veterinär-Institut der Großstadt Izmir untersucht werden. Turgutlu liegt rund 200 Kilometer südwestlich des Vogelschutzgebietes von Manyas, an dessen Rand in einer Putenzucht der gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 nachgewiesen worden war.

Am vergangenen Samstag waren auf einem Bauernhof an der türkischen Ägäisküste 2000 Vögel verendet, die sich Untersuchungen zufolge an dem auch für den Menschen gefährlichen Virusstamm H5N1 angesteckt hatten. Bislang war das Virus nur in Asien und in Sibirien festgestellt worden. In Brüssel berieten am Freitag Experten aus der Europäischen Union (EU) in einer Krisensitzung über Maßnahmen für einen Schutz der Gemeinschaft vor einem Einschleppen der Seuche.

Die bereits abgezogenen Spezialteams des Agrarministeriums waren am Donnerstag, als die Nachricht vom Nachweis des gefährlichen Virustyps H5N1 bekannt wurde, noch einmal zurückgekehrt, um auch die letzten, eventuell noch freilaufenden Hühner oder Gänse zu vernichten. Türkische Medien berichteten am Freitag, einige Bewohner hätten ihre Tiere noch schnell geschlachtet und für den Winter eingefroren. Den Besitzern der 8500 getöten Haustiere soll insgesamt eine staatliche Entschädigung von umgerechnet knapp 60.000 Euro gezahlt werden.

Der Virus-Stamm H5N1 sei in der Türkei bestätigt worden, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Vorsorglich ging EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou davon aus, dass auch der in Rumänien aufgetretene Vogelgrippe-Erreger für den Menschen gefährlich ist. Die Testergebnisse werden für Samstag erwartet. Kyprianou rief die EU-Staaten dazu auf, sich dringend auf das Virus vorzubereiten. Deutschland hat bereits angekündigt, die Kontrollen an Flughäfen und Autobahnen zu intensivieren.

Weitere Schutzmaßnahmen seien derzeit nicht erforderlich, sagte der amtierende Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin in Berlin. Rumänien bestellte vorsorglich 45.000 Dosen eines Medikaments gegen die Krankheit. Auch in Deutschland stieg die Nachfrage nach solchen Arzneimitteln.

"Dies ist ein sehr aggressiver Virus", betonte Kyprianou. "Wissenschaftler warnen uns vor einer Epidemie." Sie könnte nach Einschätzung von Experten weltweit Millionen Menschen töten. Der in der Türkei gefundene Virus-Stamm hat in Asien seit 2003 mehr als 60 Menschen getötet und zur Schlachtung mehrerer Millionen Vögel geführt. Normalerweise wird die Vogelgrippe nur auf Menschen übertragen, die das Fleisch der Tiere essen oder in engem Kontakt mit den infizierten Vögeln leben. Experten fürchten aber, dass sich der H5N1-Stamm so verändert, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) hat vor überzogenen Ängsten vor einem Übergreifen der Vogelgrippe auf Menschen gewarnt. "Wir stehen absolut nicht am Beginn einer Vogelgrippe-Pandemie für den Menschen", sagte der für Europa zuständige WHO-Experte Roberto Bertollini am Donnerstagabend in Rom. Auch der Nachweis des gefährlichen Vogelvirus-Typs H5N1 in Geflügel in der Türkei machen "keine Änderung der Strategie zur Bekämpfung notwendig", sagte Bertollini.

Auch das Robert-Koch-Institut warnte vor einer Dramatisierung der Vogelgrippe-Gefahr. "Wir müssen keine Angst haben", sagte Instituts-Präsident Reinhard Kurth am Donnerstagabend im ARD-Fernsehen. Zwar steige die Gefahr, dass das Virus H5N1 zu einem für den Menschen gefährlicheren Virus mutiere, je weiter es sich ausbreite. Aber derzeit handele es sich noch um eine Tierkrankheit. "Und deshalb sollten wir relativ gelassen bleiben, was natürlich überhaupt nichts mit Nachlässigkeit zu tun hat."

Falls sich das Virus so verändere, dass die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen werden könne, werde man für die erste Pandemiewelle keinen Impfstoff haben. Man müsse aber alles tun, um auf die zweite und dritte Welle vorbereitet zu sein. Kurth riet in diesem Zusammenhang auch dazu, vorbeugend weltweit zu einem Impfen von Geflügel überzugehen.

Bundesregierung stuft Risiko als gering ein

Das Risiko einer Ausbreitung des Virus' nach Deutschland durch Zugvögel stufte die Bundesregierung als gering ein. "Mehr Sorge machen uns illegale Transporte und unvorsichtig reisende Menschen", sagte Trittin. Daher rief er Reisende aus der Türkei und Rumänien zu Vorsicht auf. Wer aus diesen Ländern nach Deutschland zurückreise, dürfe keine Lebensmittel mitnehmen, keine Tiere oder keine Tierbestandteile wie Federn mitnehmen, sagte Trittin im ZDF-Morgenmagazin. Zugleich kündigte er ein Treffen mit den zuständigen Ministern der Bundesländer an. "Wir werden darüber entscheiden, ob in regionalen Schwerpunkten das Geflügel von draußen in Ställe geholt wird", sagte Trittin.

Der Virenexperte des niederländischen Erasmus-Zentrums, Albert Osterhaus, warnte vor einer weiteren Ausbreitung des Virus. "Wenn dies durch Zugvögel eingeschleppt wurde, dann könnte es auch Westeuropa treffen", sagte er.

EU schließt Grenzen für Geflügelprodukte

Die EU hat ihre Grenzen bereits für Geflügelprodukte und lebende Vögel aus der Türkei geschlossen. Der Beitrittsaspirant erklärte, er habe alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Grippe-Epidemie getroffen. Die Türkei hat rund um den betroffenen Bauernhof im Nordwesten des Landes ein Gebiet von drei Kilometern abgeriegelt. Alle anderen dort getöteten Vögel seien gesund. "Gut gekocht kann ihr Fleisch gegessen werden", sagte ein Vertreter des Agrarministeriums. Auf dem Hof waren 2000 Truthähne an Vogelgrippe verendet.

Die Vogelgrippe wurde zudem bei Hühnern und Enten in einem Bauernhof im rumänischen Donaudelta entdeckt. Dort sammeln sich viele Zugvögel aus dem Norden auf ihrem Weg in ihr Winterdomizil Nordafrika. Die EU-Kommission verhängte ebenfalls Einfuhrverbote gegen Rumänien. Ob es sich dort ebenfalls um den H5N1-Stamm handelt, sollten Tests eines britischen Labors klären. Die Schweiz schloss sich den EU-Importstopps gegen Rumänien und die Türkei an. Die Kontrollen an den Flughäfen sollten entsprechend verstärkt werden, teilten die Behörden mit. Ungarn, das einzige EU-Grenzland zu Rumänien, will zudem auch Geflügeltransporter aus Drittstaaten, die Rumänien geschlossen passiert haben, ab sofort nur nach Desinfektionen ins Land lassen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters