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Trotz IGH-Verbot: Japan will ab 2015 weiter Wale in der Antarktis fangen

Walfang aus kommerziellen Gründen ist verboten, aus wissenschaftlichen aber erlaubt. Dieses Schlupfloch will die japanische Regierung nutzen, um das Verbot des UN-Gerichts zu umgehen.

Der Fang von Walen ist nur zu bestimmten Zwecken erlaubt18.04.2014

Der Fang von Walen ist nur zu bestimmten Zwecken erlaubt18.04.2014

Japan will das vom Internationalen Gerichtshof (IGH) verhängte Walfangverbot für die Antarktis durch eine stärkere wissenschaftliche Ausrichtung umgehen. Das in Den Haag sitzende Gericht der Vereinten Nationen hatte Japan den Walfang in der Antarktis verboten, weil dieser kommerziellen Zwecken diene. Dieser war bereits 1986 verboten worden. Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken ist jedoch erlaubt.

"Wir werden gemeinsam mit den betroffenen Ministerien ausführliche Studien vornehmen, um der Internationalen Walfangkommission (IWC) bis Herbst ein neues Forschungsprogramm vorzulegen", sagte der japanische Fischereiminister Yoshimasa Hayashi. Dabei sollten die im IGH-Urteil genannten Kriterien berücksichtigt werden.

Japan setzte schon nach dem Verbot 1986 über ein juristisches Schlupfloch die Jagd auf Wale fort: Das Land berief sich auf die wissenschaftliche Erforschung des kommerziellen Walfangs. Tokio hat nie verschwiegen, dass das Fleisch dabei getöteter Wale dann in Japan verzehrt wird.

Umweltschützer jubelten

Im März hatte der IGH einer Klage Australiens Recht gegeben und geurteilt, bei dem Antarktis-Programm hätten "eher finanzielle Überlegungen als rein wissenschaftliche Kriterien" eine Rolle gespielt. Umweltschützer begrüßten das Urteil des höchsten UN-Gerichts, das andere Regionen allerdings aussparte. Japan kündigte an, die Entscheidung zu respektieren. Nun droht eine neue Konfrontation zwischen Walfanggegnern und der Regierung in Tokio.

"Das Urteil hat bestätigt, dass das (Walfang-Moratorium der IWC) teilweise die nachhaltige Nutzung der Walbestände zum Ziel hat", sagte Fischereiminister Hayashi. Japan werde seine "grundsätzliche Politik des Walfangs zu Forschungszwecken auf der Grundlage des internationalen Rechts und der Wissenschaft beibehalten". Es werde wissenschaftliche Daten für die Regulierung der Walbestände sammeln und auf eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs hinarbeiten. Der Minister bestätigte aber, dass der Walfang in der Antarktis in der Saison 2014/2015 ausgesetzt wird.

Im Pazifik wird weitergefischt

Das IGH-Urteil im März betraf nur die Antarktis, nicht aber den Walfang im Nordwestpazifik und in japanischen Küstengewässern. Hayashi sagte, im Nordwestpazifik solle der Walfang beibehalten werden, allerdings mit einer reduzierten Fangquote.

Dem Ministerium zufolge soll die Zahl der getöteten Zwergwale in Küstengewässern von 120 im vergangenen Jahr auf hundert gesenkt werden, die Gesamtzahl der übrigen Wale soll von 160 auf 110 reduziert werden. Im tiefen Ozean sollen gar keine Zwergwale mehr getötet werden. Ein zentrales Argument der IGH-Richter war, dass die Zahl der von Japan getöteten Wale viel zu hoch sei, um wissenschaftlich gerechtfertigt zu sein.

Neben Japan bekennen sich auch Norwegen und Island zur Jagd auf die Meeressäuger. Anders als Japan betreiben sie ungeachtet des Moratoriums offen kommerziellen Walfang.

sas/AFP / AFP