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Andreas Petzold: #DasMemo: Donald Trump und Fox News: Wie die Moderatoren den Präsidenten steuern

Wenn Nachrichten, dann Fox News. Die Mediennutzung von US-Präsident Donald Trump wirkt immer eigenartiger. Inzwischen scheinen TV-Moderatoren dessen wichtigste Berater zu sein, meint stern-Herausgeber Andreas Petzold.

Donald Trump bei Fox News

Donald Trumps liebstes Programm: Fox News (Archivbild)

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Knapp 51 Millionen Follower hat auf Twitter bislang eingesammelt. Auch wenn etliche Bots darunter sind, ist das beachtlich. Und seine Twitter-Attacken lesen sich ja auch durchaus unterhaltsam bis irre, wenn der Stier morgens erwacht und um sich herum nur rote Tücher sieht. Er selbst dagegen folgt lediglich 46 Twitter-Usern. Darunter natürlich dem Trump-Clan, seiner nepotistische Familien-Reserve, ein paar Beratern und Kabinettsmitgliedern - und am wichtigsten: seinen Lieblingsjournalisten des TV-Senders Fox News.

Die gesamte erste Garde der -Moderatoren wie beispielweise Sean Hannity, Tucker Carlson oder Laura Ingraham, bedient zuverlässig die Selbstgefälligkeit des amerikanischen Präsidenten. Hier holt er sich gleich nach dem Aufstehen die Lobeshymnen ab, die ihm die verhassten "Fake-News"-Journalisten der "Washington Post", der "New York Times", von CNN oder ABC versagen. Dass die "Post" und die "Times" diese Woche mit Pulitzer-Preisen gesegnet wurden, gilt im Trump-Lager nur als weiterer Beleg dafür, dass das Kartell der Elite ihrem Superstar an den Kragen will.

Die Fox-Heroen, bei denen , Inhaber des Senders und enger Freund des Casinobesitzers Donald Trump, gewissenhaft auf ultrakonservative Ausrichtung achtet, sind für Trump inzwischen sehr viel mehr als nur das schmeichelnde Echo für sein Ego. Nachdem Trump alle Berater und Minister rausgeworfen hat, die ihm nicht zu Füßen lagen, haben die Fox-Moderatoren die Steuerung des Präsidenten übernommen. Auf deren Lob und Kritik reagiert Trump wie ein Pawlowscher Hund.

Donald Trump am besten übers Fernsehen erreichbar

Das ließ sich über Ostern schön beobachten: Insider hatten der Presse erzählt, dass und andere am Ostersonntag mit Trump in Mar-a-Lago, der Golf-Residenz des Präsidenten in Florida, beim Dinner zusammen gesessen haben. Die Fox-Fraktion kritisierte, dass Trump bei seinen zentralen Wahlversprechen - der Mauer zu Mexiko und dem Stopp der illegalen Einwanderung - ziemlich hinterher hinken würde. Hauptproblem: Der bis September laufende US-Haushalt, den Trump unterzeichnet hatte, sieht keinen Etat für die versprochen Mexiko-Mauer vor. Deshalb müsse er mehr für seine Basis tun, um deren Rückhalt nicht zu verlieren.

Am nächsten Morgen beklagte der Präsident via umgehend die schrecklichen Zustände an der Grenze und verkündete kurz darauf, "das Militär" einsetzen zu wollen. Nebensächlich, dass es sich nicht um reguläres Militär sondern um die Nationalgarde handelte. Dann unterzeichnete er vor Kameras mit der üblichen Schaumschlägerei ein Dekret. Darin bittet (!) er die Gouverneure der vier betreffenden Bundestaaten, die Nationalgarde in Marsch zu setzen. Dass es dafür keinen aktuellen Anlass gab? Geschenkt. Dass die Garde gar keine polizeilichen Aufgaben übernehmen darf, wie beispielsweise Festnahmen oder Abschiebungen? Nebensächlich. Deshalb fiel der zuständigen Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen auf die Frage, warum dem Präsident ausgerechnet jetzt und so plötzlich die Nationalgarde in den Sinn käme, auch nicht viel mehr ein als dies: "Heute ist der Tag. Heute ist der Tag, an dem wir den Prozess starten." Hauptsache, der Commander in Chief befriedet seine Wähler, auch wenn er nur Pappkameraden aufstellt.

Neben Fox stützt sich Trump auf das in Deutschland weniger bekannte Medien-Netzwerk Sinclair. Es betreibt landesweit die meisten lokalen TV-Sender und deckt 46 Prozent der US-Haushalte ab, berichtet stramm konservativ und wird gerne von Trump via Twitter belobigt: "Viel besser als CNN."

Als hätte Fox News einen Schreibtisch im Oval Office

Noch im Wahlkampf 2016 hatten Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Sinclair-Manager John Solomon verabredet, dass dem Sender exklusive Zugänge zum Kandidaten ermöglicht werden. Im Gegenzug sollten die Fernsehstationen Interviews mit Trump unkommentiert und ohne Überprüfung der Inhalte ausstrahlen. Kushner hat den Deal bestätigt. Es war nichts anderes als ein Freibrief, die Wähler mit Halb- und Unwahrheiten manipulieren zu können.

Die verlässlichste Trump-Bastion bleibt jedoch Fox News. Je mehr der Präsident durch die Russland-Nachforschungen des Sonderermittlers Robert Mueller in juristische Strudel gerät, desto intensiver berät er sich beispielsweise mit der früheren Staatsanwältin und Richterin Jeanine Pirro. Sie moderiert auf Fox die Samstag-Abend-Show "Gerechtigkeit mit Richterin Pirro". Er ruft auch schon mal mitten in ihrer Live-Sendung an und klagt darüber, wie ungerecht die Ermittlungen in der Russland-Affäre seien. Und Pirro revanchiert sich mit peinlichsten Unterwerfungsgesten: "Dieser Mann ist der am härtesten arbeitende Mann, der jemals im Weißen Haus war. Er schläft nicht und arbeitet Tag und Nacht." Dass der Milliardär es seit Amtsübernahme schon auf weit über hundert Golfrunden gebracht hat, bleibt selbstverständlich unerwähnt.

Trumps absoluter Liebling im ultrakonservativen Moderatoren-Lager bleibt jedoch Fox-Star Sean Hannity. Er wird zu jeder Tages- und Nachtzeit sofort ins Oval Office durchgestellt. Die "Washington Post" berichtete gerade, dass Trump seinen Protegé mit Tipps für die Sendung versorgt, im Gegenzug gibt es Rat, wie der Präsident mit der für ihn gefährlich werdenden Russland-Untersuchung umgehen soll, oder mit Syrien, Nordkorea und Personalentscheidungen im Weißen Haus. Die beiden besprechen mitunter sogar, was Trump twittern könnte, schreibt die "Post".

Moderatoren als Souffleure und Trostspender

Am Montag dieser Woche kam auch noch heraus, dass Trumps privater Anwalt Michael Cohen ebenfalls für Hannity arbeitet. Cohen, der seit Jahren den Schmutz hinter Trump beseitigt, steht im Visier des FBI. Es soll um Betrug und illegale Parteispenden gehen. Sein Büro und sein Hotelzimmer, in dem er in New York lebt, wurden durchsucht, zehn Kisten mit Akten inklusive seiner privaten Kommunikation mit dem Präsidenten beschlagnahmt.

Es ist, als ob Trump jeden Morgen Kindergeburtstag feiert und "Richtig oder Falsch?" spielt. Die Antwort kommt von Fox News. Gehen dort die Daumen hoch, was meistens der Fall ist, verbucht es der Präsident als ultimative Rechtfertigung für seine Entscheidungen. Wenn ultrakonservative Show-Gäste oder Moderatoren aufheulen, weil Trump Syrien angreift und die 2000 US-Soldaten doch nicht so schnell abziehen will, knickt der Präsident zackig ein und verkündet, dass die Truppen selbstverständlich sehr schnell nach Hause kommen würden. Wichtig ist allein, dass die Symbiose zwischen Präsident, Fox News und Trump-Wählern gepflegt wird.

Einige frustrierte Trump-Berater, die mit ihren Gedanken nicht mehr beim Chef durchdringen, nehmen neuerdings den Umweg über Fox News. Sie platzieren in Talkshows Gäste, die abgesprochene Botschaften auf den Schirm bringen. Ist zur Zeit der sicherste Weg, Trumps Gehirn zu erreichen. "Er hört besser zu, wenn es im Fernsehen gesendet wird", verriet ein hoher Beamter im Weißen Haus dem "Post"-Reporter Josh Dawsey.

Die von Trump verbreitete Mär, er sei selbst sein wichtigster Gesprächspartner, stimmt also mitnichten. Vor allem Sean Hannity dient als sein Souffleur und loyaler Trostspender. Es ist, als hätte der Fox-Mann einen Schreibtisch direkt im Oval Office. Dessen private Nähe zum Präsidenten scheint jedoch bei Fox niemanden zu irritieren. Was nicht verwundert, denn in Rupert Murdochs Reich geht es nicht um journalistische Unabhängigkeit sondern darum, dem Präsidenten die Steigbügel zu halten.

Der Hashtag #DrainTheSwamp - den Sumpf in Washington austrocknen - war eines der wichtigsten Wahlversprechen von Donald Trump. Aber er hat den Sumpf nur durch seinen eigenen ersetzt. Wie absurd sich das Beziehungsgeflecht rund um Trump entwickelt wird deutlicher, wenn man die Vorgänge nach Deutschland versetzt: Also - die Bundeskanzlerin würde sich vorwiegend vom Star-Moderator eines privaten TV-Senders politisch beraten lassen, beide beschäftigen denselben Anwalt, dessen Büro auf Anordnung des Generalbundesanwalts durchsucht worden wäre, um schwere Straftaten aufzuklären. Noch Fragen?

stern-Herausgeber Andreas Petzold zur Trump-Affäre: Saustall "Weißes Haus", was ist los beim US-Präsidenten?