VG-Wort Pixel

TV-Interview von Alexis Tsipras "Dieses Europa gehört nicht Herrn Schäuble"

Alexis Tsipras sitzt an seinem Schreibtisch zwei Journalisten des Senders ERT gegenüber
Alexis Tsipras warb im Interview im Staatsfernsehen für ein Ja des Parlaments zu den von den Gläubigern verlangten Reformen
© AFP
Mit Mahnungen an das eigene linke Lager hat Griechenlands Ministerpräsident  für ein Ja des Parlaments zu den Reformen geworben, die die Gläubiger verlangen. Wir haben die zentralen Aussagen aus dem TV-Interview mit Alexis Tsipras. zusammengefasst.

Im Interview mit dem Staatsfernsehen hat der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras für ein Ja des Parlaments zu den von den Gläubigern verlangten Reformen geworben und das eigene linke Lager eindringlich adressiert. Es gebe einige, die sich über einen Sturz seiner Regierung freuen würden, äußerte Tsipras im Interview des Senders ERT1. Das waren seine zentralen Aussagen.

"Sie werden uns nicht aus der Euro-Zone hinauswerfen." Schließlich hätte ein Ausschluss Griechenlands "immense Kosten" zur Folge, so Tsipras.

"Ist es möglich, dass sie unsere Banken ersticken, man eine Verlängerung verweigert und dann erwartet, dass wir morgen an den IWF zurückzahlen?" Diese Frage Tsipras' ist eindeutig rhetorisch. Ziel der Volksabstimmung sei die Fortsetzung der Verhandlungen, fügt er seiner Äußerung hinzu.

"Wenn das griechische Volk in alle Ewigkeit mit Sparplänen weitermachen will, die uns hindern, den Kopf zu erheben, so werden wir das respektieren. Aber wir werden nicht diejenigen sein, die die Pläne umsetzen", sagte Tsipras.

"Jeder muss jetzt seine Verantwortung übernehmen." 

"Nach dem Ende dieses Verfahrens (gemeint ist die der Billigung durch das Parlament, Anmerkung der Redaktion) werde ich sehen, wie es weitergeht. [...] Ich werde niemandem mit dem Messer am Hals drohen", sagte Tsipras über vorgezogene Wahlen. 

"Verantwortung für einen Text, an den ich nicht glaube"

"Vorrang hat für mich in dieser Stunde die Billigung des Sparprogramms, damit wir das Hilfsprogramm sichern können", äußerte Tsipras und sagte, in Zeiten der Krise sei kein Raum für "ideologische Reinheit". Er schließe nicht aus, dass auch die Opposition dem Programm zustimme."Dieses Europa gehört nicht Herrn Schäuble." Das ist Tsipras' Fazit nach seiner Kritik am deutschen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der einen Plan für das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro gehabt habe. Dies sei ihm aber "nicht gelungen".

"Vor einer Woche war ich im EU-Parlament und habe begriffen, wie tief der Riss in Europa ist, was die eigene Zukunft angeht, nicht nur die von Griechenland", sagte Tsipras. Er habe erkannt, dass die Situation von Griechenland Auswirkungen auf ganz Europa haben wird - und dass das Gebäude Europa auseinanderbrechen könnte.

"Ich übernehme die Verantwortung für alle Fehler, die ich möglicherweise gemacht habe", beteuerte Tsipras im Interview und weist abermals auf die harte Linie Deutschlands hin, der er sich beugen musste: "Ich übernehme die Verantwortung für einen Text, an den ich nicht glaube, aber den ich unterzeichnet habe, um ein Desaster für das Land zu vermeiden, den Kollaps der Banken." 

jen

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker