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Amman-Anschläge: "Wir kriegen diese Kriminellen"

Jordaniens König Abdullah hat nach den Anschlägen in Amman angekündigt, die Drahtzieher ausfindig zu machen. "Wir werden diese Kriminellen und die, die dahinter stecken, verfolgen und wir werden sie kriegen, wo immer sie auch sind."

Der UN-Sicherheitsrat forderte eine schnelle Überantwortung der Hintermänner der Bombenanschläge an die Gerichte und rief die Regierungen weltweit zur Zusammenarbeit mit den jordanischen Behörden auf. Generalsekretär Kofi Annan wird heute zu einem Treffen mit König Abdullah nach Amman fliegen.

Zu dem Anschlag haben sich Moslem-Extremisten der Al-Kaida bekannt. In einer der Gruppe zugeschriebenen Erklärung im Internet hieß es, die drei Hotels würden von amerikanischen und israelischen Spionen genutzt. In einer gemeinsamen Stellungnahme der 15 Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (UN) hieß es, jede Form des Terrors sei kriminell und durch nichts zu rechtfertigen.

In Washington verurteilte auch US-Präsident Bush die Taten und forderte die Verbündeten der USA zur Fortsetzung des Kampfes gegen der Terror aus. Bush sagte: "Die Welt hat mit Entsetzen die Angriffe von Mördern, die eine große Religion schänden, auf unschuldige Menschen in Jordanien erlebt."

Zehntausende demonstrieren gegen Terror

Nach den blutigen Bombenanschlägen haben am Donnerstag Zehntausende Jordanier gegen den Terror und für König Abdullah II. demonstriert. Nach Berichten des britischen Fernsehsenders BBC riefen die Demonstranten in Amman: "Verbrenne in der Hölle, Abu Mussab al-Sarkawi!" Sarkawis al-Kaida-Organisation im Irak hatte sich zu den Selbstmordanschlägen bekannt, bei denen am Mittwochabend mindestens 56 Menschen getötet wurden. 33 Opfer waren nach offiziellen Angaben Jordanier, darunter Gäste einer Hochzeitsgesellschaft. Auch vier deutsche Urlauber wurden leicht verletzt.

Trauernde Jordanier entzündeten am Abend in Amman Kerzen im Gedenken an die Opfer. Die Regierung hatte den Donnerstag zum nationalen Trauertag erklärt. König Abdullah sagte in einer Fernsehansprache: "Wir werden sie (die Täter) jagen, sie aus ihren Löchern holen und sie vor Gericht stellen." Mit ernster Stimme fügte der König hinzu: "Wir werden uns nicht erpressen lassen und wir haben keine Angst." Abdullah, der enge Beziehungen zum Westen und zum Nachbarland Israel unterhält, ist ein wichtiger Verbündeter der USA.

Terroristen müssen besiegt werden

Der Anschlag war am Donnerstag weltweit verurteilt worden, so vom Weltsicherheitsrat, von Papst Benedikt XVI. sowie zahlreichen Ländern, darunter Deutschland. US-Präsident George W. Bush trug sich in der jordanischen Botschaft in Washington in ein Kondolenzbuch ein.

Anschließend sprach Bush dem jordanischen Volk und den trauernden Familien erneut sein Beileid aus und verurteilte die Anschläge als abscheuliche Tat herzloser Mörder. Die Anschläge hätten erneut gezeigt: "Diese Terroristen müssen besiegt werden."

Anschlag gilt dem "Tyrannen von Jordanien"

Die Terrororganisation al Kaida im Irak erklärte am Donnerstag im Internet, sie habe die Anschläge verübt. Jordanien sei "ein Hinterhof für die Feinde der Religion" und zu einem Zentrum des Verrats und der Prostitution geworden. Jetzt werde auch das "Hinterland der Kreuzritter-Armee" angegriffen, hieß es in der Erklärung mit Bezug auf die Präsenz der US-Truppen im Irak.

Nur wenige Stunden nach dem Dreifach-Anschlag zeigt die jordanische Führung schon mit dem Finger über die Grenze in den Irak, wo ihr Landsmann Abu Mussab al Sarkawi Angst und Schrecken verbreitet. Und tatsächlich taucht kurz darauf ein Bekennerschreiben der Gruppe zu der Bombenserie in Amman auf.

Der Anführer von al Kaida im Irak, kommt selbst aus Jordanien. Ein jordanisches Militärgericht hat al Sarkawi in Abwesenheit zum Tode verurteilt In dem Prozess wurde er für schuldig erklärt, den US-Diplomaten Laurence Foley im Oktober 2002 in Amman ermordet zu haben. Dieser hatte in Jordanien schon mehrer Haftstrafen für seine terroristischen Aktivitäten verbüßt.

Damit hat al Sarkawi auch noch eine Rechnung mit der jordanischen Monarchie offen. Doch ist es wirklich denkbar, dass al Sarkawis Arm auch bis auf die ägyptische Sinai-Halbinsel reicht, wo Selbstmordattentäter im vergangenen Juli nach dem gleichen Muster ein Touristenzentrum angegriffen hatten? Das Bekennerschreiben im Internet nimmt zwei Mal Bezug auf den "Tyrannen von Jordanien" und meint damit König Abdullah II.

Zeichen der Solidarität

UN-Generalsekretär Kofi Annan, der einen für Donnerstag geplanten Besuch in Amman wegen der Anschläge verschoben hatte, will die Visite an diesem Freitag nachholen. Das berichtete die jordanische Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf Regierungsangaben. Als ein Zeichen der Solidarität mit Jordanien kündigten mehrere jordanische und arabische Unternehmer eine Pressekonferenz für Freitag im Hotel Radisson SAS an, das Ziel eines der Anschläge war.

DPA/Reuters / DPA / Reuters