HOME

Amnesty International: Hinrichtungen sind in den USA auf Tiefstand - aus einem praktischem Grund

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zählt einen Anstieg der Todesurteile weltweit. Die Hinrichtungen sind zwar besonders in der USA deutlich zurück gegangen, doch dafür gibt es eine simple Erklärung. 

Die Todeszelle des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in Texas. Amnesty International zählte die Todesurteile weltweit.

Blick in die "Todeskammer" des Staatsgefängnisses von Huntsville in Texas. Amnesty International zählt deutlich weniger Hinrichtungen in den USA.

Im Jahresbericht von Amnesty International wurden für 2016 ein Drittel weniger Hinrichtungen als im Vorjahr verzeichnet. Aber die Zahl trügt, denn bei den Todesurteilen zählt die Menschenrechtsorganisation eine drastische Zunahme. 

2031 Exekutionen wurden im letzten Jahr in 19 verschiedenen Ländern durchgeführt. Die Zahl der Todesurteile stieg gleichzeitig um mehr als die Hälfte auf 3117 in 55 Ländern. Nicht erfasst wurden die Hinrichtungen in China, die Amnesty auf mehrere tausend schätzt - mehr als in allen anderen Ländern der Welt zusammen. Die chinesische Führung behandelt die Todesstrafe wie auch Nordkorea, Südsudan und Vietnam als Staatsgeheimnis.

Im Iran finden die meisten Hinrichtungen statt

87 Prozent der gezählten Exekutionen fanden im Iran (567), in Saudi-Arabien (154), im Irak (88) und in Pakistan (87) statt.

Zum ersten Mal seit 2006 sind die USA nicht unter den fünf Staaten mit den meisten Hinrichtungen. Die Zahl der Exekutionen in den Vereinigten Staaten sank um 29 Prozent auf 20 und damit auf den niedrigsten Stand seit 1991.

Amnesty führt die Entwicklung auf Probleme bei der Beschaffung von Chemikalien für Hinrichtungen durch die Giftspritze zurück. "Die Behörden finden keinen Hersteller mehr, der ihnen das Gift liefert", sagt Amnesty-Experte Alexander Bojcevic. In Arkansas sollen wegen der Knappheit der Todesmittel ab Ostermontag sieben Verurteilte innerhalb von elf Tagen hingerichtet werden. Die Haltbarkeit der verbleibenden Giftvorräte läuft am 1. Mai ab.

Allerdings ist auch die Zahl der Todesurteile in den USA drastisch gesunken. 2016 waren es nur noch 30 in 13 Bundesstaaten - so wenige wie seit 1977 nicht mehr. Mitte der 1990er Jahre waren es noch mehr als 300.

Amnesty International sieht Anstieg in Afrika

Der Anstieg bei den Todesurteilen weltweit ist auf einzelne afrikanische Länder zurückzuführen. In Nigeria verdreifachte sich die Zahl der Urteile, aber auch in Kamerun, Sambia und Somalia registrierte Amnesty einen Anstieg.

Mit dem Südsee-Staat Nauru und dem afrikanischen Benin schafften 2016 zwei weitere Länder die Todesstrafe ab. Damit stieg die Zahl der Länder ohne Todesstrafe auf 141 - also mehr als zwei Drittel aller Länder. Die Philippinen und die Malediven unternahmen Schritte zur Wiedereinführung beziehungsweise Wiederanwendung der Todesstrafe.

Zu den Hinrichtungsmethoden zählen neben der Giftspritze (China, USA, Vietnam), das Enthaupten (Saudi-Arabien), Erhängen (u.a. Afghanistan, Ägypten, Iran, Japan, Singapur) und Erschießen (u.a. Weißrussland, China Saudi-Arabien, Taiwan).

Berührende Amnesty-Kampagne: So nah sind sich Europäer und Flüchtlinge nach 4 Minuten Augenkontakt


sve / DPA