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Syrischer Botschafter: "Sie ist schön" Angelina Jolie im UN-Sicherheitsrat beleidigt


Hollywood-Star Angelina Jolie hat vor dem UN-Sicherheitsrat zum Schutz syrischer Flüchtlinge aufgerufen. Dem syrischen Botschafter fiel dazu nur ein Kommentar ein: "Sie ist schön."

In ihrer Rolle als Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) betritt Angelina Jolie seit 2001 immer wieder politisches Parkett. Lange Sitzungen und hitzige Debatten ist der Hollywood-Star vermutlich längst gewohnt – ob das auch für unpassende Kommentare gilt?

Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York sprach Jolie über die Lage im Bürgerkriegsland Syrien. Elf Mal habe sie bereits syrische Flüchtlinge vor Ort aufgesucht, sichtlich bewegt berichtete Jolie von ihren Eindrücken. Giftgas auf Menschen, Bomben auf Krankenhäuser, blockierte Hilfslieferungen seien in dem umkämpften Land an der Tagesordnung. Neben Jolie: Ausgerechnet der syrische Botschafter. Doch die Miene von Bashar Ja'afari blieb unbewegt – schließlich hatte der Politiker offenbar ohnehin bereits alles gesagt, was es aus seiner Sicht zu dem Thema zu sagen gibt.

Syrischer Botschafter lobt Jolies Schönheit

Was der syrische Botschafter von den Forderungen der Schauspielerin hielt, ob Jolies Schilderungen der Wahrheit entsprachen und welche Rolle das syrische Regime dabei spielt - all das wollte Ja'afari nicht sagen. Als er vor dem Treffen des UN-Sicherheitsrats auf den Besuch Angelinas Jolies angesprochen wurde, kommentierte er lieber das Aussehen der Schauspielerin: "Sie ist schön".

Auch die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats schien der dramatische Apell der Schauspielerin nur mäßig zu interessieren. Nur drei Staaten - Spanien, Malaysia und Jordanien - hatten ihre Außenminister zu dem Treffen geschickt. "Warum sind denn die anderen Außenminister heute nicht hier im Sicherheitsrat?", fragte Jolie gleich zu Beginn der Sitzung, doch die Frage verhallte unbeantwortet im Raum.

"Es fehlt der politische Wille"

Die berühmte UN-Sonderbotschafterin schien die demonstrative Nichtbeachtung nicht zu stören. Sie rief die Vertreter im Sicherheitrat dazu auf, die syrischen Flüchtlinge doch einfach selbst zu besuchen. Es müsse eine schnelle Lösung für ein Ende des Konflikts gefunden werden, die den Syrern "Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit" bringe. "Der Zweck der Uno ist, Konflikte zu verhindern und zu beenden. Wir sind gescheitert, dies in Syrien zu tun", sagte Jolie.

Auch an der europäischen Flüchtlingspolitik übte die Schauspielerin in ihrer Rede scharfe Kritik. "Es ist abscheulich zu sehen, wie Tausende Flüchtlinge vor der Haustür des reichsten Kontinents der Welt ertrinken", sagte Jolie. Trotz der "unausweichlichen moralischen Verpflichtung", den Flüchtlingen zu helfen, fehle der politische Wille. "Wir schauen nur zu."

11 Millionen Syrer auf der Flucht

Mit ihrer Rede verwies Angelina Jolie auf die jüngsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer, bei denen mindestens 1300 Menschen auf der Flucht nach Europa starben.

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit mehr als vier Jahren an. 7,6 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens auf der Flucht, vier Millionen in Flüchtlingslagern außerhalb des Landes. Seit Beginn des Aufstands gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad im März 2011 wurden mehr als 220.000 Menschen getötet.

Annika Lasarzik

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