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Anschlag in Paris: Verschwörungstheoretiker präsentieren erste Ergebnisse

Keine Woche ist nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris vergangen - und schon erblüht ein bunter Strauß an Verschwörungstheorien. Plausibel sind die nicht, dennoch: eine Übersicht.

Von Niels Kruse

Ein Sondereinsatzkommando auf der Jagd nach den Attentätern von Paris

Ein Sondereinsatzkommando auf der Jagd nach den Attentätern von Paris

Offenbar ist es für manche Menschen unvorstellbar, dass fürchterliche Dinge passieren, an denen weder die USA, noch Israel, noch irgendwelche Geheimdienste schuld sind. Nur wenige Tage hat es gedauert bis die ersten Verschwörungstheorien über den Anschlag von Paris das Licht der Welt erblickten. "Das hat kein Muslim geplant, das kann kein Muslim geplant haben. So was macht kein Muslim", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" einen etwa 30 Jahre alten Mann aus dem Berliner Wedding. Das der paranoiden Berichterstattung eigentlich unverdächtige Blatt widmet den wilden Gedankenspielen einiger deutscher Muslime gleich einen prominenten Platz auf Seite eins - und damit eine Bedeutung, die Komplottfans eigentlich nicht angemessen ist.

Natürlich: Es gibt da noch einige ungeklärte Fragen. Wie üblich, wenn zwischen der Tat und den Ermittlungen nur wenig Zeit vergangen ist.

  • Warum etwa nimmt ein Attentäter seinen Personalausweis mit zum Attentat und vergisst ihn dann im Fluchtwagen?
  • Warum fehlen auf dem Video, auf dem die Hinrichtung eines Polizisten zu sehen ist, die Blutspritzer?
  • Warum sehen die Rückspiegel eines Fluchtwagens unterschiedlich aus?
  • Warum wird die Größe eines Attentäters mit 1,68 Metern angegeben, wenn er doch "erkennbar zwischen 1,90 und 2,12 Meter" groß ist, wie ein Leser der einschlägigen Seiten meint?

Es sind typische Fragen von Leuten, die glauben, anhand von verwackeltem Filmmaterial und Infoschnippseln das echte, das wahre Bild erkennen zu können - anhand von kleinen Ungereimtheiten, die die Verschwörer trotz immensen Einflusses, Geldes und Macht nicht in der Lage sind zu kaschieren.

Nun aber, da diese Überlegungen nun mal in der Welt sind und vermutlich auch nicht weniger werden, hier ein kurzer Überblick über die aktuellen Schuldzuweisungen an den "wahren Verursachern" der Terrorattacken in Frankreich. Also, da wären - und bitte nicht über fehlende Plausibilät wundern:

  • USA
    So gut wie keine neuere Verschwörungstheorie (Mondlandung, Anschläge vom 11. September, Kennedy-Ermordung) kommt ohne die Beteiligung der Amerikaner beziehungsweise ihres Auslandsgeheimdienstes, der CIA, aus: Im Fall des Pariser Anschlags hätte die US-Regierung/die CIA mit dem Attentat wahlweise
  • Frankeichs Präsident François Hollande für seine Ablehnung der Russland-Sanktionen "bestrafen" wollen.
  • Die Redaktion von Charlie Hebdo "bestrafen" wollen, weil sie durch ihre Mohammed-Karikaturen, den Hass der Muslime befeuere.
  • Den Hass der Muslime provozieren, um einen "Kreuzzug" gegen die muslimische Welt zu rechtfertigen
  • Israel

  • Genau wie die USA gilt Israel als üblicher Verdächtiger, wenn es um Komplotte geht.

  • Konkret soll der Anschlag ein Racheakt gegen Frankreich sein, weil das Land Palästina als Staat anerkannt hat.
  • Außerdem will Israel die muslimische Welt spalten, heißt es.
  • Front Nationale

  • Glaubt man einigen Verschwörungstheoretikern, dann soll der rechtsextreme Front National unter der Führung der Vorsitzenden Marine Le Pen für den Anschlag verantwortlich sein. Ziel:

  • Eine antiislamische Stimmung schaffen.
  • Andere wiederum glauben sogar an ein Komplott der französischen Regierung, um den Front National mit dieser Aktion an die Macht zu hieven.
  • "Der Westen" zusammen mit Dschihadisten

  • Die ganz große Verschwörung deutet etwa Deutschlands erster Mann für solche Angelegenheiten, Jürgen Elsässer, an: In seinem Magazin "Compact" spricht er davon,

  • der Anschlag solle dazu dienen, Islamisierungskritiker wie Pegida und den Front National einzuschüchtern. Es wäre "dasselbe Joint Venture aus westlichen Geheimdienstfraktionen plus Dschihadisten am Werk, das schon Libyen und Syrien massakriert hat", schreibt er allen Ernstes.

Zweifelsohne werden in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten noch zahllose weitere Überlegungen über die "wahren" Hintergründe des Anschlags angestellt werden. Für Menschen, die sich unbedingt daran beteiligen müssen, gibt es seit einiger Zeit ein Instrument, das dem Komplottfreund viel Tipperei und Arbeit erspart: die Computertastatur mit besonders großen Tasten für häufig benutzte Begriffe wie Zionist, Nazi, Islam und natürlich: die Feststelltaste für möglichst viele Ausrufezeichen.