Ausschreitungen in Südafrika Ausländer rennen um ihr Leben


Schon die zweite Nacht in Folge versinkt die südafrikanische Metropole Johannesburg in einem Strudel der Gewalt: Ein Mob zog plündernd, vergewaltigend und brandschatzend durch die Flüchtlingsviertel. Die Polizei in Johannesberg hat inzwischen Verstärkung aus anderen Provinzen angefordert.

Die fremdenfeindliche Gewalt in der südafrikanischen Metropole Johannesburg hat in der Nacht erstmals auch den Südwesten der Stadt erfasst. Die Polizei nahm rund 40 Menschen wegen Raubes, Vergewaltigungen und anderer Delikte fest. Dennoch flüchteten hunderte Ausländer - vor allem Flüchtlinge aus Mosambik und Simbabwe - aus den Armenvierteln in Polizeiwachen, Kirchen und Gemeindesäle.

Dort drängen sich rund 11.000 verängstigte Menschen, die vom Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen notdürftig versorgt werden. Auch über die Gewalt entsetzte Südafrikaner gaben dort Nahrungsmittel, Kleidung, Decken und andere Spenden ab. Polizeisprecher Mariemuthoo sagte, Reservisten und Beamte aus anderen Landesteilen seien zur Verstärkung nach Johannesburg beordert worden. Seit dem Ausbruch der Gewalt vor rund einer Woche im Township Alexandra sind über zwei Dutzend Menschen grausam getötet und mehrere hundert verletzt worden.

Ziel der Angriffe waren überwiegend Simbabwer, die vor der politischen Gewalt und dem wirtschaftlichen Zusammenbruch in ihrer Heimat ins Nachbarland geflohen waren. Die aufgebrachte Menge warf ihnen vor, den Südafrikanern Arbeit und Wohnraum streitig zu machen.

Opfer bei lebendigem Leib verbrannt

In Johannesburg leben hunderttausende Zuwanderer, viele von ihnen illegal. "Die Südafrikaner kämpfen gegen die Ausländer. Alle leiden", sagte die 18-jährige Südafrikanerin Lisa Letsoso, die in einer Armensiedlung nahe dem Johannesburger Vorort Reiger Park lebt. Ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sagte, die Gewalt sei extrem. Einige Opfer seien in Brand gesteckt worden, erklärte Jonathan Whittal. Nach einem Abklingen der Gewalt müssten deren Ursachen wie fehlende Arbeitsplätze und Schulen sowie Wohnungsmangel angegangen werden.

Die Tageszeitung "The Sowetan" berichtete, dass ein wütender Mob das Haus eines Unternehmers aus dem Johannesburger Vorort Actonville in Brand gesetzt hat. Der Bauunternehmer habe im Verdacht gestanden, ausländische Arbeiter zu beschäftigen. Er sei in den Flammen ums Leben gekommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers kamen die Täter aus nahe gelegenen Armenvierteln.

Polizei forderte Verstärkung an

Unterdessen hat die Polizei, die von sich selbst behauptet, die Lage unter Kontrolle zu haben, Verstärkung aus anderen Provinzen angefordert. Derweil stellten sich die Hilfsorganisationen hinter Forderungen der Opposition, das Militär im Kampf gegen die mörderischen Banden einzusetzen.

Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte am Abend in einem dringenden Appell zur Einstellung der Gewalt aufgerufen. In einer Erklärung sprach er von einer nicht zu akzeptierenden Anarchie und betonte: "Bürger von anderen Staaten des afrikanischen Kontinents und darüber hinaus sind Menschen wie wir und verdienen es, von uns mit Respekt und Würde behandelt zu werden."

DPA/AP AP DPA

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