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Blockfreie Staaten: Venezuela und Kuba basteln an Anti-US-Block

Eines der Lebensziele Fidel Castros ist es, als moralisches Gewissen der Welt gegen die Supermacht USA vorzugehen. Beim gerade in Kuba stattfindenden Treffen der Blockfreien Staaten schmiedet er dazu einen Pakt mit Venezuelas Hugo Chávez.

In seinem Kampf gegen die USA sollte der Gipfel der Blockfreien in Havanna das Meisterstück des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro werden. Mit jetzt 118 Staaten im Rücken wollte er als das moralische Gewissen der Welt, als Fürsprecher der armen und unterdrückten Völker gegen die Supermacht USA vorgehen. Und als Präsidentschaft der Staatengemeinschaft in den kommenden drei Jahren wollte Kuba die Machtverhältnisse in der Welt verändern oder gar revolutionieren. Doch die Erkrankung zwang Fidel Castro die Führung seines Landes in die Hände seines Bruders Raúl zu legen.

Venezuela strebt Sitz im Sicherheitsrat an

Für den internationalen Part hatte sich schon seit geraumer Zeit der venezolanische Präsident Hugo Chávez angemeldet und profiliert. Er will einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für Venezuela und hat deshalb weltweit bei den Gegnern der USA Stimmen gesammelt: im Iran, in Nordkorea, Weißrussland, in Syrien und anderswo. Durch seinen Außenminister Nicolas Maduro ließ er Mitte der Woche eine klare Botschaft verbreiten: Mit Hilfe Kubas und der Bewegung der Blockfreien werde Venezuela in den kommenden Jahren die Hegemonie des Imperialismus in der Welt brechen.

Venezuela und das kommunistische Kuba, das seit Jahrzehnten mit den USA verfeindet ist und von Washington blockiert wird, haben der Bewegung der Blockfreien damit eine klare Stoßrichtung vorgegeben. "Die Achse des Bösen hat sich erweitert", sagte ironisch der kubanische Vizeaußenminister Abelardo Moreno. Es war aber schon zu Beginn der Konferenz erkennbar, dass sich die Mehrheit der 118 Staaten nicht einseitig in den antiamerikanischen "Block der Blockfreien" einschließen lassen würden.

Jeder kocht sein eigenes Thema

Denn die Delegationen, die auf dem Weg zur Generalversammlung in New York gewissermaßen Halt in Kuba machten, nutzten die Begegnungen in Havanna, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Selbst der Castro-Fan und Chávez-Freund, der bolivianische Präsident Evo Morales, verfolgte in Havanna vor allem das Ziel, für sein Land einen Zugang zum Meer zu erlangen, der ihm seit dem 19. Jahrhundert von Chile versperrt wird. Und er möchte in der Bewegung Rückhalt für die von ihm eingeleiteten revolutionären Veränderungen in seinem Land erhalten.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sucht ebenfalls Unterstützung: Und zwar für die Entwicklung des iranischen Atomprogramms. Vor wenigen Monaten hatten bereits die Außenminister der Blockfreien in Malaysia einer entsprechenden Entschließung für den Iran zugestimmt. Syrien wiederum will ebenfalls Rückhalt für seine Politik gegenüber Israel, "dem Aggressor in Nahen Osten". Beide Staaten verbindet mit Venezuela, Kuba, Weißrussland und Nordkorea vor allem eines: Die Feindschaft zu den Vereinigten Staaten von Amerika und den reichen Demokratien.

Einziges Band: Feindschaft zu den USA

Washington muss sogar mit Angriffen wegen einzelner Personen rechnen: So erneuerte Kuba eine Kampagne zur Freilassung von fünf seit acht Jahren in den USA wegen Spionage einsitzenden Kubanern. Und gemeinsam forderten Havanna und Caracas die Auslieferung des mutmaßlichen kubanischen Terroristen Luis Posada Carriles, der für mehrere CIA-Anschläge gegen Castro verantwortlich sein soll.

Abgesehen von den Wortführern sind die über 110 restlichen Delegationen aus Asien und Afrika bisher selten öffentlich zu Wort gekommen. Erst am Donnerstag ließ die staatliche Nachrichtenagentur Prensa Latina den Außenminister von Guatemala sagen, dass seine Delegation die Schlussdokumente unterstütze. Es bestünden nur kleine Differenzen: So könne das mit den USA verbündete mittelamerikanische Land nicht die USA angreifen, nicht Israel verurteilen und das Atomvorhaben des Irans gut heißen.

Angeblich Ausbruch des Dengue-Fiebers

Auch die alltäglichen Sorgen der Kubaner mussten in diesen Tagen hinter den großen Themen der Welt zurückstehen: Nach inoffiziellen Informationen wird die Insel derzeit vom Dengue-Fieber heimgesucht. Trotz aller Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie seien 50 Menschen bereits gestorben, Zehntausende infiziert, hieß es. Offizielle Bestätigungen oder Berichte der Behörden darüber gibt es nicht.

Franz Smets/DPA / DPA