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Fragen und Antworten: Was ist ein "harter Brexit" und was bedeutet das?

Die britische Premierministerin Theresa May will in einer Rede den "harten Brexit" ankündigen. Was bedeutet das? Acht Fragen und Antworten zum Abschied Großbritanniens aus der EU.

Brexit Big Ben

Bye bye Brüssel: Der Big Ben und der Rest Großbritanniens verabschiedet sich aus EU

Mehr als ein halbes Jahr nach der Entscheidung der Briten aus der EU auszutreten, stellt Premierministerin Theresa May in London ihren Brexit-Plan vor. In einer Rede am Dienstag wird sie über die Beziehungen zur Europäischen Union nach dem Ausstieg Großbritanniens sprechen. Medienberichten zufolge sehen die Pläne einen harten Schnitt mit der EU vor. Vorgesehen sei ein Ausscheiden des Landes aus dem EU-Binnenmarkt und aus der Zollunion. Außerdem sei eine Abkehr vom Europäischen Gerichtshof geplant, um die Kontrolle über die Einwanderung aus der EU zurückzuerlangen und die EU-Personenfreizügigkeit zu beenden.

Was bedeutet der "harte Brexit" genau? Acht Fragen und Antworten.

Was ist ein "harter Brexit" überhaupt?

Wie bei vielen Scheidungen ist auch die Trennung Großbritanniens von der EU kompliziert. Um die Unterschiede der Optionen deutlich zu machen, ist oft von einem "harten" oder "weichen" Brexit die Rede. Unter "hartem" oder "sauberem Brexit" versteht man einen klaren Bruch mit Brüssel. Das Verhältnis zwischen Großbritannien und den verbliebenen 27 EU-Staaten wäre vergleichbar mit der Beziehung der EU zu Kanada. EU-Bürger müssten eine Arbeitserlaubnis beantragen, um in dem Land leben und arbeiten zu dürfen. Für britische Staatsbürger dürfte der Brexit das Ende der uneingeschränkten Bewegungsfreiheit auf dem Kontinent bedeuten. Nötig wären auch neue Abkommen, damit auf Waren und Dienstleistungen keine Zölle erhoben werden. Mit "weichem Brexit" ist gemeint, dass Großbritannien eine ähnlich enge Anbindung an die EU suchen könnte wie Norwegen. Das Land ist kein EU-Mitglied, hat aber vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt.

In welcher Beziehung wird Großbritannien künftig zur EU stehen?

Theresa May wird voraussichtlich eine völlige Loslösung Großbritanniens von der Europäischen Union ankündigen. "Keine "Teilmitgliedschaft" oder "irgendetwas, das uns halb drinnen, halb draußen lässt", wird sie laut Redeauszügen sagen, die ihr Büro vorab veröffentlichte. Konkret hieße das, das Königreich wird aus dem EU-Binnenmarkt und aus der Zollunion ausscheiden. Auch eine Abkehr vom Europäischen Gerichtshof sei geplant. Ziel der Regierung in London ist es, die Kontrolle über die Einwanderung aus der EU zurückzuerlangen und die EU-Personenfreizügigkeit zu beenden. Für viele Brexit-Befürworter war dies ein wichtiges Anliegen bei dem Referendum im Juni.


Wie sieht der genaue Zeitplan aus?

Großbritannien will bis Ende März das Austrittsgesuch in Brüssel einreichen. Danach bleiben zwei Jahre für die Austrittsverhandlungen.

Unterstützen alle Briten den Brexit?

Nein. Zum einem fiel das Referendum denkbar knapp aus, zum anderen gibt es Widerstand gegen den Brexit etwa aus Schottland. Knapp zwei Drittel der Schotten lehnten den EU-Austritt Brexit ab. Regierungschefin Nicola Sturgeon hat deshalb nach dem Votum ein neues Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands ins Spiel gebracht.

Wie wird sich der Brexit auf Deutschland auswirken?

Politisch wird mit dem Brexit ein starker Widersacher innerhalb der EU wegfallen. Deutlich spürbarer aber wird Großbritanniens Austritt in den Wirtschaftsbeziehungen werden, denn die Handelsverflechtungen zwischen Großbritannien und Deutschland sind eng - entsprechend könnte der EU-Austritt die hiesige Wirtschaft belasten: So geht jedes fünfte aus Deutschland exportierte Auto ins Vereinigte Königreich. Schwierig könnten daher wahrscheinliche Zölle werden, die den Warenverkehr verteuern. Ähnlich die Situation im Maschinenbau und in der Elektroindustrie. Großbritannien ist für die deutschen Hersteller jeweils der viertwichtigste Auslandsmarkt. Im Finanzsektor konnten Banken bislang grenzüberschreitend frei agieren, künftig werden sie wegen der sich änderten Bedingungen wohl eigene Filialen in London unterhalten müssen, während britische Geldhäuser Dependancen in EU-Ländern unterhalten müssen.


Gibt es bereits erste Reaktionen?

Wie immer reagierten die Börsen am stärksten auf die Ankündigung des harten Brexits: Der Dax verliert leicht, während sich der Euro etwas fester gezeigt hatte. Eine starke Gemeinschaftswährung kann die Exporte der Unternehmen in Länder außerhalb der europäischen Union verteuern. Insgesamt mache sich "vor der Rede von Theresa May Zurückhaltung in den europäischen Börsensälen breit", schrieben Analysten der Postbank. Das zuletzt schwer geschwächte britische Pfund hat sich vor Mays Grundsatzrede  wieder etwas erholt

und war zuletzt 1,2120 US-Dollar wert.

Werden auch andere Länder dem britischen Beispiel folgen?

Möglich ist das, der künftige US-Präsident Donald Trump etwa geht davon aus. Und Bestrebungen gibt es durchaus: In den Niederlanden etwa dringt der Rechtspopulist Geert Wilders auf ein ähnliches Referendum in seinem Land, genau wie Marine Le Pen in Frankreich.

Und was sagt die Queen dazu?

Wie immer: nichts. Königin Elizabeth II. verhält sich in politischen Angelegenheiten traditionell neutral. Berichte der Boulevardzeitung "The Sun", die Königin habe sich eindeutig für einen Brexit ausgesprochen, brachten der Zeitung eine Rüge des britischen Presserats ein.

nik/DPA