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Bürgerkrieg in Libyen: Gaddafi und Rebellen sollen an einen Tisch

Sie bekämpfen sich bis aufs Blut, keine Seite will im Kampf um die Macht in Libyen nachgeben: Gaddafi und die Rebellen sollen dennoch miteinander verhandeln. Eine Delegation der Afrikanischen Union soll einen Waffenstillstand vermitteln. Die Nato unterstützt den Plan.

Vor dem Hintergrund neuer heftiger Kämpfe um die Stadt Adschdabija hat die Afrikanische Union (AU) eine Vermittlungsmission im Libyen-Konflikt begonnen. Die Organisation forderte zu dem Besuch von fünf afrikanischen Staats- und Regierungschefs am Sonntag einen sofortigen Waffenstillstand.

Die AU-Delegation reiste am Sonntag von Mauretanien nach Libyen. In der Hauptstadt Tripolis wollte sie bei einem Treffen mit Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi eine "Übergangsperiode" vorschlagen, wie die AU erklärte. In dieser müssten die nötigen Reformen stattfinden, "um die Gründe der aktuellen Krise zu beseitigen und den legitimen Forderungen des libyschen Volkes nach Demokratie, Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit nachzukommen". Die AU-Delegation besteht aus Südafrikas Präsident Jacob Zuma sowie Staats- und Regierungschefs aus dem Kongo, Mali, Mauretanien und Uganda.

Die Nato hatte nach südafrikanischen Angaben dem geplanten Gespräch der Delegation mit Gaddafi zugestimmt. Nach dem Treffen sollte die Delegation in die Rebellenhochburg Bengasi weiterreisen, um mit den Aufständischen zu verhandeln. Ein Rebellensprecher schloss jedoch eine Waffenruhe aus, solange Gaddafi nicht abtritt.

Nato setzt Flugverbot gegen Rebellen durch

Die Kämpfe zwischen Gaddafis Truppen und den Rebellen konzentrierten sich am Wochenende vor allem auf Adschdabija, das etwa 160 Kilometer südlich von Bengasi liegt. Am Sonntag wurde die Stadt nach Angaben von Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP von zahlreichen Explosionen erschüttert. Ein Einwohner sagte in einem Telefonat, regierungstreue Truppen griffen die Stadt von Westen aus an. Bereits am Samstag wurden die Aufständischen nach AFP-Angaben durch anhaltenden Beschuss zum Rückzug in die Stadt gezwungen.

Am Samstag schoss Gaddafis Armee nach Regierungsangaben in der Region der Küstenstadt Brega etwa 80 Kilometer westlich von Adschdabija zwei Hubschrauber der Rebellen ab. Nato-Kampfflugzeuge fingen nach Angaben der Militärallianz bei Bengasi einen Kampfjet der Rebellen ab und zwangen ihn zur Landung. Es war das erste Mal, dass das vom UN-Sicherheitsrat verhängte Flugverbot von den Rebellen verletzt wurde, seit die Nato das Kommando über die internationale Militäraktion in Libyen übernahm.

Gaddafi-Regime plant Reformen

In der belagerten Stadt Misrata etwa 200 Kilometer östlich von Tripolis wurden nach Angaben eines Rebellensprechers am Freitag vier Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Zehn Menschen seien von den Gaddafi-Truppen verletzt worden. Die Nato muss sich seit Tagen Kritik von den Rebellen gefallen lassen, dass sie nicht genug tut, um Zivilisten zu schützen. Die Europäische Union bereitet derzeit eine Hilfsmission für Misrata vor, an der sich auch Deutschland beteiligen würde.

Der Vorsitzende des libyschen Parlaments, Mohammed Swei, sagte am Samstag, ein Ausschuss von Juristen bereite derzeit Vorschläge für Verfassungsänderungen vor, die bald den Regionalräten des Landes vorgelegt werden sollten. Diese könnten dann ihre Wünsche äußern. Swei sagte zugleich, dass sich die Lage in Libyen zuvor beruhigen müsse. Eine Überarbeitung der Verfassung wird in Libyen bereits seit dem Jahr 2007 diskutiert. Die Verhandlungen darüber wurden von Gaddafis Sohn Seif el Islam gelenkt.

seh/AFP / AFP