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Bürgerkrieg in Syrien Ban berichtet von Angriff auf UN-Beobachter


Hunderttausende Syrer fliehen vor dem Krieg in Aleppo. Noch mehr sitzen womöglich zwischen den Fronten fest. Auch UN-Beobachter geraten unter Feuer.

Ein UN-Konvoi mit dem neuen Leiter der Beobachtermission UNSMIS, General Babacar Gaye, ist in Syrien angegriffen worden. Bei dem Vorfall, der sich bereits am Sonntag ereignete seien aber keine UN-Mitarbeiter verletzt worden, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Gaye sei auf dem Weg zu seinen ersten Besuchen in den umkämpften Städten Homs und Al-Rastan gewesen. "Die Situation wird immer schlimmer und schlimmer", klagte Ban. Wer genau die UN-Beobachter "ins Visier genommen" hat, sagte er nicht. Anfänglich hatte es geheißen, Ban habe die syrischen Truppen beschuldigt, dies wurde später aber korrigiert.

Unterdessen hat der oppositionelle Syrische Nationalrat hat den Weltsicherheitsrat aufgefordert, eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten. Das meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Nach Angaben des Nationalrats verhindern die Regimetruppen von Machthaber Baschar al-Assad die Versorgung der Millionenstadt mit Benzin, aber auch mit Lebensmitteln und Medikamenten. Auch der Strom sei abgeschaltet worden, so dass die Krankenhäuser ihre Patienten nicht mehr ausreichend versorgen könnten. Die internationale Gemeinschaft müsse Kampagnen starten, um den Menschen dort zu helfen.

Ein Sprecher des Nationalrats sagte der Nachrichtenagentur dpa, über eine Flugverbotszone solle in der ersten Augustwoche in Marokko mit der internationalen Staatengruppe der "Freunde Syriens" beraten werden. Dabei werde sich der Nationalrat dafür einsetzen, dass beim UN-Sicherheitsrat offiziell die Einrichtung einer Flugverbotszone gefordert werde. Der im Exil operierende Nationalrat gilt als das wichtigste syrische Oppositionsbündnis.

Rebellen melden strategischen Erfolg

Derweil haben syrische Rebellen im Kampf um die Millionenmetropole Aleppo nach eigenen Angaben erstmals eine direkte Straßenverbindung zum Nachbarn Türkei eingenommen. Die Aufständischen eroberten am Montag eine strategische Anhöhe im Nordwesten von Aleppo, auf der sich bislang ein Kontrollpunkt der Regimetruppen befunden hatte. Das sagte der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al Halebi der Deutschen Presse-Agentur. Über die 50 Kilometer lange Route Richtung Türkei könnten nun Kämpfer und Nachschub transportieren werden.

Das türkische Militär verlegte an drei Stellen Truppen, Panzer und Raketenwerfer an die syrische Grenze, wie die Agentur Anadolu am Montag meldete. Syrische Regierungstruppen griffen den dritten Tag in Folge Stellungen der Aufständischen in der nördlichen Metropole an. Die Stadtbezirke Salaheddin und Al-Sukkari wurden bombardiert, in Salaheddin, Al-Issa und Athamija tobten darüber hinaus heftige Kämpfe am Boden, wie die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mitteilten. Die schwersten Kämpfe seit Beginn der Proteste lösten eine massive Flüchtlingswelle aus. Rund 200.000 Menschen sind nach Schätzungen von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond in den vergangenen Tagen aus Aleppo geflohen.

Widersprüchliche Berichte aus Aleppo

Über erste mögliche Erfolge der Regimetruppen im südwestlichen Salaheddin kursierten widersprüchliche Berichte. "Salaheddin wurde vollständig zurückgewonnen", zitierte das staatliche syrische Fernsehen einen hochrangigen Militär. Die Aufständischen bestritten dies vehement. "Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage", sagte der Rebellenkommandeur al Halebi. Die Regimetruppen hätten erneut versucht, Salaheddin mit Panzern anzugreifen, seien aber zurückgeschlagen worden.

Das Militär von Präsident Baschar al-Assad hatte am Samstag eine Großoffensive gegen die Stellungen der Aufständischen in Aleppo gestartet. Die Kontrolle über die Handels- und Geschäftsmetropole gilt als entscheidend für die Erfolgsaussichten der Revolte gegen das Assad-Regime, die seit 16 Monaten anhält.

200.000 Menschen fliehen aus der Stadt

Wegen der schweren Kämpfe flohen nach Schätzungen von Hilfsorganisationen in den vergangenen Tagen 200.000 Menschen aus Aleppo. Viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften aber noch in der umkämpften Stadt festsitzen. "Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen", erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos in New York. Sie forderte die Truppen des Assad-Regimes und die Aufständischen auf, Zivilisten zu verschonen und Helfern sicheren Zugang zu gewähren.

kng/DPA DPA

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