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Militäreinsatz in Syrien Deutschland schickt Tornados gegen den IS


Nach den Anschlägen von Paris soll auch das deutsche Engagement im Kampf gegen den IS verstärkt werden: Die Bundesregierung will nun Aufklärungstornados über Syrien einsetzen. Auch Tankflugzeuge und eine Fregatte könnten folgen.

Deutschland schickt nach Angaben des CDU-Politikers Henning Otte Aufklärungsjets nach Syrien, um Frankreich im Kampf gegen die Extremistenmiliz IS zu unterstützen. "Wir werden nicht nur die Ausbildungsmission im Nordirak stärken, sondern in Syrien unter anderem mit Recce-Aufklärungstornados unser Engagement im Kampf gegen den IS-Terror vorantreiben", kündigte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion am Donnerstag an.

Im Gespräch ist nach Angaben aus Sicherheitskreisen außerdem die Entsendung deutscher Tankflugzeuge und einer Fregatte. Darüber sei aber noch keine Entscheidung gefallen. Die Koalitionsfraktionen wollen um 17.00 Uhr zu Sondersitzungen zusammenkommen, um über den geplanten Militäreinsatz gegen den IS zu beraten.

"Der islamistische Terror ist eine Gefahr für Deutschland und den gesamten Weltfrieden", erklärte Otte. Deutschland werde daher einen aktiveren Beitrag leisten. Frankreich hatte die europäischen Partner nach der Anschlagsserie in Paris um Beistand gebeten, um seine Armee im Nahen Osten und Afrika zu entlasten. Deutschland kündigte daraufhin eine Ausweitung der Bundeswehr-Einsätze in Mali und dem Nordirak an. Bei einem Solidaritätsbesuch am Mittwochabend sagte Kanzlerin Angela Merkel dem französischen Präsidenten Francois Hollande in Paris Hilfe im Kampf gegen den IS zu.

Anschlagsgefahr in Deutschland könnte steigen

Die Linkspartei warnte, durch einen Bundeswehr-Einsatz werde die Anschlagsgefahr in Deutschland steigen. "Wer Bundeswehr-Tornados nach Syrien schickt, der züchtet noch mehr Terroristen und erhöht die Anschlagsgefahr in Deutschland", erklärte die Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht.

Ein Einsatz von Bundeswehr-Aufklärungstornados über Syrien ist nach Ansicht des SPD-Verteidigungspolitikers Rainer Arnold auch ohne ein UN-Mandat möglich. Zwar müssten völkerrechtliche Fragen geklärt werden, doch er halte dies für machbar, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Saarländischen Rundfunk (SR). "Ein UN-Mandat wäre besser, aber es gibt ja aus der letzten Woche eine Resolution der Vereinten Nationen und die Selbstverpflichtung der Europäer, den Partnern beizustehen. Beides zusammen ist tragfähig", sagte Arnold.

Eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen der USA und Frankreichs auf mutmaßliche IS-Stellungen in Syrien gilt auch nach der Anschlagsserie als unwahrscheinlich. Zur Begründung hieß es in Sicherheitskreisen, es herrsche in Syrien kein Mangel an Kampfjets, sondern eher an Zielen. Spekuliert wird zudem über den Einsatz von Tankflugzeugen. Sie gelten gerade bei europäischen Einsätzen als Mangelware. Mit ihrer Entsendung würde Deutschland der französischen Armee helfen.

Jets sollen Aufklärungsdaten liefern

Schickt die Bundesregierung nun die sogenannten Recce-Tornados in den Einsatz, wird sie beiden Argumenten gerecht: Die Jets können zwar keine Ziele bombardieren, sie liefern jedoch mit ihren Spezialkameras Aufklärungsdaten, die bei der Entdeckung von Zielen helfen.Tornados sind zweisitzige Kampfflugzeuge, von denen seit 1981 fast 360 Stück an die Bundeswehr ausgeliefert wurden. Heute verfügt die deutsche Luftwaffe nach eigenen Angaben noch über 85 Kampfjets dieses Typs. Die Basisversion IDS (Interdiction Strike) ist für Luftangriffe und zur Unterstützung von Bodentruppen aus der Luft konzipiert, ein Teil davon - sogenannte Recce-Tornados - speziell für die Aufklärung gerüstet.

In einem Behälter unter dem Rumpf tragen die Maschinen optische Kameras und einen Infrarotscanner mit sich. Tornados dieser Art kamen zum Beispiel während des Balkankonflikts und in Afghanistan zum Einsatz, aber auch bei den Hochwasserkatastrophen an Rhein, Donau, Oder und Elbe.

Seit 2009 ist die neueste Generation des Systems verfügbar - das digitale Aufklärungssystem "RecceLite" (Reconaissance Litening Targeting Pod). Mit Hilfe eines hochauflösenden elektro-optischen Sensors und eines Infrarot-Sensors sammelt es bei Tag und Nacht digitales Bildmaterial aus niedriger und mittlerer Höhe. Die Ergebnisse des Aufklärungsfluges können in Echtzeit an die Bodenstation übertragen werden.

amt AFP DPA Reuters

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