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Die Morgenlage George Floyd wird heute beigesetzt – Hunderte nahmen öffentlich Abschied an seinem Sarg

George Floyd Sarg
Hunderte Menschen nahmen in Houston am aufgebahrten Sarg von George Floyd Abschied. Heute wird der von einem weißen Polizisten getötete Afroamerikaner beigesetzt
© Godofredo A. Vasquezm / Picture Alliance
George Floyd wird beerdigt +++ Missbrauch: Expertin sieht Versäumnisse bei den Familiengerichten +++ Prozessauftakt in Russland gegen Napoleon-Experten +++ Die Nachrichtenlage am Dienstagmorgen.

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

"I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen") - an diese Worte von George Floyd vor seinem Tod erinnern immer wieder die weltweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus. Der Afroamerikaner starb am 25. Mai in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota nachdem ein weißer Polizist dem 46-Jährigen fast neun Minuten das Knie in den Nacken gedrückt hatte, um ihn am Boden zu halten. Heute wird Floyd in Pearland bei Houston beigesetzt. Zuvor nehmen Familie und geladene Gäste in der texanischen Metropole Houston an einem Trauergottesdienst teil.

Schon der Montag stand im Zeichen der Trauer: Hunderte Menschen nahmen in der Metropole Houston in einer Kirche am aufgebahrten Sarg Abschied. Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, kam mit Floyds Familie zusammen. "Es ist schwierig genug zu trauern, aber es ist viel schwieriger, es in der Öffentlichkeit zu tun", sagte Biden im Anschluss dem Sender CBS. "Es ist viel schwieriger, wenn die ganze Welt einem zusieht."

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

Missbrauch: Expertin sieht Versäumnisse bei den Familiengerichten

Massive Versäumnisse und Wissensdefizite beim Thema sexueller Gewalt gegen Kinder sieht eine Expertin bei den Familiengerichten. "Es kommt bei sexualisierter Gewalt viel zu häufig vor, dass wir eine Zwangsbelassung von Kindern in familiären Gewaltsituationen haben, weil Familiengerichte falsche Entscheidungen fällen", sagte Ursula Enders der Deutschen Presse-Agentur. Sie ist Traumaberaterin und Leiterin der Informationsstelle gegen sexuellen Kindesmissbrauch Zartbitter in Köln. Die Richter an den Familiengerichten seien nicht ausreichend fortgebildet und könnten häufig die Traumafolgen von kindlichen Opfern sexueller Gewalt nicht richtig einschätzen.

Im Missbrauchsfall Münster war bekannt geworden, dass das Jugendamt der Stadt Münster seit Jahren Kontakt zur Familie eines der Opfer hatte. Das Amtsgericht in Münster entschied Ende 2015, dass kein Eingriff notwendig sei. Das Jugendamt hatte in der Folge weiter Kontakt zur Mutter, zum Kind und zum heute Haupttatverdächtigen, die nicht in einem Haushalt lebten. Auch nach 2016 gab es aus Sicht der Stadt keinen Grund, einzugreifen. Demnach gab es aus dem sozialen Umfeld bis heute keinen Hinweis auf eine mögliche Gefährdung oder Auffälligkeiten des Kindes.

Angehörige von Corona-Toten in Italien fordern Gerechtigkeit

Die Angehörigen von zahlreichen Toten durch das Coronavirus in Italien erheben schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Zu viele Menschen seien in der Coronakrise wegen Fahrlässigkeit und Inkompetenz gestorben, berichtete die Gruppe Noi Denunceremo (Wir prangern an) vor Auslandsjournalisten in Rom. Sie setzt sich aus Familienmitgliedern von Menschen zusammen, die an der Lungenkrankheit gestorben sind. Diesen Mittwoch wollen sie in der norditalienischen Stadt Bergamo symbolisch rund 50 Strafanzeigen gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft einreichen. 

Polizei stuft 61 kampferprobte IS-Rückkehrer als Gefährder ein

Von den mehr als hundert aus Syrien oder dem Irak nach Deutschland zurückgekehrten IS-Kämpfern stuft die Polizei 61 heute noch als terroristische Gefährder ein. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage des AfD-Abgeordneten Martin Hess hervor. Etwa die Hälfte von ihnen ist den Angaben zufolge zurzeit im Gefängnis - in Strafhaft oder in Untersuchungshaft. Die Polizei sei aus personellen und rechtlichen Gründen nicht in der Lage, diese Gefährder lückenlos zu überwachen, sagte Hess, der selbst ehemaliger Polizist ist. Deshalb müsse die Regierung dafür sorgen, dass kampferprobte Islamisten als Gefährder eingestuft, abgeschoben "oder so lange in Gewahrsam genommen werden, bis sie keine Gefahr mehr darstellen".

Weiße Polizeichefin in Oregon überlässt Afroamerikaner ihren Posten

Wegen ihres Umgangs mit den Protesten nach dem Mord an dem Afroamerikaner George Floyd sah sie sich Kritik ausgesetzt. Nun ist die weiße Polizeichefin von Portland im US-Bundesstaat Oregon zurückgetreten und hat einen afroamerikanischen Kollegen als ihren Nachfolger bestimmt. Sie sei Forderungen nach Veränderungen gefolgt und die Veränderung in der Führung der Polizeibehörde "kommt von Herzen", schrieb Jami Resch am Montag (Ortszeit) auf Twitter. 

Nordkorea kappt Kommunikationskanäle zum Süden

Nordkorea hat die Kappung sämtlicher Kommunikationskanäle zum "feindlichen" Südkorea angekündigt. Pjöngjang werde "die Verbindungslinie zwischen den Behörden in Nord und Süd vollständig abschneiden", meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Das gemeinsame Verbindungsbüro werde geschlossen. Hintergrund ist eine Aktion südkoreanischer Aktivisten, die Flugblätter mit kritischen Botschaften über die Politik des Nordens über die Grenze geschickt hatten. Bereits vergangene Woche hatte die einflussreiche Schwester von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, Kim Yo Jong, mit dem Rückzug Pjöngjangs aus einem Militärabkommen mit Südkorea gedroht.

Was heute wichtig wird:

Bundesverfassungsgericht fällt Urteil wegen AfD-Klage gegen Innenminister Seehofer

Bundesverfassungsgericht urteilt über Klage der AfD gegen Innenminister Horst Seehofer (CSU) Seehofer hatte das Verhalten der Partei in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur als "staatszersetzend" bezeichnet. Das Ministerium hatte den Text zeitweise auf seiner Internetseite veröffentlicht. Die AfD wirft Seehofer einen Verstoß gegen seine Neutralitätspflicht als Amtsträger vor. Verhandelt wurde im Februar, um 10 Uhr soll das Urteil verkündet werden.

Prozessauftakt gegen Napoleon-Experten in St. Petersburg

Nach dem gewaltsamen Tod einer Studentin beginnt der Prozess gegen einen Professor, der sie aus Eifersucht umgebracht haben soll. Der Verdächtige, der an der Staatsuniversität von St. Petersburg arbeitete, ist ein in Russland bekannter Historiker und Napoleon-Experte mit Publikationen auch im Ausland. Der 63-Jährige soll die Frau im November mit Kopfschüssen getötet, zerstückelt und dann versucht haben, die Leichenteile im städtischen Fluss Moika zu versenken. Es wurden Leichteile und eine blutige Säge gefunden. Der Mann war mit den abgeschnittenen Händen der Frau in einem Rucksack festgenommen worden.

Antidiskriminierungsstelle legt Jahresbericht vor

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes legt um 10 Uhr ihren Jahresbericht vor. Er listet auf, in wie vielen Fällen im vergangenen Jahr sich Menschen an das Beratungsteam der Stelle gewandt haben, weil sie aus rassistischen Gründen, wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder der Religion diskriminiert wurden. Die Antidiskriminierungsstelle hilft in solchen Fällen auf Basis des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und gibt u.a. rechtliche Auskünfte oder vermittelt gütliche Einigungen.

DFB-Pokal geht weiter: Leverkusen gegen Saarbrücken haushoher Favorit

Auch ohne den angeschlagenen Nationalspieler Kai Havertz geht Bundesligist Bayer Leverkusen als haushoher Favorit ab 20.45 Uhr in das erste Halbfinale des DFB-Pokals beim 1. FC Saarbrücken. Der als Aufsteiger feststehende Viertligist hat wegen des Saison-Abbruchs in der Regionalliga seit drei Monaten kein Spiel absolviert und muss zudem auf seine Zuschauer verzichten. Saarbrücken steht zum vierten Mal im Halbfinale, zuletzt 1985, hat aber noch nie das Endspiel erreicht.

EU-Finanzminister beraten Milliardenplan gegen die Coronakrise

Die EU-Wirtschafts- und Finanzminister beraten ab 15 Uhr den 750-Milliarden-Euro-Plan der EU-Kommission zum Wiederaufbau nach der Coronakrise. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Hilfen aus Brüssel konkret gebraucht werden und ob Krisenstaaten im Gegenzug Reformen zusagen müssen. Zudem soll besprochen werden, wie die bereits beschlossenen Hilfsmaßnahmen gegen die Wirtschaftskrise anlaufen.

tkr/rös DPA AFP

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