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Chef-Stratege Der Hass und die zerstörerische Kraft des Steve Bannon

Steve Bannon im Zentrum der Macht: Donald Trump spricht mit seinem Chefstrategen.
Steve Bannon im Zentrum der Macht: Donald Trump spricht mit seinem Chefstrategen.
© Evan Vucci/AP
Donald Trump versetzt die Welt in Schrecken. Dabei ist es sein finsterer Einflüsterer Steve Bannon, vor dem wir uns wirklich fürchten sollten.

Donald Trump ist der mächtigste Mann der Welt. Auch wenn es vielen nicht gefällt, dass der rechthaberische, aggressive und selbstverliebte Immobilientycoon die Geschicke der USA lenkt. Doch weitaus gefährlicher als Trump selbst ist Steve Bannon - der Mann hinter Trumps Ideen und derjenige, der ihm maßgeblich zum Wahlsieg verhalf.

Steve Bannon wirkt schon auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper in Washington: Sein verlebtes Gesicht und seine zerschlissenen Anzüge passen nicht zum auf Hochglanz polierten Politikbetrieb des Weißen Hauses. Dennoch ist der rechte Publizist schnell zur beherrschenden Figur geworden. Ein Republikaner verriet dem "Time Magazin" (Is Steve Bannon the Second Most Powerful Man in the World?) etwas über den internen Streit zwischen Partei-Establishment und Berater Bannon: "Der Kampf ist vorbei. Bannon hat gewonnen." Während alle anderen Personen sich dem strikten Zeitmanagement Trumps beugen müssen,  genießt er allein das Privileg des unbegrenzten Zugangs zum Oval Office. Und als einziger muss sich Bannon nicht dem ebenso strikten Dresscode des Präsidenten beugen.

Chef-Stratege: Der Hass und die zerstörerische Kraft des Steve Bannon

Bannon, der Stratege - Trump, der Impulsive

Das Duo Trump/Bannon verbindet nicht nur ein ähnlicher Charakter, eine Männerfreundschaft und übereinstimmende Ansichten zu Einwanderung, Islam und China, sondern es ist eine symbiotische Beziehung. Trumps Wahlkampf kam erst in Fahrt, als der strategisch denkende Bannon die verwirrenden Attacken Trumps zu einem Kreuzzug gegen das Establishment orchestrierte. Bannon selbst führt diesen Kreuzzug seit mehr als zehn Jahren. Beobachter vermuten, dass der erfolgreiche Mann sich radikalisierte, als Leute wie sein Vater in der Bankenkrise ihre Ersparnisse verloren, die Manager der Wall Street aber ungestraft blieben. 

Zuerst propagierte Bannon seine Ansichten mit Dokumentarfilmen über Heldenfiguren der rechten Republikaner, das machte ihn als politischen Publizisten bekannt. Eine Art Michael Moore von rechts. Aber erst mit der Leitung des Rechtsaußen-Internetportals "Breitbart" erreichte er eine große Öffentlichkeit. Nun bringt die Verbindung mit Donald Trump Steve Bannon in das Zentrum der Macht, er schaffte es sogar in das National Security Council, dem nationalen Sicherheitsrat.

Bannon und der Honig Dachs 

In Bannons Denken sind Worte wie Kompromiss und Ausgleich nicht vorgesehen. In seiner Zeit bei Breitbart wählte Bannon den Honigdachs als Motto-Tier, verriet Joshua Green in "Bloomberg Businessweek". In einem damals populären Internet-Video wird der kleine Räuber beobachtet. Das Besondere: Weder Bienenstiche, Schlangenbisse noch andere Widerstände halten das Tier bei seiner Jagd auf. Der Moderator kommentiert lakonisch nur: "Honey Badger don't give a shit" - den Honigdachs juckt das nicht.

Steve Bannon führt einen Krieg gegen die Welt. Im Namen der "vergessenen Arbeiter" ist er von Hass getrieben. Das gibt er offen zu, von einem Hass auf das System, auf die Eliten, auf das Bestehende. Und erst recht auf die etablierten Medien. Einen ersten Geschmack davon hat die breite Öffentlichkeit beim Amtsantritt Trumps bekommen. Die finstere Rede stammt zu großen Teilen aus Bannons Feder. Bannon selbst hat sich mal mit Lenin verglichen, begierig "alles zu zerschlagen und das Establishment zu zerstören", und mal Darth Vader als Vorbild genannt. Hinter diesen Bekenntnissen steckt mehr als ein provokanter Witz.

USA vor der Rebellion

Steve Bannon ist ein Anhänger der Theorie von Wiliam Strauss und Neil Howe, sie schrieben das Buch "The Fourth Turning: An American Prophecy - What the Cycles of History Tell Us About America's Next Rendezvous with Destiny" ("Die Vierte Wende: Eine amerikanische Prophezeiung - was die Zyklen der Geschichte uns über Amerikas nächstes Rendezvous mit dem Schicksal verraten").

Das Werk folgt einem zyklischen Geschichtsbild, in dem Phasen des Aufbruchs und der Erneuerung unweigerlich zu Zeiten der Erstarrung und Dekadenz führen. Das ist nicht neu, viele Werke der klassischen Geschichtsschreibung misstrauen der Idee eines fortlaufenden Fortschritts und verstehen die Historie in einem Auf und Ab von Aufstieg und Fall.

"The Fourth Turning" zufolge stehen die USA vor dem Fall. Sie seien am Ende eines Zyklus von 80 Jahren angekommen, in dem die bestehende Ordnung und ihre Institutionen verkommen und unfähig geworden sind. Nur eine Rebellion könne dann die Kräfte der Nation erneut freisetzen. Steve Bannon glaubt, die Zeit für diese Erschütterung sei gekommen und Donald Trump der Mann, der dieses Werk der schöpferischen Zerstörung umsetzen wird. Die "New York Times" sieht zwar erste Risse im Verhältnis der beiden und behauptet, dass Trump gar nicht gewusst habe, was er unterschrieb, als er Bannon einen Sitz im National Security Council gab. Wirkliche Beweise gibt es dafür nicht. 

Das "Time Magazin" analysiert, Bannon sei ein wahrer Gläubiger, jemand, den es nicht um Geld oder Posten gehe, sondern der Geschichte schreiben wolle. Auch wenn Bannon mit seinem fleckigen Gesicht auf Fotos häufig etwas derangiert aussieht, darf man ihn nicht unterschätzen. Frühere Geschäftspartner aus Hollywood-Zeiten bescheinigen ihm strategische Weitsicht, er sei seinen Gegnern im Geschäftsleben meist drei oder vier Schritte voraus gewesen, heißt es. Wegen seines phänomenalen Gedächtnis' lautet sein Spitzname "die Enzyklopädie".

Dynamik, die sich verstärkt

Der Präsident und sein Berater - beide Charaktere allein bedeuten für eine liberale Weltordnung nichts Gutes. Aber erst gemeinsam entfalten sie eine zerstörerische Dynamik - erst im Wahlkampf, nun im Oval Office. Steve Bannon ist ein Mann für den Hintergrund, keine Figur, hinter der sich die Massen versammeln würden.

Donald Trump hingegen ist aggressiv, impulsiv und schert sich nicht um Konventionen. Dazu hat er sich stets dazu bekannt, die eigenen Ziele hoch anzusetzen und sie dann rücksichtslos zu verfolgen. Doch ihm fehlt die Kohärenz. Erst ein düsterer Visionär wie Steven Bannon wird diese Impulse Trumps in eine zielgerichtete Politik umsetzen. Angeblich baut Bannon eine Strategie-Gruppe auf, sie soll die langfristigen Ziele der Präsidentschaft Trumps definieren.

Vor allem aber wird Bannon nicht mäßigend auf Trumps unmäßigen Charakter wirken. Er wird das kämpferische Naturell seines Präsidenten verstärken und zugleich alles tun, um Trump gegen Kritik zu immunisieren. Proteste und Kritik sind für Leute wie Steve Bannon kein Grund innezuhalten. Für ihn sind das nur Geräusche, die unweigerlich das Zerbrechen der alten Ordnung begleiten. Unser alten Ordnung.

Chef-Stratege: Der Hass und die zerstörerische Kraft des Steve Bannon

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