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Stephen Bannon: Im Zentrum der Macht: Ein Mann, der einst sagte, er wolle den Staat zerstören

Donald Trump hat Stephen Bannon zu einem der mächtigsten Männer der Welt gemacht. Wie tickt der Mann, der sich selbst als Nationalisten bezeichnet und in der Vergangenheit gesagt hat, "er wolle den Staat zerstören"?

US-Präsident Donald Trump (links) im Oval Office mit dem Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn (Mitte) und Chefstratege Stephen "Steve" K. Bannon (rechts).

US-Präsident Donald Trump (links) im Oval Office mit dem Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn (Mitte) und Chefstratege Stephen "Steve" K. Bannon (rechts).

Die Proteste gegen Einreisestopp für Menschen aus sieben muslimischen Ländern nahmen am letzten Januarwochenende gerade an Fahrt auf, da traf der neue Präsident der USA eine weitere Entscheidung, die vielen Amerikanern sauer aufstieß: Er gestaltete den Nationalen Sicherheitsrat um und hievte seinen Stabschef Reince Priebus und seinen Chefberater Stephen "Steve" K. Bannon auf je einen dauerhaften Sitz in dem Gremium. 

Zwei andere ständige Mitglieder, der Vorsitzende des Generalstabes und der Direktor der nationalen Geheimdienste, müssen ihre Plätze räumen. Der Nationale Sicherheitsrat bestimmt die Außen- und Sicherheitspolitik maßgeblich mit. Zu der Gruppe gehören neben dem Präsidenten und seinem Vize unter anderem der Außenminister, der Verteidigungsminister und der Heimatschutzminister. Es ist zwar nicht unüblich, dass der Präsident das Gremium nach seinen Vorstellungen umbaut. Trumps Vorgänger setzten allerdings eher auf Fachberater und hielten politische Berater weitgehend aus dem Rat heraus.

Besonders die Personalie sorgte für einen Aufschrei bei vielen Amerikanern. Der ultrakonservative Chefstratege des Präsidenten ist höchst umstritten, seine Gegner bezeichnen ihn gar als ernsthafte Gefahr für die Demokratie.

Und dieser Mann ist nun dank seiner herausragenden Stellung im Weißen Haus "einer der mächtigsten Männer Welt", wie das US-Portal "Vox" schreibt.

Wer ist Stephen Bannon?

Der 63-Jährige ist eine der kontroversesten Figuren der Trump-Administration. Er war in der Vergangenheit bereits Marineoffizier, Banker und Filmproduzent. Bekannt wurde er vor allem als CEO, Radiomoderator und Gesicht des rechtspopulistischen Nachrichtenportals Breitbart. Bannon und Breitbart sind maßgeblich mitverantwortlich für das Erstarken der Tea-Party-Bewegung, die die vor einigen Jahren weiter nach rechts getrieben hat.

+++ Ein ausführliches Porträt über Stephen K. Bannon lesen Sie hier +++

Vor allem die Tätigkeit als Marineoffizier in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren qualifiziere den Chefberater, der über keinerlei politische Erfahrung verfügt, wiederum für den Nationalen Sicherheitsrat: Bannon habe ein "unglaubliches Verständnis der Welt und der heutigen geopolitischen Landschaft", so , Pressesprecher des Weißen Hauses.

Welchen Einfluss hat Stephen Bannon?

Zwar übt Bannon kein offizielles Regierungsamt aus, aber der Ex-Breitbart-Boss gilt als einer der engsten Vertrauten des Präsidenten. Das "Time"-Magazin schrieb mit Blick auf Bannons meist eher legeres Äußeres über ihn, er sei der einzige männliche Berater im Weißen Haus, der es wage ohne Anzug und Krawatte in Trumps Büro zu erscheinen. Trump hat ihm viel zu verdanken. Er machte Bannon im vergangenen August zum Chef seines Wahlkampf-Teams, als seine Kampagne ins Straucheln geriet. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Als Dankeschön ernannte Donald Trump den Establishment-Gegner zum höchsten Berater im Weißen Haus. Bannon gilt als einer der wenigen Menschen, auf die Trump wirklich hört, und er soll eine treibende Kraft hinter den bisherigen Erlassen des Präsidenten sein.

Die populistische "America First"-Rede etwa, die Trump zu seiner Amsteinführung gehalten hat, wurde nach Informationen des "Wall Street Journal" von Bannon mitverfasst. Dass das scharfe Einreiseverbot vom Wochenende - gegen die Empfehlung von Department of Homeland Security - auch für Greencard-Inhaber gilt, soll ebenfalls zu großen Teilen auf Bannons Geheiß hin erfolgt sein, wie CNN berichtet. Auch der neue Ton, der seit der Amtsübernahme im Weißen Haus herrscht, dürfte zumindest in Teilen auf sein Konto gehen: 

Entsprechend sehen viele seiner Gegner den 63-Jährigen als wahren Strippenzieher und Trump-Einflüsterer im Weißen Haus. Durch den Sitz im Nationalen Sicherheitsrat hat der Ex-Breitbart-Boss nun einen gewaltigen Einfluss auf die äußere und innere Sicherheitspolitik der USA. Kurz nach seiner Beförderung in das Gremium machte der Hashtag #StopPresidentBannon auf Twitter die Runde. 

Darüber hinaus dürfte Bannon immer noch einen enormen Einfluss auf die Breitbart-Berichterstattung haben, auch wenn er offiziell keine Funktion mehr bei der rechtpopulistischen Website innehat. Breitbart ist mit nach eigenen Angaben 45 Millionen Lesern pro Monat längst selbst zu einem Massenmedium geworden. Für Trump, der sich kontinuierlich scharfer Kritik durch die etablierten Medien ausgesetzt sieht, ist das Portal neben dem Sender Fox News der wichtigste mediale Rückhalt. 

Wie tickt Stephen Bannon?

Bannon wurde - insbesondere in der jüngeren Vergangenheit - so einiges vorgeworfen, unter anderem Nationalismus und Rassismus. Der ehemalige Breitbart-Mitarbeiter Ben Shapiro schrieb zu den Vorwürfen, er habe "keinen Beweis, dass Bannon ein Rassist oder Antisemit ist". Aber: Bannon habe "die rassisitische und anitsemitische Alt-Right mit offenen Armen empfangen" und Breitbart als Plattform für die ultrarechte Bewegung bezeichnet. In einem Interview mit dem "Hollywood Reporter" bezeichnete Bannon sich selbst als Nationalisten.

Bei einer Rede, die 2014 per Skype auf eine Konferenz in den Vatikan übertragen wurde, lobte er ausdrücklich die nationalistischen Bewegungen in Europa, darunter Ukip in Großbritannien, den Front National in Frankreich - und die AfD: "Es gibt eine neue Tea Party in Deutschland", sagte er mit Blick auf die ein Jahr zuvor gegründete Partei.

Woraus Bannon keinen Hehl macht, ist seine abgrundtiefe Abneigung gegen Eliten und das politische Establishment - zu dem er ironischerweise nun selbst gehört. Auch die Mainstream-Medien bekommen regelmäßig ihr Fett weg. Erst in der vergangenen Woche warf er ihnen in einem Interview vor, "das Land nicht zu verstehen", im Wahlkampf komplett versagt zu haben und empfahl ihnen "den Mund zu halten". Provokation und Polemik sind Werkzeuge, denen sich Trumps Chefeinflüsterer nur zu gern und regelmäßig bedient. 

Der Autor und Professor Ronald Radosh schreibt, Bannon habe ihm 2013 verraten, dass er "ein Leninist" sei: "Lenin", so soll Bannon demnach gesagt haben, "wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich möchte alles zum Zusammenbruch bringen, und das gesamte derzeitige Establishment zerstören."

Vier Jahre später sitzt der Urheber dieser Worte in Washington D.C. an den Hebeln der Macht. 

Einige Internet-Reaktionen unter dem Hashtag #stopPresidentBannon: