HOME

Stephen Bannon: Trumps Chefberater – der gefährlichste Mann im Weißen Haus

Donald Trumps neuer Chefstratege Stephen Bannon polarisiert fast mehr als der künftige Präsident. Der millionenschwere Medienunternehmer und Ex-Banker verhalf Trump ins Weiße Haus. Er gilt als Nationalist und Antisemit – unter anderem.

Stephen Bannon

Stephen Bannon, der künftige Chefberater des amerikanischen Präsidenten. 

Die "Washington Post" bezeichnete seine Ernennung als "ausgestreckten Mittelfinger" in Richtung Parteispitze. Demokrat Bernie Sanders, der selbst gern Präsident geworden wäre, aber in den Vorwahlen Hillary Clinton unterlag, wetterte: Die Nominierung eines "Rassisten" für eine Leitungsposition sei "völlig inakzeptabel". Es geht um Stephen Bannon, den Donald Trump zum Chefstrategen im Weißen Haus machen will. Er polarisiert wie wohl kein zweiter Akteur im Stab von Trump. Vielleicht polarisiert er sogar mehr als der neugewählte Präsident selbst. Denn mit dem 62-Jährigen macht Trump einen Mann zu einem seiner wichtigsten Berater, der seit Jahren offen nationalistisch und auch antisemitisch am rechten Rand operiert. Nicht wenige bezeichnen ihn als ernsthafte Gefahr für die Demokratie.

Bannon kämpft seit Jahren verbissen gegen das Establishment in Washington - ob gegen Demokraten oder Republikaner ist ihm dabei einerlei, jegliche Eliten sind ihm ein Dorn im Auge. Ebenso wie Einwanderer, Juden, Abtreibung, Schwule oder auch Feministinnen. Letztere bezeichnete er in einem Radiointerview von 2011 als "einen Haufen Lesben". Interessant wird sicher sein, wie der Establishment-Gegner mit Republikaner-Chef Reince Priebus auskommt, der künftig als Trumps Stabschef dient. Zumal Bannon, der nie ein politisches Amt innehatte, bald selbst zur Elite in Washington gehört.

Stephen Bannon trieb Republikaner weiter nach rechts

Bannons wichtigstes Instrument ist die rechtspopulistische Nachrichtenseite Breitbart.com, die hemmungslos gegen alles feuert, was nicht radikal konservativ ist. Im Wahlkampf war das Portal der wichtigste mediale Rückhalt für Trump, der die etablierten US-Medien fast geschlossen gegen sich hatte. Bannon war Chef von Breitbart, bis Trump ihn im August zum Chef seines Wahlkampfteams machte. Seither lässt er die Arbeit bei Breitbart offiziell ruhen. Seine Unterstützung für Trump ging soweit, dass er sich angeblich sogar in einer Bruchbude in Miami wohnhaft meldete, um im Swing-State-Florida wählen zu dürfen.

+++ Einen ausführlichen Artikel über Breitbart.com, "das Sturmgeschütz der Demagogie", lesen Sie hier +++

Bannon und Breitbart sind auch maßgeblich mitverantwortlich für das Erstarken der Tea Party, die die vor einigen Jahren weiter nach rechts getrieben hat. Das "Bloomberg Magazine" schrieb, der Publizist habe für die Tea Party eine ähnliche Rolle gespielt wie Leni Riefenstahl für Adolf Hitler.

Ein Millionenvermögen dank "Seinfeld"

Bevor Bannon ins News-Geschäft einstieg, hatte er als Banker und Filmproduzent bereits ein Vermögen gemacht. In den 1980er-Jahren arbeitete er, der zuvor als Marineoffizier diente und einen Abschluss der Harvard Business School hat, für die Bank Goldman Sachs. Im Anschluss machte Bannon sich selbstständig. Über seine Investment-Firma "Bannon und Co." gelangte er unter anderem an Beteiligungen an der Comedy-Serie "Seinfeld" des jüdischen Komikers Jerry Seinfeld. Ausgerechnet dieses Engangement brachte dem als antisemitisch geltenden Bannon Millionen von Dollar ein.

Später betätigte er sich als Produzent in Hollywood und politischer Filmemacher. Zu seinen Produktionen gehören Filme über Sarah Palin und Ronald Reagan. 2012 wurde er Chef des "Breitbart News Network", zuvor hatte er bereits eine Radiosendung auf dem Portal moderiert. Bannon wurde im US-Bundesstaat Virginia geboren und hat irisch-katholische Wurzeln. Er sagt, die Politik des demokratischen US-Präsidenten Jimmy Carter habe ihn politisiert. Er ist zudem ein tiefer Bewunderer Ronald Reagans. Bannon gilt als Überzeugungstäter, sehr intelligent und rücksichtslos. 

Parallelen zu Donald Trump

Für Diplomatie und bedachte Worte ist er bislang nicht bekannt, im Gegenteil: Provokation und Polemisierung sind geradezu Markenzeichen von ihm. Dass ihn das neue Amt zähmt, ist nicht anzunehmen. Trump hat ihn zum Chefberater gemacht, weil er ist, wie er ist. Ein Umstand, den Donald Trump an sich selbst ja auch gern hervorhebt. Bislang hat Trumps neuer Chefberater nie ein Blatt vor den Mund genommen. Über eine Dokumentation, die er 2011 über die "Occupy Wall Street"-Bewegung drehte, sagte Bannon etwa: "Man will nach dem Ansehen des Films heiß duschen. Denn man hat gerade eine Stunde und 15 Minuten mit den schleimigsten und dreckigsten Menschen verbracht, die man je sehen wird". Ob er damit nun allerdings die Aktivisten oder New Yorks Finanzelite gemeint hat, ist unklar. Zuzutrauen ist ihm beides.

mit DPA