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"Danke-schön-Tour": Trump - halb Präsident, halb Wahlkampf-Wüterich

Zum ersten Mal geht ein gewählter US-Präsident nach seiner Wahl auf "Danke-schön-Tour". Beim Auftakt in Cincinnati hielt Donald Trump eine Misch-Rede aus Regierungserklärung, Motivations-Tschakka und alter Wahlkampf-Wut.

Donald Trump in Cincinnati

Donald Trump peitscht seine Anhänger in Cincinnati ein

Humor hat er bislang nicht allzu oft bewiesen, aber offenbar schlummert er in Donald Trump: "Wir werden 'Mad Dog' Mattis zu unserem Verteidigungsminister ernennen. Aber wir kündigen das nicht vor Montag an. Also erzählt es niemandem." Sagte Trump vor Anhängern in Cincinnati. Vielen Anhängern - "vertrauliche" Informationen für Tausende. Ungewöhnlich war die Veranstaltung ohnehin, noch nie hat sich ein gewählter US-Präsident bei seinen Wählern erkenntlich gezeigt, wie der Unternehmer nun mit dem Auftakt zu seiner "Danke-schön-Tour".

Donald Trump: Präsident und Wahlkampf-Wüterich

Der Auftritt wurde so kurzfristig arrangiert, dass die Straßen rund um die US Bank Arena ohne Vorankündigung mitten im Berufsverkehr gesperrt werden mussten. In der Halle legte Trump dann eine Rede hin, die eine ungewöhnliche Mischung aus Regierungserklärung und wütender Wahlkampf-Rhetorik war. Gut drei Wochen lang winkte der Milliardär nur am Rande von Gesprächen mit seinen Minister- und Berater-Kandidaten in die Kameras, und viele Amerikaner fragten sich: Wen haben wir gewählt? Einen Chaoten oder einen Strategen? Und Trump beantwortete beides mit: Ja.

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Wie ein Blick auf seine wichtigsten Äußerungen in Cincinnati zeigt:

  • "Ihr werdet bald sehr glücklich sein. Noch sind wir sehr gespalten, aber nicht mehr lange."
  • "Wir werden Millionen neue Jobs schaffen und schnell mehr Wachstum schaffen. Wir werden Steuern senken. Für die Mittelklasse und für Firmen."


  • "Wir werden uns auf Amerika konzentrieren. Es gibt keine globale Nationalhymne. Es gibt keine globale Währung. Es gibt nur die Treue zu einer Flagge. Der amerikanischen Flagge."
  • "Warum besteht mein Kabinett aus so vielen Milliardären? Weil sie wissen, wie man Geld macht. Ich setze auf Killer."
(Über den Umstand, dass eine Handvoll seiner engsten Mitarbeiter über ein Vermögen von fast 30 Milliarden Dollar verfügt)
  • "Wir werden unser ausgezehrtes Militär wieder aufbauen. Die Welt ist ein Pulverfass. Wir haben keine andere Wahl. Wir wollen das Militär nicht einsetzen, aber wir werden den Islamischen Staat zerstören."
  • "Unser Land wurde von ahnungslosen Leuten regiert. Die Regierung (von Barack Obama, d.Red.) hat es nicht geschafft, eure Interessen zu schützen. Obama-Care werden wir abschaffen und ersetzen." (Vor Kurzem hatte Trump noch gesagt, er werde Teile der Gesundheitsreform erhalten)
  • "Wir werden die Flut von Immigranten aus Ländern stoppen, aus denen Terroristen kommen. Wir brauchen kein San Bernardino, kein Orlando, kein World Trade Center, kein Paris und kein Nizza."


Den Auftritt vor der jubelnden Menge im wichtigen wie wirtschaftlich leidenden Bundesstaat Ohio genoss der "President-elect" sichtlich. Wie in besten Wahlkampfzeiten wurde er vom Publikum gefeiert, und er dankte es ihnen mit Spitzen gegen alle, die er nicht leiden kann. Zugleich gab er bereits eine grobe Linie seiner Regierungsarbeit vor: Deregulierung über alles, niedrige Steuern, freie Fahrt für freie Unternehmen. Niemand soll mehr dafür bestraft werden, wenn er seine Geschäfte in Amerika macht.

"Nur Idioten schrauben ihre Erwartungen zurück"

Trump präsentierte sich im ersten Teil seiner Danke-schön-Rede in seiner Lieblingsrolle als Macher, und zumindest aus PR-Sicht war sein Auftritt ein großer Erfolg: Da ist er nun, der nächste US-Präsident, jemand, der Dinge erledigt bekommt, der Versprechen an die kleinen Leute wahr macht. Auch wenn sein bislang einziger Erfolg, mangels Gelegenheit, in der Rettung von 1000 Jobs in Indiana besteht. Allerdings zu dem Preis von schätzungsweise sieben Millionen Steuer-Dollar. Aber, so Trump, es sei eben nicht die Zeit der Warner. "Wer jetzt seine Erwartungen zurückschraubt, ist ein Idiot", so der kommende US-Präsident. 


mit DPA/AFP