VG-Wort Pixel

US-Wahl 2020 Trumps Skepsis über Klimawandel und Wissenschaft irritiert sein eigenes Wahlkampfteam

Sehen Sie im Video: Trump verblüfft Österreich mit Aussage zu "Waldstädten" – Wien kontert mit lustigem Video.


US-Präsident Donald Trump hat eine spezielle Meinung, warum es in vielen Ländern wie etwa Österreich weniger Waldbrände gibt als in Kalifornien.
Der US-Präsident hatte im US-Sender Fox News angesichts der verheerenden Brände in Kalifornien die Alpenrepublik als Vorbild im Waldmanagement gepriesen.
"Schauen Sie sich Länder wie Österreich an. Sie leben im Wald, sie gelten als Waldstädte. So viele davon. Sie haben keine Feuer wie dieses hier. Und sie haben mehr explosive Bäume." (US-Präsident Donald Trump)
Auf diese Aussage reagierten viele Twitter-User mit lustigen Antworten. 
Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Wiens findet eine humorvolle Antwort auf Trumps Aussagen.
"Herr Trump, Wien ruft an. Schauen Sie mal: Das ist ein Baum. Sie können unter seinem Schatten sitzen – das ist eine ziemlich einfache Lösung, den Klimawandel in unseren Städten zu bekämpfen. Fürchten Sie sich nicht! Der Baum wird nicht explodieren. Und jetzt müssen Sie ganz stark sein."
Es folgen Bilder, die zeigen, wie Wien über die Jahre grüner geworden ist.
Trump führte das Ausmaß der Waldbrände bei seinem Besuch in Kalifornien auf mangelhaftes Forstmanagement zurück - ähnlich hatte er sich in den vergangenen Jahren geäußert. 
Der Westen der USA erlebt derzeit eine äußerst heftige Feuersaison. Neben Kalifornien sind auch Oregon und Washington von schweren Wald- und Buschbränden betroffen. Wissenschaftler sehen es als erwiesen an, dass die Klimakrise Wetterextreme wie Trockenheit und Hitze verschärft, die zu heftigeren Waldbränden beitragen können. 
US-Präsident Donald Trump hat sich in der Vergangenheit mehrfach skeptisch geäußert, ob es den Klimawandel überhaupt gibt - und falls ja, ob er vom Menschen verursacht ist.
Mehr
Der Klimawandel spielt im US-Wahlkampf keine große Rolle, vor allem nicht für Donald Trump und seine Republikaner. Dabei ist vielen Konservativen die Gefahr der Erderwärmung durchaus klar – klarer jedenfalls als ihrem Präsidenten.

Manchmal verlässt auch Donald Trump sein ausgezeichnetes Gespür für die Wünsche und Themen seiner Wählerschaft. Der Klimawandel ist so ein Beispiel. Als sich der US-Präsident jüngst ein Bild von den Waldbränden in Kalifornien machen wollte, überraschte er die anwesenden Experten mit der These, dass sich das Weltklima bald wieder abkühlen werde. Den Einwand, dass dies allen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen würde, entgegnete er: "Nun, ich denke nicht, dass die Wissenschaft es wirklich weiß." Solche Aussagen sind häufig von ihm zu hören, doch damit irritiert er sogar sein eigenes Wahlkampfteam. Auch die Basis ist schon weiter als ihr Präsident.

In der USA ist der Umwelt- und Klimaschutz angesichts von Corona-Pandemie, Wirtschaftskrise und ethnischen Spannungen kein allzu großes Wahlkampfthema. Dennoch glaubt die große Mehrheit der US-Bürger, dass die Regierung in Washington zu wenig gegen den Klimawandel unternehme, wie Umfragen zeigen. Und auch wenn sich Anhänger von Trumps Republikanern deutlich weniger um die Folgen der Erderwärmung scheren als die der Demokraten, wächst unter ihnen die Sorge um die Natur. Vor allem unter jungen Konservativen. Trumps Wahlkampfstrategen haben das durchaus erkannt und unternehmen zarte Anbahnungsversuche.

Was kostet der Kampf gegen den Klimawandel?

John McLaughlin gehört zum Wahlkampf-Team des US-Präsidenten und beschreibt den Zwiespalt der US-Wähler: "Die große Mehrheit der Amerikaner hat das Problem des Klimawandels erkannt", sie sei aber nicht bereit, für die Lösung Opfer zu bringen. "Die Wähler wollen ihre Jobs behalten und sie wollen kein Geld bezahlen", zitiert das "Time"-Magazin den Meinungsforscher. In ihren Werbebotschaften betonen die Republikaner daher gerne die echten oder vermeintlichen Kosten des Kampfes gegen die Erderwärmung. Die Klimaschutzideen von Joe Biden, Trumps Kontrahent im Rennen um die Präsidentschaft, werden dann zum "arbeitsplatztötenden Krieg" oder seien gar "Sozialismus" – was in den Vereinigten Staaten gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Kollaps ist.

Weil die Parteistrategen die Klimasorgen ihrer Anhänger nicht gänzlich ignorieren können, unternehmen sie immer wieder zarte Versuche, die umweltpolitischen Erfolge Trumps zu preisen. Was nicht so einfach ist, denn die US-Regierung war in den vergangenen Jahren sehr fleißig darin, Umweltschutzauflagen, viele aus der Zeit von Amtsvorgänger Barack Obama, abzuschaffen. Das freut die Wirtschaft, hilft aber etwa der Trinkwasserqualität in der Nähe von Fracking-Gebieten wenig. Umso bemerkenswerter war jüngst Trumps Ankündigung, Ölbohrungen vor der Küste Floridas zu verbieten. Dass der US-Präsident in diesem Bundesstaat seinen Wohnsitz und ein paar Immobilien hat, war da Nebensache.

"Amerikanische Werte, Kapitalismus und Innovation"

Die allermeisten Partei-Größen akzeptieren sowohl den Klimawandel als menschengemacht als auch die wissenschaftlich geprüften Ursachen. Darauf herumzureiten, versuchen jedoch die meisten zu vermeiden. Als Lösung der Probleme schlagen sie "amerikanische Werte, amerikanischen Kapitalismus, Technik und Innovation" vor, wie es einmal Mitch McConnell sagte, Chef der Republikaner im Senat.

Teile der Parteibasis sind da schon kämpferischer. Vor allem die Jugendorganisation der Republikaner. Zwar gibt es auch dort die Fraktion der Leugner und Verharmloser, doch wächst das Lager derjenigen, die den Klimawandel ernstnehmen und bekämpfen wollen. Vor allem scheinen konservative Studenten und Neuwähler deutlich überparteilicher zu denken, als die derzeitige Führung. "Innerhalb der nächsten zehn Jahre wollen wir sehen, wie Republikaner zusammen mit den Demokraten zu realistischen Lösungen kommen", sagt etwa Jacob Abel, Studienanfänger aus New Jersey. Konkret denke er dabei an die Bepreisung von Kohlendioxid. Dass in den polarisierten Staaten von Amerika ausgerechnet die tief verfeindeten Parteien sich auf etwas wie CO2-Kosten werden einigen können, wirkt jetzt, im Jahr 2020, noch ziemlich utopisch.

Quellen: Insideclimatenews, "Time", DPA, AFP, Pew Institute , KFF.org


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker