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Drohende Steinigung von Sakineh Ashtiani: "Ein Rückfall ins Mittelalter"

Der Druck auf die iranische Regierung wächst weiter: Der französische Außenminister Kouchner und der Vatikan fordern die sofortige Freilassung der von Steinigung bedrohten Iranerin.

Von David Weyand

Das Schicksal der 43-jährigen Iranerin Sakineh Mohammadi e Ashtiani erregt weiterhin die Gemüter. Nachdem sich bereits in den vergangenen Wochen weltweit viele Menschen und Prominente für ihre Freilassung stark gemacht hatten, wandte sich heute Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner mit eindringlichen Worten direkt an die iranische Regierung. Die Verurteilung Ashtianis sei "der Gipfel der Barbarei" und "ein Rückfall ins Mittelalter", sagte Kouchner in Paris. Er wolle den Fall zu einem "persönlichen Anliegen" machen: "Wenn ich nach Teheran fahren muss, dann fahre ich nach Teheran". Grund: Noch immer sitzt die zweifache Mutter in der nordiranischen Stadt Tabriz in Haft. Wegen eines "außerehelichen Verhältnisses" droht ihr der Tod durch Steinigung.

Am vergangenen Sonntag hatte sich der 22-jährige Sohn der Inhaftierten laut Medienberichten erneut an die Weltöffentlichkeit gewandt. Gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos richtete Sajjad Ghaderzadeh einen Appell direkt an Papst Benedikt XVI. und die italienische Regierung. Er bat sie darum, "das Leben meiner Mutter zu retten". Vatikansprecher Padre Federico Lombardi schloss eine diplomatische Initiative des Papstes nicht aus. "Der Vatikan ist seit jeher gegen die Todesstrafe und die Steinigung ist eine ihrer besonders grausamen Formen", sagte er. Allerdings würde der Heilige Stuhl, wenn er in wichtigen humanitären Fragen um Einsatz in anderen Ländern gebeten werde, nicht über öffentliche, sondern über diplomatische Kanäle reagieren. Auch Italiens Außenminister Franco Frattini forderte von der iranischen Regierung einen "Gnadenakt".

Ashtiani zu 99 Peitschenhieben verurteilt

Nachdem in den vergangenen Wochen weltweit schon tausende Demonstranten gegen die drohende Steinigung protestierten, sind nun auch in Rom und anderen italienischen Städten großformatige Poster mit dem Foto der bedrohten Frau plakatiert worden.

Bereits vergangene Woche hatte sich der Sohn von Sakineh Mohammadi e Ashtiani zu Wort gemeldet. In einem Interview mit stern.de sagte Sajjad Ghaderzadeh, dass seine Mutter in einem sehr schlechten psychischen Zustand sei, Depressionen habe und Beruhigungsmittel brauche. Die internationalen Proteste gegen die Steinigung seiner Mutter hätten bislang jedoch vor allem den positiven Effekt gehabt, dass seine Mutter noch lebe.

Offenbar reagieren die Behörden im Iran unterdessen gereizt die internationale Berichterstattung. Ein Richter im Gefängnis von Tabriz verurteilte die Frau erneut zu 99 Peitschenhieben. Begründung: Sakineh Mohammadi e Ashtiani ließ sich angeblich unverschleiert auf einem Foto abbilden. In einem Artikel, der am 28. August in der britischen Zeitung "Times" erschien, war eine unverschleierte Frau zu sehen von der es hieß, sie sei Ashtiani. Der Zeitung war jedoch eine folgenschwere Verwechslung unterlaufen. Zwar veröffentlichte die "Times" eine Richtigstellung und entschuldigte sich für den Fehler, dennoch wurde Ashtiani dafür belangt. Nach Aussage der iranischstämmigen Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi und dem "Komitee gegen Steinigung" wurde die Strafe bereits vollstreckt. Dies sei auch der Grund gewesen, warum ihr Sohn in den vergangenen Wochen keinen Besuchstermin mehr bekommen habe.

Wie die iranische Justiz jetzt im Fall Sakineh Mohammadi e Ashtiani weiter entscheidet, ist unklar. Auskünfte gegenüber der Familie oder dem Anwalt gibt es laut Ahadi zurzeit nicht.